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Linak-Chef ganz persönlich: „Ich wäre vermutlich nicht derselbe Bent geworden“

Linak-Chef ganz persönlich: „Ich wäre vermutlich nicht derselbe Bent geworden“

Linak-Chef über sein Leben – und die beste Idee von allen

Guderup
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Bents erster Schultag: Eine neue Biografie von Tom Okke gibt Einblicke in das Leben von Linak-Gründer Bent Jensen, der 1958 eingeschult wurde. Foto: Privat/Politikens Forlag

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Persönlich wie nie erzählt Linak-Gründer Bent Jensen in einem neuen Buch über sein Leben. Warum lässt er die Öffentlichkeit an seinen privaten Erinnerungen teilhaben? Im Interview gibt Jensen eine Antwort.

Bent Jensen hat aus einem kleinen Familienunternehmen auf der Insel Alsen ein weltweit operierendes Unternehmen gemacht, das in 27 Ländern aktiv ist.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Jensen als junger Mann aus dem Maschinenunternehmen seines Großvaters das Unternehmen Linak gründete? Wer ist der Mensch hinter dem Unternehmensgründer, und wie hat der frühe Tod der Mutter sein Leben geprägt?

In der neuen Biografie „Den bedste idé“ schreibt Autor Tom Okke über das Leben von Bent Jensen. Warum er der Öffentlichkeit in dem Buch seine ganz persönliche Geschichte erzählt, verrät Jensen im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Mit dem Titel „Den bedste idé“ ist ein Buch über dich und dein Leben entstanden. Wie war das, so intensiv zurückzublicken?

„Es war gar nicht leicht, alles mitzubekommen. Wenn man weiß, dass es zu einem Buch werden soll, muss man ja von ganz vorn anfangen, um den armen Journalisten nicht zu verwirren. Mir fällt das eher schwer. Ich kam mit vielen Witzen daher, also stand der Journalist manchmal auf sehr dünnem Eis. Er hatte Schwierigkeiten zu interpretieren: Ist das jetzt ein Witz oder nicht? Ich necke gerne, und wir haben viel gelacht. So viel, dass er abends Schmerzen im Kiefer hatte, im 'kjæf', wie wir auf Sønderjysk sagen.“

Wie hast du es empfunden, die 71 Jahre deines Lebens Revue passieren zu lassen?

„Die Geschichte von Linak habe ich schon oft erzählt, da gab es wenig Neues. Aber was meine Person betrifft, da sind wir tiefer eingetaucht. Auch was meine Kindheit angeht. Es ist mir nicht schwergefallen. Man kann wohl sagen, dass ich im Buch schonungslos ehrlich bin. Ich erzähle Geschichten, mit denen man vielleicht eher nicht gerechnet hätte. Die ich aber gerne erzählen wollte. Wenn ein Gesamtbild von mir entstehen soll, muss alles mit. Da nützt es nichts, nur die netten Geschichten zu erzählen.“

Bent Jensen sagt: „Mein Leben hat als Farbfilm begonnen, und als meine Mutter starb, wurde es für einige Jahre ein Schwarz-Weiß-Film.“ Foto: Sara Eskildsen

Warum wolltest du deine Lebensgeschichte mit Leserinnen und Lesern in ganz Dänemark teilen?

„Warum habe ich Ja dazu gesagt, bei diesem Buch mitzumachen? Es war zunächst mal nicht meine eigene Idee. ,Jyllands-Postens’ Politikens Forlag hat mich kontaktiert und gefragt, ob ich bei einer solchen Biografie mitmachen wollte. Und das konnte ich mir gut vorstellen. Ich habe es wohl vor allem für Linak, für das Unternehmen gemacht. Dass es dabei auch um mich als Privatperson geht, das war dann im Grunde eine Voraussetzung. Ich wollte die Geschichte von Linak festhalten. Wenn jemand sich davon inspirieren lassen kann, was ich gemacht habe, dann freut mich das enorm. Wenn jemand sagt: Das will ich auch versuchen und die Energie für die nächsten Schritte aufbringt. Es gibt viele Unternehmensgründer hier in Dänemark, aber viele kommen nicht weiter. Verbessern ihre Ideen mehr und mehr, aber kommen nicht dahin, wo sie verkaufen, Kundschaft haben und in Gang kommen. Ich würde mir wünschen, dass meine Geschichte eine Inspiration sein kann. Dass mein persönliches Leben dabei auch Thema ist, gehört dazu. Manche werden sich mehr für meine persönliche Geschichte interessieren, manche mehr für die Linaks und manche für beides.“

Du bist auf Alsen weltberühmt. Würdest du dir darüber hinaus wünschen, in gleichem Maße im ganzen Land und weltweit bekannt zu sein, wie etwa Jørgen Mads Clausen mit Danfoss?

