Deutsche Minderheit

Nach zehn Jahren: Klages und Klages verlassen Nordschleswig

Nach zehn Jahren: Klages und Klages verlassen Nordschleswig

Nach zehn Jahren: Klages und Klages verlassen Nordschleswig

Sonderburg/Sønderborg
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Marc-Oliver Klages und Susanne Klages ziehen von ihrer Wohnung in Sonderburg ins Bootshaus nach Berlin. Foto: Sara

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Sie ist Sporttrainerin beim DJN, er war Ruderlehrer des NRV. Nach rund zehn Jahren in den Reihen der deutschen Minderheit verlassen Susanne und Marc-Oliver Klages Nordschleswig. Ein Abschiedsinterview.

Aus Nordschleswig nach Berlin: Statt aufs Osterfest bereiten Susanne und Marc-Oliver Klages (MOK) ihren Umzug vor. In wenigen Tagen zieht Marc-Oliver Klages aus Sonderburg an die Spree, Susanne Klages folgt Mitte Juli. 

Nach zehn Jahren im Dienst der deutschen Minderheit endet für das Sportlerpaar Klages das Kapitel Nordschleswig. Marc-Oliver Klages war bis Ende März Rudertrainer des Nordschleswigschen Ruder-Verbands (NRV), Susanne Klages arbeitet noch bis Mitte Juli als Sporttrainerin und Projektmitarbeiterin für den Deutschen Jugendverband für Nordschleswig (DJN).

Kurz vor der Abreise nach Berlin, wo Marc-Oliver Klages zum 1. April seine Trainerstelle bei der Rudergesellschaft Wiking Berlin antritt, nimmt sich das Paar Zeit für ein Abschiedsinterview in ihrer Sonderburger Wohnung.

MOK (54) hat die Trainerlizenz A des Deutschen Sportverbands und hat über den Deutschen Olympischen Sportbund ein Studium an der Trainerakademie in Köln als Diplom-Rudertrainer abgeschlossen.

Susanne Klages (51) ist Diplom-Ökonomin mit Schwerpunkt Marketing und Marktforschung, Tierärztin mit Schwerpunkt Klauentiere und hat den Fitnesstrainer- sowie den Rudertrainerschein Stufe B sowie den Rhönradtrainerschein C.

Marc-Oliver Klages tritt die Stelle in Berlin zum 1. April an. Foto: Sara Eskildsen

Wann geht es für euch los Richtung Berlin? 

MOK: „Wir fahren Freitag los, und dann werde ich erstmal im Bootshaus wohnen, bis wir eine Wohnung finden, die Rudergesellschaft wird uns bei der Wohnungssuche unterstützen. Meine Stelle als Rudertrainer bei der Rudergesellschaft Wiking Berlin beginnt am 1. April.“

Susanne, wie lange bleibst du noch in Nordschleswig?

Susanne Klages: „Wir haben zu Mitte Juli einen Aufhebungsvertrag gemacht, danach werde auch ich nach Berlin ziehen. Bis dahin arbeite ich weiter für den Jugendverband. Mein Nachfolger wird in etwas abgewandelter Form Christian Flader, der aktuell als Pädagoge an der Deutschen Schule Buhrkall arbeitet.“

Susanne Klages beim Rhönradtraining in Tondern Foto: Monika Thomsen

Was werdet ihr an eurer Zeit in Nordschleswig vermissen? Und was werdet ihr nicht vermissen?

MOK: „Die Gegend ist sehr schön, und Fisch können die Dänen sehr gut. Was ich nicht vermissen werde, das sind so die Kameraden, die mir das Leben hier schwer gemacht haben.“

Susanne Klages: „Ich werde ziemlich viel vermissen. Die Gegend und einige Leute. Manche aber auch definitiv nicht. Was ich nicht vermissen werde: dieses unglaublich Reservierte. Das dürfte in Berlin anders sein, und darauf freue ich mich. Wenn man hier irgendwo hinkommt, sind manche Leute überhaupt nicht offen. Sind sehr oberflächlich, und man kommt so gar nicht richtig ran und rein. Das werde ich nicht vermissen. 

