Gerichtsprozess

Nach dem Abendessen schnitt er ihr die Kehle durch

Nach dem Abendessen schnitt er ihr die Kehle durch

Nach dem Abendessen schnitt er ihr die Kehle durch

Sonderburg/Sønderborg
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In diesem Wohnhaus im Westen Sonderburgs geschah die grausame Tat. Foto: Sara Wasmund

Wegen besonders rücksichtslosen Mordes an seiner Ex-Frau ist am Freitag ein 41-Jähriger zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte seiner Frau in ihrer Sonderburger Wohnung den Hals aufgeschnitten, während die vier Kinder des Paares in der Wohnung anwesend waren.

„Das war eine besonders rücksichtlose Tat, die im eigenen Zuhause der Frau begangen wurde“, so Richterin Kristin Bergh, kurz nachdem sie am Freitag den 41-jährigen David Konstantin zu 13 Jahren Haft wegen Mordes an seiner Ex-Frau verurteilt hatte.

Der Mann besuchte die 40-Jährige am 14. Januar 2020 in ihrer Wohnung an der Adresse Mellemløkke – und schnitt ihr gegen 19.30 Uhr mit einem Messer von hinten den Hals auf.

Die vier Kinder von Täter und Opfer sowie eine Freundin der ältesten Tochter waren während der Tat in der Wohnung. Sie mussten miterleben, wie ihre Mutter um ihr Leben kämpfte und am Ende mit durchgeschnittener Luftröhre an ihrem eigenen Blut erstickte.

Der Gerichtsprozess beruhte auf dem Geständnis des Mannes, der noch am Tatort an der Wohnung hinter dem Supermarkt Rema 1000 verhaftet worden war und seitdem in U-Haft sitzt.

David Konstantin zeigte sich vor Gericht tief betroffen von seiner Schuld und gab an, die „schlimmste Strafe, ja die Todesstrafe“ zu verdienen. Ein Jahr lang habe er nun in Haft gesessen und darüber nachgedacht, wie er das habe tun können, und noch immer habe er darauf keine Antwort, so die Aussage des Mannes.

Medikamentenmissbrauch und Scheidung

Täter und Opfer lernten sich in jungen Jahren kennen, wurden mit 16 ein Paar, heirateten und bekamen vier Kinder. Von 2007 bis 2016 lebte die Familie in Schweden. David Konstantin arbeitete zunächst als ungelernte Kraft, später machte er eine Schulung zum Pförtner. Wegen eines Rückenleidens rutschte er nach eigenen Angaben in eine Medikamentenabhängigkeit, wurde arbeitslos, nahm Morphium und Schlaftabletten, „manchmal bis zu 40 oder 50 Tabletten am Stück“, so der Angeklagte.

Am Tag des Umzugs zurück nach Dänemark reichte seine Frau die Scheidung ein – und floh mit ihren vier Kindern ins Frauenhaus. Ein Gerichtsurteil von 2016 bescheinigt David Konstantin, seine Frau über Jahre bedroht und geschlagen zu haben.

Aus dem Frauenhaus auf Nordseeland zog die Mutter mit ihren vier Kindern nach Sonderburg. David Konstantin zog wenig später ebenfalls von Køkkedal auf Nordseeland in die Kommune am Alsensund (Alssund), nach Norburg (Nordborg) in eine Wohnung. Über das verhängte Besuchsverbot hätten er und seine Ex sich in beidseitigem Einvernehmen hinweggesetzt, so der Angeklagte vor Gericht.

„Zunächst hatten wir einen guten Kontakt, ich hatte auch einige Freundinnen.“ Dennoch blieb der Medikamentenmissbrauch konstant hoch – und die Mutter verweigerte ihrem Ex deswegen immer wieder den Kontakt zu den Kindern, forderte ihn immer wieder auf, sein Leben in den Griff zu kriegen.

Der Polizeieinsatz an jenem Dienstagabend in der Wohnung an der Mellemløkke Foto: Presse-fotos.dk/„JydskeVestkysten“

Am Tag des Mordes kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung. David Konstantin hatte sich per SMS für den Abend angekündigt. „Ich wollte einfach nur die Kinder sehen und nach ein, zwei Stunden wieder fahren“, beschreibt er den Abend.

