Deutsche Minderheit

Kaffee und Kuchen für die Nazis: Das zeigt die Ausstellung über den 9. April

Kaffee und Kuchen für die Nazis: Das zeigt die Ausstellung über den 9. April

Kuchen für die Nazis: Die neue Ausstellung zum 9. April

Sonderburg/Sønderborg
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Museumsleiter Hauke Grella im Raum der Sonderausstellung vor einem Foto, das deutsche Soldaten am 9. April 1940 in Tondern zeigt. Foto: Sara Eskildsen

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Bejubelte Besatzer: Im Deutschen Museum Nordschleswig eröffnet am Freitag eine Ausstellung, die neue Einblicke in den Tag der Besetzung Dänemarks durch Deutschland zeigt. Ein erster Besuch.

Der Tag ist noch jung. In Tondern (Tønder) kochen Mitglieder der deutschen Minderheit Kaffee und stellen entlang der Straßen Kuchen bereit, um die Soldaten der Nationalsozialisten zu feiern, die seit Sonnenaufgang über die deutsch-dänische Grenze marschieren.

Empfangsparaden und Jubel für deutsche Besatzer

Für große Teile der Deutschen Minderheit in Nordschleswig beginnt ein Festtag. Der 9. April 1940 nimmt in den Städten Nordschleswigs mit Empfangsparaden und Jubel für die deutschen Besatzer seinen Lauf.

Eine neue Ausstellung im Deutschen Museum Nordschleswig zeigt mit bislang unveröffentlichten Fotos und Zeitzeugenberichten einzigartige Einblicke jenes Tages, an dem Dänemark von den Nationalsozialisten besetzt wurde.

Auch in den Tagen nach dem 9. April 1940 zogen immer wieder Soldatenzüge durch die Städte, hier am 13. April in Hadersleben. Foto: Sara Eskildsen

Am Freitag, 31. März, eröffnet die Fotoausstellung „9. April und die Frage der Grenze“. Sie zeigt nicht nur, wie Angehörige der deutschen Minderheit den Soldaten zujubelten und die Besetzung begrüßten. Sie erklärt auch das Warum.

„Wir gehen auf die Vorgeschichte ein, wie die Minderheit nach der Grenzziehung 1920 darauf gehofft hat, wieder Teil von Deutschland zu werden. Weshalb man sich 1933 den Nationalsozialisten anschloss und warum die Menschen am Ende jubelten, als die deutschen Soldaten ab dem 9. April durch die Straßen zogen“, erklärt Museumsleiter Hauke Grella.

Bislang unveröffentlichtes Material

Das Museum zeigt bislang unveröffentlichte Bilder und Zeitzeugenberichte aus Tondern, Lügumkloster (Løgumkloster), Bredewatt (Bredevad), Bredebro, Apenrade (Aabenraa) und Hadersleben (Haderslev).

 

Die Bilder stammen zum Teil aus privaten Fotoalben, die Berichte von Augenzeugen aus Tagebüchern und Vereinsaufzeichnungen. Die Fotowände sind mit Zitaten gespickt.

Wie das folgende Zitat von Carl D. Jacobsen aus Tondern: „Während die Menschenmenge nun da stand und auf die deutschen Truppen wartete, kam plötzlich ein Bus gefahren … . Beim näheren Hinschauen sah ich dänische Soldaten im Bus. Sie kamen zurück von der Grenze, wo sie den deutschen Truppen hatten Halt gebieten sollen, aber dann doch das Sinnlose eines solchen Vorhabend eingesehen hatten. Als die Überraschung über den unerwarteten Bus sich gelegt hatte, wurde gelacht. Es muss weh getan haben, wenn sie es im Bus hörten.“

Deutsches Museum: Generalversammlung und Eröffnung

  • Die Fotoausstellung „9. April und die Frage der Grenze“ eröffnet am Freitag, 31. März 2023, im Rahmen der Generalversammlung des Trägerverein Deutsches Museum und ist bis Ende 2023 zu sehen,
  • Beginn der Generalversammlung ist um 16 Uhr im Deutschen Museum Nordschleswig.
  • Im Anschluss der Jahresversammlung gibt es eine kurze Einführung in die Sonderausstellung zum 9. April. Außerdem wird ein kleiner Imbiss gereicht.

„Auf einigen Fotos sieht man, wie die deutschen Soldaten lächeln, während sie jubelnd empfangen werden. Es muss komisch für sie gewesen sein, als Besatzer in ein Land zu kommen, wo sie jubelnd empfangen wurden“, so Hauke Grella. „Das war außerhalb von Nordschleswig natürlich nicht der Fall. Man kann auf einigen Fotos erahnen, wie positiv überrascht die Soldaten waren.“

Hoffnung auf eine Zeitenwende

Große Teile der deutschen Minderheit habe den Tag der Besatzung mit der Hoffnung auf eine Zeitenwende verbunden. Eine Wiedervereinigung mit Deutschland schien am 9. April in greifbarer Nähe.

Die Ausstellung zeigt aber auch, wie später ein Umdenken innerhalb der deutschen Minderheit im Hinblick auf die Grenze begann – konkret mit der Haderslebener Erklärung von 1943, einer ersten offiziellen Formulierung, dass die Grenze von 1920 anerkannt werden müsse.

„Es ist im Grunde unglaublich, wie viel Geschichte ein einzelner Raum beinhalten kann. Und das von einem einzigen Tag“, sagt Museumsleiter Hauke Grella.

„Daraus mussten wir einfach eine Ausstellung machen“

Die Ausstellung ist den vielen spannenden Funden im Deutschen Archiv Nordschleswig geschuldet. Immer wieder stießen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Museum und Archiv auf sehenswerte Dokumente, Fotos und Berichte vom 9. April. „Daraus mussten wir einfach eine Ausstellung machen“, erklärt Grella.

Der erste Tag, an dem die Sonderausstellung zu sehen ist, ist am Sonnabend, 1. April, ab 10 Uhr.

 

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