„Bekanntheit ist für mich kein Ziel in sich selbst. Wir haben getan, was wir konnten. Linak hat Tochtergesellschaften in 27 Ländern, und wir verkaufen weltweit gut. Aber es ist schwer, weltweit als Name berühmt zu werden. Selbst in Dänemark. Wer kennt in Kopenhagen schon Linak? Unsere Kunden sollen wissen, wer wir sind. Aber mir ist es doch total egal, ob man in Kopenhagen oder in der Welt Linak kennt oder nicht. Das Bedürfnis habe ich nicht. Das Buch war kein Drang von meiner Seite aus, bekannter zu werden. Überhaupt nicht. Ich wollte unsere Geschichte festhalten.“

Bent mit seiner Schwester Else Marie 1957 Foto: Privat/Politikens Forlag

Die Deutschen waren jedoch immer gut darin, unsere Aussprache so zu nehmen, wie sie war. Keiner hat sich auf den Boden geworfen vor Lachen.

Bent Jensen

Bent Jensen und Linak

Bent Jensen kommt 1951 in Norburg (Nordborg) zur Welt.

Sein Großvater Christian gründet das Unternehmen „Chr. Jensen Maskinbygger“, das Maschinen für die Landwirtschaft produziert.

1969 beginnt Bent Jensen eine Maschinenlehre bei Danfoss.

1976 beendet er sein Studium zum Maschineningenieur und übernimmt das Familienunternehmen.

1979 erfindet Bent Jensen den Prototyp eines linearen Aktuators. Einen Linearantrieb, der für Antriebssysteme genutzt wird. Die Anfangsbuchstaben des linearen Aktuators geben dem Unternehmen 1984 seinen neuen Namen: Lin-ak.

Linak ist in 27 Ländern mit einem umfassenden Sortiment an elektrischen Linearantrieben, Linearaktuatoren, Hubsäulen und anderen technischen Lösungen vertreten.

Am Standort und Hauptsitz in Guderup sind rund 1.200 Menschen angestellt.

 

Dein Großvater Christian musste als Soldat im Ersten Weltkrieg für Deutschland kämpfen. Er überlebte, doch sein kleiner Bruder fiel im Krieg. Hat das eure Familie und das Verhältnis zum Nachbarland Deutschland geprägt?

„Mein Großvater hatte Glück, er musste nicht direkt an die Front. Prinzipiell war das aber kein Thema, über das gesprochen wurde. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Großvater über die Zeit geredet hat. Man kann nicht sagen, dass unsere Familie deshalb einen Hass auf die Deutschen entwickelt hat. Keinesfalls. Auch nicht nach dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht auf Hitler, aber nicht auf die Deutschen an sich. Wir sind alle Europäer und müssen zusammenarbeiten. Es gibt keine feindlichen Gefühle gegenüber den Deutschen. Wir heißen sie hier sehr willkommen, nicht nur in unserem neuen Ferienresort auf Nordalsen.“

Sprichst du Deutsch?

„Wir hatten Deutsch in der Schule, aber ich war wirklich schlecht. Nicht, weil es Deutsch an sich war. Ich hatte einfach keine Lust. Meine Frau und ich haben ja zusammen die Realschule besucht, und ich kann mich daran erinnern, dass wir zum Realexamen im Fach Deutsch beide die Zensur 03 erhalten haben – wir waren also wirklich sehr, sehr schlecht. Ich habe mich später darüber geärgert, denn mit Linak bekam ich relativ schnell deutsche Kunden. Und mir fiel es enorm schwer, Deutsch zu sprechen. Heute können fast alle Englisch, aber damals war es wirklich gut, wenn man Deutsch konnte. Die Deutschen waren jedoch immer gut darin, unsere Aussprache so zu nehmen, wie sie war. Keiner hat sich auf den Boden geworfen vor Lachen. Und ich habe erlebt, dass viele Deutsche unseren dänischen Akzent im Grunde recht charmant finden.“

Wann hast du zum letzten Mal Deutsch gesprochen?

„Das war erst in dieser Woche. Ich hatte einen Niederländer zu Besuch, und wir haben uns auf Deutsch unterhalten. Glücklicherweise ist mein Deutsch mit den Jahren etwas besser geworden.“

Bent Jensen in seinem Büro, das sich im Hauptsitz des Unternehmens Linak am Nordborgvej befindet. Foto: Sara Eskildsen

Wenn du noch mal ein junger Mann sein könntest – würdest du Dinge anders machen in deinem Leben?

