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27-Jähriger in U-Haft: „Ich wurde von den anderen angegriffen“

27-Jähriger in U-Haft: „Ich wurde von den anderen angegriffen“

27-Jähriger in U-Haft: „Wurde von den anderen angegriffen"

Sonderburg/Sønderborg
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Das Stadtgericht in Sonderburg Foto: Karin Riggelsen (Archiv)

Polizei wirft einem Ausländer Körperverletzung von drei Gefängnisangestellten vor. Der Mann streitet alles ab. Er wurde für vier Wochen in U-Haft geschickt.

Wegen Corona geht es manchmal auch im Gericht etwas anders zu. Normalerweise sitzt ein Mann, der dem Haftrichter vorgeführt wird, in einem Gerichtssaal vor einem Richter. Am Donnerstag wurde um 11 Uhr ein 27-jähriger Mann wegen der Corona-Pandemie aber mithilfe einer Konferenzschaltung aus Esbjerg verhört. Dem Mann wird die Körperverletzung von drei Gefängnisangestellten im Sonderburger Arrest vorgeworfen.

Am Mittwoch um 16.15 Uhr hatte der Mann laut Staatsanwalt einem Gefängnisangestellten mit einer Faust direkt ins Gesicht geschlagen. Anschließend hatte er zwei weitere hinzugerufene Wärter bei einem Tumult angespuckt, ins Gesicht gekratzt, am Bein verletzt und versucht, den Widersachern einen Kopfstoß zu versetzen.

Beim Gebet überrascht

Der 27-jährige Afrikaner, der eigentlich keinen Bezug zu Dänemark hat und eigentlich das Land verlassen sollte, stritt alle Anschuldigungen ab. „Das waren die anderen, die mich überfallen haben“, so die Übersetzung des Dolmetschers.

„Was haben die denn konkret gemacht?“, fragte der Staatsanwalt.

„Ich bin Moslem, und ich hockte auf dem Boden, weil ich beten wollte. Plötzlich kam jemand herein und sprach mich an. Ich konnte ihn nicht verstehen. Es gab für die andere Person keinen Platz. Also wollte ich ihn mit einer Hand stoppen. Plötzlich wurde ich von den anderen angegriffen“, erklärte der Dolmetscher. Er habe niemanden mit der Hand geschlagen, niemanden angespuckt oder versucht, den anderen einen Kopfstoß zu versetzen.

Eine ganz andere Version

Laut Aussage der Gefängnisangestellten war alles ganz anders verlaufen. Der eine Mitarbeiter hatte lediglich die Gitter im Gefängnisfenster kontrollieren wollen. Der 27-Jährige stand am Fenster und schaute nach unten. Plötzlich wurde der Wärter von einer Faust im Gesicht getroffen. So habe alles angefangen.

Da auf die Körperverletzung von öffentlich Angestellten gerichtstechnisch mehr als 30 Tage Haft stehen, wurde der 27-jährige Mann für vier Wochen in U-Haft geschickt. Der Mann ging nicht in Berufung.

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