Leben auf dem Land

Kerstin aus Köln hat sich eine Dorfschule gekauft – das sind ihre Pläne

Kerstin aus Köln hat sich eine Dorfschule gekauft – das sind ihre Pläne

Kerstin hat sich eine Schule gekauft – das sind ihre Pläne

Meels/Mjels  
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Kerstin Magens im alten Klassenraum, wo in Zukunft Workshops, Kurse und Seminare stattfinden sollen. Foto: Sara Eskildsen

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Ein Sommerbesuch in Süddänemark hatte Folgen für Kerstin Magens aus Köln: Die 45-Jährige verliebte sich in das alte Schulgebäude in Mjels – und zog kurzentschlossen ein.

Sie hat sich eine alte Dorfschule gekauft und möchte die hohen ehrwürdigen Räume in Mjels mit neuem Leben füllen: Kerstin Magens ist im Mai 2022 mit ihrer vierjährigen Tochter und Partner nach Nordalsen (Nordals) gezogen und baut sich nun ein neues Leben in Süddänemark auf.

Aus Köln nach Mjels – die Liebe zum Landleben und die Sehnsucht nach Ruhe und Meer waren ausschlaggebend, erzählt Kerstin Magens. Und ein ganz besonderer Moment.

„Ich wollte schon lange wieder aufs Land ziehen, ich komme ursprünglich aus Schleswig-Holstein. Im Sommer 2021 habe ich eine Freundin auf Kekenis besucht und dachte: Ist das schön hier! Dann habe ich nur mal spaßeshalber ein paar Häuser herausgesucht, und wir sind einfach mal nach Nordalsen gefahren.“

Nahe am Meer – näher an der Familie

Gerade an diesem Tag fand in der Dorfschule von Mjels ein offenes Café statt, das die Vorbesitzerin organisiert hatte.

„Ich bin hier in dieses Gebäude gegangen und dachte: Das ist einfach so schön. Es gibt so Momente in meinem Leben, da weiß ich: Das muss ich machen. Zudem war das Haus nahe am Meer, näher an meiner Familie, und die Landschaft gleicht Ost-Holstein, wo meine Großeltern gelebt haben.“ Das Schulgebäude stand zum Verkauf – und Kerstin Magens kaufte es.

Die vierjährige Tochter ließ sich schnell überzeugen. „Sie war mit hier zu Besuch und fand es total toll. Ich habe sie gefragt, ob sie Lust hat, nach Dänemark zu ziehen, und sie hat gleich Ja gesagt“, erinnert sich Kerstin Magens lachend.

Das Gebäude der damaligen Dorfschule wurde 1924 erbaut und im Dezember 1925 eingeweiht. Der Schulbetrieb lief bis 1961, danach ging es für die Kinder des Ortes in der Volksschule Oksbüll in Broballe weiter. Foto: Sara Eskildsen
Blick auf den Gang im Schulgebäude, an dessen Ende der Klassenraum liegt. Foto: Sara Eskildsen

Ihre Dorfschule soll eine Anlaufstelle für Seminare, Workshops, Frauenkreise und Beratungsangebote werden.

Die gelernte Ergotherapeutin hat sich im Laufe ihres Berufslebens stetig weitergebildet. Sie hat den Umgang mit Traumata erlernt und in Praxen mit traumatisierten Menschen gearbeitet. „Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum kommen die alle mit Verhaltensauffälligkeiten in die Praxen? Was ist denn da los?“

Schrei-Baby-Ambulanz für Mütter

Daraufhin begann für sie eine Reise. „Um zu erfahren, was dahintersteckt“, erklärt Kerstin Magens. Heute ist sie Begleiterin von Menschen und Familien in schwierigen Zeiten.

Sie steht Frauen als Krisenhelferin bei Schwangerschaft und Geburt zur Seite und hilft mit ihrer Schrei-Baby-Ambulanz Müttern, deren Babys viel schreien und wenig schlafen.