„Nein. Ich hatte das beste Leben, das ich mir hätte vorstellen können. Wenn ich etwas anders machen könnte, würde ich meine Mutter länger leben lassen, aber das lag ja nicht in meiner Hand, ich habe sie ja nicht umgebracht (Mutter Dygny Jensen starb 1965 an Krebs, Anm. d. Red.). Mein Leben hat als Farbfilm begonnen, und als meine Mutter starb, wurde es für einige Jahre ein Schwarz-Weiß-Film. Erst als ich meine Frau kennenlernte, kehrten die Farben zurück. Das war eine düstere Periode in meiner Jugend, als meine Mutter starb. Zusammen mit einem Vater, der die Rolle meiner Mutter nicht ausfüllen konnte. Er konnte uns kein Heim schaffen. Ich hatte kein Zuhause mehr, als meine Mutter starb. Aber diese dunkle Zeit in meinem Leben hat mich auch stärker gemacht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich bereit gefühlt hätte, das Unternehmen zu übernehmen, wenn ich diese schwere Zeit nicht durchlebt hätte. Schafft man es, gut aus einer dunklen Periode herauszukommen, dann stärkt dich das. Wäre meine Mutter damals nicht gestorben, wäre ich vielleicht ein verwöhnter Junge geblieben, der sich nie in die Welt hinaus getraut hätte, um sich zu beweisen. Ich wäre vermutlich nicht derselbe Bent geworden.“

Bent Jensen bei seiner Hochzeit mit Lene Jensen im September 1977 Foto: Privat/Politikens Forlag

 

Du sagst in deinem Buch, dass du nie in Pension gehen willst. Warum nicht?

„Irgendwann gehe ich natürlich in Pension, indem ich von meiner Rolle als CEO zurücktrete. Das muss irgendwann in ein paar Jahren passieren. Allerdings gebe ich mein Büro nicht ab, das bleibt meins. Ich will als Vorstandsvorsitzender weiterarbeiten. Ich habe kein Interesse daran, zu Hause zu sitzen und Däumchen zu drehen.“

Was gibt es dir, jeden Tag ins Büro zu kommen?

„Das hier ist mein Leben. Man kann auch fragen: Was habe ich davon, zu Hause zu sein? Angenommen, ich bleibe zu Hause, dann beginnt man damit, alle Schritte des Tages ganz langsam zu machen. Frühstück und Zeitung bis weit in den Vormittag hinein, um sich dann zu überlegen, was man dann macht. Nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Vielleicht arbeite ich irgendwann etwas weniger. Nutze mal einen Tag mit gutem Wetter, um segeln zu gehen. Mit meiner Frau und dem Boot rausfahren, wenn das Wetter gut ist. Meist ist das Wetter ja gerade am Wochenende schlecht. Ich habe vor, zur Arbeit zu gehen, solange ich dem Unternehmen guttue und solange es gewünscht ist. Sollte ich irgendwann mal ein Komplettidiot werden, muss mir das dann natürlich jemand sagen. Ob ich dem dann zustimme, wird man sehen (lacht). Aber ein ganz normales Leben als Pensionist kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Ich bin genug gereist in meinem Leben. Ich war mal auf Safari im Krüger-Park, und wir fuhren mit dem Jeep. Irgendwann sagte der Führer: Da ist ein Löwe! Und was haben wir gesehen? Einen Busch, der sich bewegt hat. Nein, ich finde, dass man sich ganz ausgezeichnete Safaris im Fernsehen anschauen kann. Mit seinem Rotwein direkt neben sich.“

Unternehmer Bent Jensen entdeckte schon als junger Mann seine Leidenschaft fürs Violinenspiel. Foto: Privat/Politikens Forlag

Du besitzt angeblich Nordschleswigs teuerste Geige, die du an einen Musiker des „Sønderjyllands Symfoniorkesters“ ausgeliehen hast. Stimmt das, und warum hast du das gemacht?

