Kommentar

„Weihnachtsmarkt-„Hygge“ in Nordschleswig: Fehlanzeige.“

Weihnachtsmarkt-„Hygge“ in Nordschleswig: Fehlanzeige.

Weihnachtsmarkt-„Hygge“ in Nordschleswig: Fehlanzeige.

Kilian Neugebauer
Kilian Neugebauer
Apenrade/Aabenraa
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Bei strahlenden Lichtern und winterlicher Temperatur gemütlich Bratwurst essen, Glühwein trinken und mit Freunden „Hygge“ betreiben – die Weihnachtsmärkte bringen „Nordschleswiger“-Praktikant Kilian Neugebauer so richtig in Weihnachtsstimmung. Um diese „Hygge“ zu erleben, zieht es die meisten zwangsläufig gen Süden der Grenze – ein Widerspruch.

In Kopenhagen sehen die Weihnachtsmärkte dürftig aus. Das ist nicht mein Fazit, sondern das des Kopenhagener Bürgermeisters für Beschäftigung und Integration in einem Artikel von „Berlingske“. Dieser möchte sich nun vom eindrucksvollen Tourismusmagneten – dem Lübecker Weihnachtsmarkt – südlich der Grenze inspirieren lassen.

Mit Verlaub, auch in Nordschleswig ist noch viel Luft nach oben – keine der hiesigen Städte bietet einen Weihnachtsmarkt an, der wie in Deutschland wirklich zum Verweilen einlädt. Stattdessen treten viele Menschen aus Nordschleswig die Fahrt nach Deutschland an, um bei strahlenden Lichtern die Weihnachtsmarktkultur mit Glühwein und Bratwurst zu genießen.

Ursprünglich wollte ich – Praktikant beim „Nordschleswiger“ und Autor dieses Textes – eine Übersicht über die Weihnachtsmärkte der Region in Nordschleswig geben. Schnell war mir klar, ich bin auf eine Marktlücke gestoßen: Weder in meiner Wahlheimat Sonderburg, noch in vielen anderen Städten gibt es überhaupt zu „Hygge“ einladende Märkte – und der Weg nach Tondern ist mir für eine Bratwurst und Glögg oft zu weit.

Sicherlich wäre der Weihnachtsmarkt, wie viele Däninnen und Dänen ihn südlich der Grenze aus Lübeck, Flensburg und Co. kennen, ein kultureller Import. Das Potenzial für einen gelungenen Weihnachtsmarkt mit „hyggeliger“ Stimmung und eigener Note hätte Nordschleswig aber durchaus: Glögg oder Æbleskiver sind hier der Renner.

Warum also existieren so wenige Weihnachtsmärkte oder werden gar in der Öffentlichkeit als „dürftig“ bezeichnet?

Ein Widerspruch im „Hygge“-Land

Die dänische Weihnachtskultur ist dank vieler Rituale und Sitten eine eindrucksvolle, und auch Zugezogene haben diese zu schätzen gelernt. Ich selbst vermisse als deutscher Zuzügler in Dänemark dennoch die regelmäßigen Besuche auf dem Weihnachtsmarkt – ein Treffpunkt mit Freunden, der zu Gesprächen und ja – auch zu viel Glühwein und anderen Leckereien einlädt. Für mich ist das ein Ritual, um so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen.

Es scheint mir ein Widerspruch, dass das „Hygge“-Land Nummer eins lediglich „dürftige“ Weihnachtsmärkte hervorbringt. Ein dänischer Weihnachtsmarkt mit einer schönen Beleuchtung, vielen Buden mit lokalen und regionalen Produkten, Glögg und Æbleskiver, würde in vielen Städten Dänemarks großen Anklang finden.

Nordschleswigs Städte bieten gemütliche Zentren mit anschaulichen Plätzchen, an denen mehr „Hygge“ in der Weihnachtszeit einkehren könnte. Das würde auch dem Weihnachtsgeschäft der Innenstädte guttun und vielleicht sogar Touristinnen und Touristen aus Deutschland anlocken – eine Win-win-Möglichkeit. Es ist mir nur schwer begreiflich, dass diese Marktlücke in Nordschleswig noch nicht erkannt wurde. Stattdessen wird der Weihnachtsmarkt-Tourismus gen Süden der Grenze einfach tatenlos beobachtet.

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