Hier sind manche Sachen extrem locker. Das ist manchmal gut und manchmal sehr nervig. Wenn man etwas organisiert, ist auch noch in den letzten fünf Minuten noch etwas unklar. Alle gehen davon aus, dass es am Ende schon passt. Ich plane schon gerne ein bisschen mehr. Dieses Optimistische: Ach das wird schon irgendwie passen, werde ich vermissen. Aber dieses `ja weiß ich auch nicht, gucken wir dann, wenn es so weit ist‘, das werde ich bestimmt nicht vermissen.“

Susanne Klages ist Diplom-Ökonomin, Tierärztin und Sporttrainerin. Foto: Sara Eskildsen

2014 seid ihr aus Bremen nach Nordschleswig gezogen. Was war das Besondere an eurer Zeit in der deutschen Minderheit?

MOK: „Es gibt eine Menge verschiedener Menschen. Die Clubs und Rudervereine unterscheiden sich sehr in Geschichte und Kultur. Es gibt komplett verschiedene Vereinsleben. Das hätte ich am Anfang nicht gedacht. Wir haben mit Apenrade und Sonderburg zwei Clubs, die richtig Rennsport betreiben wollen. Dann gibt es die Norderharde und Hoyer, wo der breitensportliche Aspekt wichtig ist. Und einen Verein in Gravenstein, wo sich in den vergangenen Jahren die Mitgliedschaft fast vollständig ausgetauscht hat und in dem nun die Eltern von Ruderschülern den Verein schmeißen. Das war sehr spannend, über die fast zehn Jahre hinweg die Entwicklungen mitzuerleben und zu beobachten.“

Susanne Klages: „Ich habe mit dem Rhönradturnen etwas komplett Neues gelernt. Mit dem Rhönradtraining, aber auch mit dem Job insgesamt fand ich es spannend, dass man hier die Chance bekommt, Dinge durchzuführen, wenn sie laufen. Die Rhönrad-WM 2022 zu begleiten, war ein Höhepunkt. Einfach toll, und es war super, ein Teil davon gewesen zu sein! Ich empfinde es als einen Luxus, dass ich etwas für Geld machen durfte, was ich normalerweise auch ehrenamtlich gemacht hätte, weil es mir Spaß macht. Und dass man so viele verschiedene Sportgruppen und Menschen betreut hat. Ich habe Kindergartensport und Sitzsportgruppen mit Senioren betreut, Jugendliche mit Floorball oder Badminton, habe Schwimmkurse durchgeführt und vieles mehr. Allgemein kann ich zur Arbeit sagen: Mittlerweile weiß ich auch genau, wen ich zu welchem Thema und zu welcher Frage anrufen kann. Man hat es jetzt verstanden, wie es hier läuft. Daher finde ich es auch total schade, hier wegzuziehen.“

Marc-Oliver Klages ist Diplom-Rudertrainer Foto: Sara Eskildsen

Was wird wohl die größte Umstellung von Nordschleswig auf Berlin? 

MOK: „Die Anforderungen an den Job sind völlig anders als hier, weil es deutlich mehr um Leistung geht. Der Club Wiking Berlin hat eine leistungssportliche Geschichte bis hin zu Olympiamedaille und Weltmeisterschaften. Das ist eine spannende Aufgabe und das ist auch mein Hintergrund. Das wird hochspannend. Das Leben wird definitiv anders in einer großen Stadt, in der es immer ein Grundrauschen gibt. Hier wohnen wir mitten in Sonderburg – und man hört nichts von der Stadt. Auch das Ruderrevier ist komplett anders: Gerudert wird am Wasserstraßenkreuz Britzer Kanal / Teltowkanal, darüber gelangt man auf die Spree. Bestimmt nicht so idyllisch wie hier, aber es sind perfekte Rudersportbedingungen wie im Labor. Dort kann man den Rennsport in seiner reinen Lehre wirklich durchziehen.“

Susanne, was wirst du in Berlin machen? 

Susanne Klages: „Keine Ahnung, das weiß ich bisher nicht. Ich werde sehen, was sich ergibt und welche spannende Aufgabe es sein wird. Ich werde einfach gucken, was kommt, und was sich gut und richtig anfühlt.“

Der Teelichthalter in Ruderbootform ist ein Abschiedsgeschenk aus der Norderharde. Außerdem gab es von vielen Ruderschülerinnen und Ruderschülern handgeschriebene Abschiedsgrüße. Foto: Sara Eskildsen
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