„Ich besitze einige sehr wertvolle Violinen. Es war schon immer mein großes Hobby, Violine zu spielen. Ich bin bestimmt nicht so gut wie ein Musiker des Sinfonieorchesters, aber ich bin recht gut darin, Spielmanns- und Folkmusik zu spielen, irische und schottische. Ich war viele Jahre meines Lebens ein begeisterter Besucher des Tønder Festivals. Mittlerweile nicht mehr, das Festival hat sich in eine andere Richtung bewegt. Das ist auch gut so, aber für mich hat es nicht mehr so gepasst. Violine spielen hat mich immer begeistert, und irgendwann habe ich mir in der Schweiz eine richtig gute französische Violine gekauft. Eine Lupot. Aber ich konnte nicht darauf spielen! Das Instrument ist schwer zu spielen, aber wenn man es schafft, es zu spielen, ist es besonders gut. Und da dachte ich, dass es schade wäre, wenn diese Violine nur in ihrem Kasten liegt. Verkaufen wollte ich sie auch nicht, so eine Violine ist immer eine gute Investition. Also habe ich sie zunächst an den ehemaligen Kapellmeister Carsten verliehen, und mittlerweile spielt sie Alexandru (Radu, Anm. d. Red.).“

Hörst du dir oft Konzerte mit deiner Violine an?

„Ja, erst gestern waren wir im Halloween-Konzert des Orchesters. Wir besuchen oft die Konzerte des Sinfonieorchesters. Wir sind ein Sponsor des Orchesters, und den Konzerten zuzuhören, ist ein Vergnügen. Ich freue mich, dass die Violine gespielt wird. Als Musiker wiederum hat man nicht unbedingt die Mittel, sich ein solches Instrument zu kaufen. So haben wir alle etwas davon.“

Was kostet eine solche Geige?

„Ich habe 1,4 Millionen Kronen bezahlt. Das ist im Vergleich zu einer Stradivari-Geige noch billig.“

Bent Jensens Großvater Christian gründete das Unternehmen „Chr. Jensen Maskinbygger“, aus dem Jahrzehnte später Linak wurde. Foto: Privat/Politikens Forlag

Wo liegt Linaks Zukunft in 20 Jahren – weiterhin auf Alsen?

„Das ist auf jeden Fall etwas, wofür ich gekämpft habe. Der Generationswechsel wurde bei Linak bereits vor einigen Jahren vollzogen*. Meine Töchter besitzen seitdem je ein Drittel des Unternehmens in Form von Aktien. Das haben wir damals gemacht, um zu sichern, dass das Unternehmen hier verwurzelt und im Familienbesitz bleibt. Man hätte das Ganze auch an einen Kapital-Fonds verkaufen können. Anstatt viel Geld in die Automatisierung der Produktion hier vor Ort zu investieren, wie wir es gemacht haben, hätte man das Ganze vermutlich in die Slowakei verlegt, wo man weitaus billiger produzieren kann. Das wollte ich nicht, das kann ich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Ganze hier zugemacht wird und die Angestellten entlassen werden.“

*2012 führt Linak einen formellen Generationswechsel durch: Die Töchter Marie und Ditte besitzen seitdem jeweils ein Drittel der Aktien, Bent und Lene Jensen ein weiteres Drittel.

Fühlst du eine Verantwortung für die Angestellten?

„Für die Angestellten und die Gegend. Ich sage immer: Als Toter muss ich gut damit leben können, was ich in meinem Leben gemacht habe.“

Warum glaubst du an die Insel Alsen als Standort?

„Weil ich hier geboren bin. Dort, wo man geboren ist, da fühlt man eine Verbundenheit. Mir geht es jedenfalls mit Alsen und ganz Nordschleswig so. Vor Linak gab es hier in Guderup nichts. Jetzt haben wir gut 1.200 Angestellte hier, das macht einen Unterschied. Das wird wertgeschätzt. Das Gleiche mit unserer Investition in das Ferienresort auf Nordalsen. Das ist nichts, womit wir Geld verdienen wollen. Es soll rund laufen und der Gegend zugutekommen. Alle meine Kindheitserinnerungen sind von hier. Damals ist man nicht einfach so nach Sonderburg gefahren. Das waren seltene Gelegenheiten. Ich erinnere mich, dass es nur in Sonderburg diesen ganz besonderen Milchshake gab. Ich habe von diesem Milchshake geträumt! Eines Tages bin ich mit dem Rad von Norburg nach Sonderburg gefahren, nur um diesen Milchshake zu kaufen. Das habe ich auf dem Rückweg bitter bereut, meine Güte war der lang!“

Die Biografie „Den bedste idé“

  • Der aus Tingleff (Tinglev) stammende Autor Tom Okke hat mit der Biografie „Den bedste idé“ ein Buch geschrieben, in dem Bent Jensen ungewohnt private und persönliche Einblicke in sein Leben und Arbeiten gibt.
  • Das Buch beinhaltet viele private Fotos aus dem Leben von Bent Jensen und umfasst 215 Seiten. Es ist im Verlag „Politikens Forlag“ erschienen und kostet 300 Kronen.
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