Kultur

Grenzüberschreitende Kunst: Neue Gesichter in der Gemeinschaft

Grenzüberschreitende Kunst: Neue Gesichter in der Gemeinschaft

Grenzüberschreitende Kunst: Neue Gesichter in Gemeinschaft

Alnor
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Es wurde ab- und aufgehängt. Foto: Karin Riggelsen

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Flensborg Fjords Kunst & Kulturforening konnte am Sonntag in der Förde-Schule diverse neue Mitglieder aus Deutschland und Dänemark begrüßen. Die Ausstellung „Das Leben ist bunt“ wird verlängert.

Normalerweise passiert an einem Sonntag in einer Schule überhaupt nichts. Das war am 6. Februar in der Förde-Schule Gravenstein ganz anders: Der Parkplatz auf dem Schulhof war vollbesetzt. Dort hielten Autos aus Deutschland neben solchen aus Dänemark und am Eingang strömten Frauen und Männer mit einigen ihrer Werke entweder hinaus zum Auto – oder hinein in die Schule.

In der Kaminhalle wurde eifrig in einem unterhaltsamen Mischmasch aus Deutsch und Dänisch geplaudert. Dort gab es immer wieder ein gutgelauntes „Hallo“ und „Mojn Mojn“.

Die Vorsitzende Inge Olsen und die zweite Vorsitzende Karin Baum bei einer deutsch-dänischen Ansprache in der Förde-Schule Foto: Karin Riggelsen

„Brückenbauer für Kunst und Kultur“

Die zweite Vorsitzende des Flensborg Fjord Kunst & Kultur strahlte begeistert. „Das ist ja genau das, was wir sind: Brückenbauer – für Kunst und Kultur und für Minderheit und Mehrheit. Seit 16 Jahren“, so Karin Baum.

In der Förde-Schule holten sich einige der Künstlerinnen und Künstler ihre Werke ab. Die frei werdenden Wandflächen schnappten sich andere Künstler der FFKK (Flensborg Fjords Kunst & Kulturforening), die nun ihre Werke in Alnor eine Zeit lang ausstellen können.

Ausstellung mal 3

Die aktuelle Ausstellung „Das Leben ist bunt“ geht diesmal ganz außergewöhnlich in eine dritte Runde. Sie begann 2020 wegen Corona mit einer geschlossenen Online-Ausstellung, wurde dann erst im vergangenen November offiziell auf normale Weise eingeläutet. Am 22. Februar hätte sie in der Schule eigentlich zu Ende gehen sollen. Sie wird nun aber im Zuge der guten Zusammenarbeit mit der Institution verlängert. Wie lange, das wird sich noch zeigen.

Teilnehmerinnen bei der Kaffeerunde Foto: Karin Riggelsen

Karin Baum freute sich aber nicht nur über die dritte Runde der Ausstellung in der Förde-Schule. Der FFKK hat neue Mitglieder erhalten. Sechs aus Dänemark und fünf aus Deutschland, wie Karin Baum feststellte. Sie konnten am Sonntag in der Förde-Schule zum ersten Mal ihre neuen Künstler-Kolleginnen und -kollegen treffen.

Inspiration und Austausch

Zu den neuen Mitgliedern des FFKK gehörte Britta Behrend (62) aus Schleswig.„Diesmal bin ich hier eigentlich nur zum Reden. Ich habe keine Kunstwerke dabei“, meinte sie lächelnd.

Mit ihrer Freundin Frida Metzdorf malt sie sonst immer in Lindewitt. Sie hatte sich aber bei FFKK angemeldet, weil sie sich noch mehr Kontakt zu anderen Künstlern wünscht. „Eine andere Inspiration bekommen und sich austauschen“, wie sie erklärte.

Hanne Dica Trøstrup vor ihrem Werk Foto: Karin Riggelsen

Sofort angemeldet

Hanne Dica Trøstrup (61) aus Trasbüll (Tråsbøl) malt seit sechs Jahren sehr farbintensive Acrylwerke. „Ich habe Karin Baum durch einen Zufall getroffen. Sie hat mich gefragt, ob ich nicht Mitglied werden würde, und das hat mich so glücklich gemacht. Ich habe mich sofort angemeldet“, stellt sie glücklich lächelnd fest. Sie liebt Farben. „Und da ist die Ausstellung ’Das Leben ist bunt’ ja perfekt“, wie Karin Baum feststellt.

Trotz Geburtstag dabei

Ein Geburtstagskind gesellte sich sonntags auch zur neuen FFKK-Truppe, die mittlerweile aus 160 Frauen und Männern besteht. John Iversen (68) aus Hörup (Hørup) hatte Papierfiguren mitgebracht. „Für mich ist das ja ein Tag wie jeder andere in meinem Leben. Ich habe mit Karin (Baum, Anm. der Red.) gesprochen und ich finde es gut, wenn man mit anderen zusammen ist, die für die gleiche Sache brennen. Man kriegt seine Sachen ja auch nicht so oft ausgestellt“, wie er bemerkt.

John Iversen wurde am Sonntag 68 Jahre alt - und kam doch in die Förde-Schule. Foto: Karin Riggelsen

Er liebt es, im Winter mit Drähten, Papier und Mehlkleister-Figuren kleine farbenfrohe Kunstwerke zu schaffen. „Dann nörgelt man richtig. Wäre ich eine Frau gewesen, hätte ich bestimmt gehäkelt“, meint er lachend.

Keine Soloausstellungen mehr

Zu den Neuen in der grenzüberschreitenden Kunstrunde gehörte auch die Norwegerin Gro Sveen (69) aus Atzbüll (Adsbøl).

Karin Baum (l.) und Gro Sveen aus Atzbüll Foto: Karin Riggelsen

„Karin (Baum, Amm. der Red.) hat mich bei einer Ausstellung in Schleswig gehijackt. Ich lebe seit 1979 in Dänemark und habe schon immer gemalt. Ich war 2000 übrigens bei einer weltweiten kuratierten Ausstellung, die Prinz Charles als Schirmherren hatte. Es waren 52 Länder mit fünf Gemälden aus jedem Land dabei. Ich habe mich bei FFKK angemeldet, weil ich gern in einer Gruppe bin. Für mich gibt es keine Solo-Ausstellungen mehr. Das ist mir einfach zu anstrengend“, so Gro Sveen. Sie liebt das Malen, hat aber nie davon leben können.

Karin Baum hat Kontakt zu zwei jungen Künstlerinnen aus Deutschland, deren Mütter schon Mitglied bei FFKK sind.

Für die jungen Mitglieder unter 25 Jahren hat der grenzüberschreitende Kunst- und Kulturverein übrigens ein gutes Angebot. Ihr erstes Jahr beim FFKK ist kostenlos.

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Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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