Kerstin Magens arbeitet unter anderem als selbstständige Traumahelferin und Körpertherapeutin. Foto: Sara Eskildsen

Kerstin Magens ist seit 2013 selbstständig. Sie begleitet und coacht über ihr Beratungsangebot „In VerBindung sein“ Eltern, Kinder und Einzelpersonen.

Hat sie mittlerweile herausgefunden, warum so viele Kinder heutzutage verhaltensauffällig sind? Das Zulassen von Körperkontakt, Eingriffe während der Schwangerschaft und der Geburt sowie Ernährung sind drei Haupt-Themen, mit denen sich Kerstin Magens beschäftigt.

Online-Kurse und Beratung

Ihre Beratung funktioniert online, ihr Internetseite wird derzeit ausgebaut, auf YouTube und Instagram hat Kerstin Magens einen eigenen Kanal. Auch Kurse für Darm- und Stoffwechselkuren hat sie im Angebot, der nächste startet online am 21. Januar 2023.

Das Wohnhaus (r.) liegt direkt neben dem Schulgebäude und diente früher als Lehrer-Haus. Foto: Sara Eskildsen
Als ob die Zeit stehen geblieben ist: Die Vorbesitzerin hatte in der alten Schule eine kleine Seifenmanufaktur. Kerstin Magens kann sich gut vorstellen, dass es in der Dorfschule auch in Zukunft einen kleinen Stand mit regionalen und nachhaltigen Produkten gibt. Foto: Sara Eskildsen

Nach dem Umzug im Mai ist sie dabei, in ihrer neuen Heimat anzukommen – und Kontakte zu knüpfen. Von den Nachbarn ist sie freundlich begrüßt worden, sagt die Zuzüglerin, und die Vorbesitzerin hat noch immer einen Teil ihrer kleinen Seifen-Manufaktur in der alten Schule.

Seit August lernt sie an der Sprachschule Dänisch. Bis sie die Sprache fließend spricht, wird ihr Angebot auf Deutsch und auf Englisch sein – oder mit Übersetzung, sagt Kerstin Magens.

Gemeinsam mit anderen will sie ein Netzwerk schaffen. Eine Anlaufstelle, die Frauen stärkt und für das Leben ausrüstet. Ein Ort, an dem auch die Akademie für Potenzialentfaltung von Gerald Hüther einen Standort haben kann.

Schrittweise renovieren

Jetzt im Winter ist es kalt in der alten Schule. Wo die Schiefertafel von einst noch immer an der langen Wand hängt. Wo die alten Fenster bis an die Decke reichen und neben jeder Menge Licht auch jede Menge Kälte durchlassen.

„Ich will das Gebäude schrittweise renovieren. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne bei mir melden“, sagt die 45-Jährige.

Durch diese Tür sind zwischen 1925 und 1961 viele Hundert Schülerinnen und Schüler spaziert. Foto: Sara Eskildsen

Generell ist es ihr Wunsch, die alte Dorfschule mit neuem Leben zu füllen. „Ich lade die Menschen ein, in die Schule zu kommen und ihre Angebote anzubieten.“ Auch für Yoga, Tai Chi, Qi Gong und Ähnliches stellt sie die alte Schule gerne zur Verfügung – Kerstin Magens freut sich auf neue Kontakte und Anfragen.

Die alte Dorfschule als neue Anlaufstelle

Ihr spontaner Beschluss, nach Süddänemark zu ziehen, hat nicht nur das Leben von Kerstin Magens verändert. Als neue Anlaufstelle auf dem Land soll die alte Dorfschule in Mjels auch das Leben vieler anderer Menschen zum Besseren verändern.

Mit dem Dornröschenschlaf in der Dorfschule ist es jedenfalls vorbei – denn mit vielen Gästen und Besuchenden ist zu rechnen.

Das alte Klassenzimmer soll nach und nach zum Seminarraum werden. Foto: Sara Eskildsen
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