Kabarett

Nachts auf dem Knivsberg – mit Käse, Wein und Maske

Nachts auf dem Knivsberg – mit Käse, Wein und Maske

Nachts auf dem Knivsberg – mit Käse, Wein und Maske

Kivsberg/Knivsbjerg
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Eine frustrierte Mutter und ein unzufriedener Pfleger entführen „Nachts im Bundestag“ einen unbedeutenden Politiker. Foto: Karin Riggelsen

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Beim ausverkauften Kabarett der „Distel“ mit dem Titel „Nachts im Bundestag“ hat sich „Der Nordschleswiger“ unters Publikum gemischt, um zu erfahren, wie es ist, wieder gemeinsam zu lachen.

Der Parkplatz ist bereits gut gefüllt. Die meisten Besucherinnen und Besucher, die sich an diesem Donnerstagabend eine Karte für das Kabarett auf dem Knivsberg gekauft haben, sitzen schon seit einer Dreiviertelstunde im Speisesaal und essen Käse und trinken Wein. Lediglich die Scheinwerfer eines Autos erhellen den Parkplatz. Ein Mann steigt aus und läuft zum Haupteingang. Dort setzt er seine Maske auf und tritt ein. Eine Mitarbeiterin kontrolliert den Corona-Pass.

Vor dem Kabarett gibt es Käse und Wein. Foto: Karin Riggelsen

Aus dem Speisesaal dringt Stimmengewirr und das Klirren von Gläsern. Es scheint, als wäre es dem Manns nicht ganz geheuer, in das Stimmengewirr einzutauchen, deshalb bleibt er stehen und fragt die Mitarbeiterin: „Wie weit sind die Stühle im Theatersaal auseinandergestellt?“ Ihre Antwort, sie wisse es nicht, scheint ihn nicht zu beruhigen. Seine Vorsicht steht im Gegensatz zu dem ausgelassenen Gemurmel im Speisesaal.

Leere Teller: Der Käse hat den Gästen geschmeckt. Foto: Karin Riggelsen

Doch plötzlich kommt Bewegung in die Sache, und die Gäste strömen in den Theatersaal, der jetzt geöffnet ist. Stühle werden zurückgeschoben, Masken aufgesetzt. Was übrigbleibt, sind Teller mit leeren Käsespießen.

Im Theatersaal steht genau die Anzahl der Stühle, die für diesen Abend erlaubt sind, mit Abstand zueinander vor der Bühne. Erleichtert, einen Platz gefunden zu haben, nehmen viele der 85 Besucherinnen und Besucher ihre Maske, die sie für den Weg hierher aufsetzen mussten, wieder ab. Obwohl die Atmosphäre locker und erwartungsvoll ist, sorgen die steigenden Corona-Zahlen für leisen Gesprächsstoff. Eine Frau blickt auf ihr Handy. „Schon wieder eine Lehrerin infiziert“, seufzt sie und steckt es dann zurück in ihre Tasche.

Marion Petersen begrüßt die Gäste, die sich auf den Abend freuen. Foto: Karin Riggelsen

Kurze Zeit später geht das Licht im Saal aus und auf der Bühne an. Marion Petersen, Kulturausschussvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, begrüßt die Anwesenden zum Kabarett „Nachts im Bundestag“. „Endlich gibt es wieder Kultur live und in Farbe“, sagt sie und erhält vom Publikum zustimmendes Nicken.

Dann beginnt die Show, und nach und nach tritt das fünfköpfige Kabarettensemble „Distel“ aus Berlin auf die Bühne. In Deutschland fallen ihre Aufführungen zurzeit aus, und auch die Vorstellung in Nordschleswig ist zweimal aufgrund der Pandemie verschoben worden.

In Berlin fallen die Shows der „Distel“ derzeit aus. Foto: Karin Riggelsen

Nun führen sie ein Stück auf, bei dem es um eine Alleinerziehende und einen Pfleger geht, die nachts im Bundestag einen Politiker entführen. Dieser entpuppt sich allerdings als völlig unbedeutend und ist für die beiden kein Druckmittel, ihre Forderungen zu erreichen. Mit verschiedenen Sketchen, in denen unter anderem die Politik, die Autoindustrie und die Unterhaltungsbranche aufs Korn genommen werden, schaffen es die Schauspielerin und die Schauspieler, die Gäste vom Knivsberg mit in den Bundestag zu nehmen.

Der Funke ist bereits nach den ersten 15 Minuten übergesprungen. Eine Frau nimmt ihre Brille ab, um sich vor Lachen die Tränen aus den Augen zu wischen. Eine andere klatscht sich auf die Schenkel. Das Lachen der Zuschauerinnen und Zuschauer ist ansteckend. Der Applaus zwischen den Szenen wirkt für Ohren, die lange nicht mehr in Gesellschaft so vieler Menschen waren, fast etwas zu laut.

Die Tanzeinlagen kommen beim Publikum gut an. Foto: Karin Riggelsen

Das eine oder andere Husten, das zwangsläufig zu hören ist, wird gekonnt ignoriert, die Gäste sind hier, um sich zu amüsieren. Und das scheint zu klappen. In der Pause freut sich eine Zuschauerin über die tolle Qualität des Stückes, eine andere lobt die Aktualität der Witze und den spitzen Humor: „Die trauen sich was.“

Auf dem Weg zum Speisesaal wird eine Frau von ihrer Begleiterin zurückgerufen: „Karin, du musst dich maskieren.“ Die Frau bleibt stehen und kramt ihre Maske aus der Hosentasche. „Das ist ab Dienstag ja zum Glück alles vorbei“, sagt sie und holt sich ein Getränk.

Auf der Bühne wird auch musiziert. Foto: Karin Riggelsen

Auch nach der Pause hat das Kabarett mit Live-Musik, Tanzeinlagen und Gesang die Lacher auf seiner Seite. Kurz vor Schluss stehen plötzlich alle Zuschauerinnen und Zuschauer auf ihren Plätzen, strecken die Hände in die Höhe und stimmen in einen Chor mit ein, den das Kabarett vorgibt. Eine Interaktion zwischen Publikum und Bühne, die nur live funktioniert.

Mit einem großen Applaus verabschieden die Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger die Kabarettistin und die Kabarettisten. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz drehen sich die Gespräche plötzlich nicht mehr um Corona, sondern um eine Entführung nachts im Bundestag.

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