Er hatte sich am Tag der Tat selbst aus der psychiatrischen Abteilung des Apenrader Krankenhauses entlassen, wo er wegen Medikamentenmissbrauchs behandelt worden war. Die fatale Einschätzung, die dem Patientenjournal zu entnehmen ist: „Von dem Patienten geht keine Gefahr mehr für sich oder andere aus.“

David Konstantin entlässt sich also selbst, nimmt den Bus gegen 18 Uhr aus Norburg und trifft in der Wohnung ein, als die Familie gerade beim Abendessen sitzt.

Nach dem Essen spielt er mit seiner jüngsten Tochter Verstecken. Doch dann entwickelt sich eine Diskussion mit seiner Ex-Frau über die Kinder. „Sie hat mir dann gesagt, dass ich die Kinder überhaupt nicht mehr sehen darf. Da bin ich sehr wütend geworden. Und in meinem Kopf hat es Klick gemacht. Plötzlich hatte ich die Idee im Kopf, ihr den Hals durchzuschneiden.“

Ob er seine Ex-Frau habe töten wollen?, fragte Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen. „Ich denke, die Antwort darauf ist Ja“, so der Mann.

Stichwunden in Gesicht, Hals und Oberkörper

Während er mit seiner Tochter weiter Verstecken spielt – das Mädchen war zum Zählen ins Kinderzimmer gegangen – geht er zu einer Küchenschublade, nimmt ein Messer heraus und tritt von hinten an die auf dem Sofa sitzende Frau heran. Mit einem Schnitt schneidet er ihr den Hals auf.

Die Frau versucht zu entkommen, erleidet aber weitere Stichwunden in Gesicht, Hals und Oberkörper. Auch ihre Hände wiesen tiefe Schnittwunden bis auf die Knochen auf, was laut Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen von einem verzweifelten Abwehrkampf der Frau zeugt.

Die Kinder kommen während des Kampfes aus ihrem Zimmer, erst dann hört David Konstantin auf, auf seine Ex-Frau einzustechen. Das Opfer schleppt sich vor die Wohnung, wo sie an ihrem Blut erstickt, noch bevor die Rettungskräfte eintreffen.

Anwältin Karoline Normann machte auf den strafmildernden Umstand aufmerksam, dass David Konstantin selbst den Notruf wählte und seine Tat von Anfang an einräumte. Auch die Tatsache, dass der Täter zuvor Schlafmittel und Schmerztabletten eingenommen hatte, sei zu berücksichtigen. David Konstantin hatte ausgesagt, direkt vor der Tat rund zehn Tabletten geschluckt zu haben, „um ausgeglichener zu sein“.

„Sie hat um ihr Leben gekämpft“

Richterin Kristin Bergh machte aber keine mildernden Umstände geltend. Im Gegenteil. Sie folgte der Forderung der Staatsanwältin, die eine Gefängnisstrafe zwischen 12 und 13 Jahren gefordert hatte.

Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen sagte in ihrem Plädoyer, sie habe „selten so viele und schwere Abwehrverletzungen gesehen“. „Sie hat um ihr Leben gekämpft. Dem Täter war es vollkommen gleichgültig, dass er den vier anwesenden Kindern ihre Mutter nehmen würde, wohl wissend, dass er sie auf diese Weise elternlos zurücklassen würde. Er hat die Frau in ihrem eigenen Zuhause getötet, und es gab keinerlei Provokation von ihrer Seite.“ Außerdem sei die Traumatisierung der Kinder eine „sehr, sehr ernste Sache“, so Rikke Brændgaard-Nielsen.

Den Kindern wurden Schadenersatz und Versorgungsgelder in Höhe von mehreren Hunderttausend Kronen zugesprochen. Der Täter hat sich nach Verkündigung des Strafmaßes Bedenkzeit erbeten, ob er gegen das Urteil Einspruch einlegt.

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