Knivsberg

Annes Escape-Room: Ein Traum geht in Erfüllung

Annes Escape-Room: Ein Traum geht in Erfüllung

Annes Escape-Room: Ein Traum geht in Erfüllung

Knivsberg/Knivsbjerg  
Zuletzt aktualisiert um:
Anne Steinfurth wollte schon jahrelang einen Escape-Room selbst gestalten. Foto: Donna Scherlinzky

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Durch die Horrorwoche auf dem Knivsberg konnte die engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterin Anne Steinfurth endlich ihren eigenen Escape-Room bauen. Dabei hat sich die 37-Jährige mit einem fleißigen und kreativen Team an der Seite viele Gedanken gemacht.

„Also mein Kopf ist immer am Rattern, was Kreativität angeht. Ich sehe immer Sachen und frage mich, was kann ich damit anfangen, was kann ich damit anstellen?“

Anne Steinfurth hat schon seit Jahren einen Traum: Einmal einen Escape Room erstellen. Mit der Hilfe des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und der Bildungsstätte Knivsberg hat sie nun ihren Wunsch in die Tat umgesetzt und sich ans Werk gemacht.

Noch bis zum 20. Dezember können Horror-Fans auf dem Knivsberg die liebevoll schaurig eingerichteten Escape-Rooms lösen.

In der Woche, bevor die Räume eröffnet werden, geht die Initiatorin des Projekts noch mal auf den Berg, um den Escape-Rooms den letzten Feinschliff zu geben.

Mehr Kunstblut

In der Klobaracke ist es dunkel. Die Fenster sind abgeklebt, sodass sie kein Sonnenlicht erlauben. Gruselige Musik ertönt aus allen Ecken, blutige Fußstapfen sind auf dem Boden verteilt. Überall in dem Gebäude sind Spinnweben verteilt.

Aus einem Raum weiter hinten kommen zwei Personen hervor. Anne Steinfurth begrüßt die beiden Neuankömmlinge. Sowohl Maja Wallraff als auch Constantin Piehler machen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Bildungsstätte Knivsberg.

Die 37-Jährige öffnet eine der Klokabinen.

Anne Steinfurth hat mehr Kunstblut zu diesem blutigen Schädel- und Knochenhaufen hinzugefügt. Foto: Donna Scherlinzky

Darin zu sehen ist eine riesige Kunstblutlache, auf der sich Knochen und Schädel türmen. Überall drumherum laufen Bluttropfen die Wand herunter – der Werwolf, dem dieses Versteck gehören soll, hat reife Leistung bewiesen.

Die Erinnerung, dass alles nicht echt ist, kommt im nächsten Moment. Die Erschafferin dieses Escape-Rooms holt Kunstblut aus ihrer Tasche. „Wir brauchen noch mehr Blut, das reicht noch nicht ganz.“ Dann schüttet sie es nach.

Arbeit im Ehrenamt

Eigentlich ist Anne Steinfurth Helferin im deutschen Kindergarten Hadersleben, seitdem sie nach Dänemark gezogen ist. Nebenbei arbeitet sie als Ehrenamtliche mit der Theatergruppe TheaterDrang am Knivsberg zusammen.

Die gelernte Ergotherapeutin hat die Idee, Escape-Rooms selbst zu machen, aber nicht erst seit gestern: „Überhaupt die Idee, meinen Escape-Room zu machen, habe ich schon ganz lange. Also die ist schon seit drei Jahren im Hinterkopf.“

Steinfurths Wunsch ist in Erfüllung gegangen, denn im Rahmen der Horrorwoche auf dem Knivsberg konnte sie sich endlich ab dem Frühjahr dieses Jahres ans Werk begeben.

„Und ganz schnell haben sich für die Horrorwoche viele Schulen angemeldet. Dann hieß es plötzlich: Wir brauchen nicht einen Raum, wir brauchen zwei. Und am Ende sind es fünf Räume geworden“, erzählt Anne Steinfurth.

Dieser Text hängt am Eingang des Werwolfsverstecks. Foto: Donna Scherlinzky

Schauriges Werwolfsversteck

Am Eingang des einen Escape-Rooms hängt ein Text, der von dem einsamen Werwolf in seinem Versteck erzählt – einer verlassenen Baracke im düsteren Wald.

Überall in dem Zuhause gibt es Hinweise auf sein trauriges Dasein – leere Alkoholflaschen auf Regalen, hier und da eine einsame Kerze, blutige Knochen, vereinzelte Zeichnungen (seiner Opfer?) und Spinnweben.  

Diese liebevoll hergerichteten Details wären nicht möglich, ohne die Einstellung der Ehrenamtlichen, alles immer weiterzuverwerten.

Das Ziel ist, aus den Escape-Rooms einen Ausweg zu finden. Foto: Karin Riggelsen

Hilfe von Überall

Ganz ohne Hilfe hat Anne Steinfurth die ganze Zeit über nicht an den Escape-Rooms gearbeitet. Im Gegenteil, sie hatte viel davon.

Kurzgeschlossen hat sich die Projektleiterin zuerst mit Alexandra Kaulitz, nachdem das Projekt festgesetzt wurde. „Alex ist eigentlich in Heide und studiert da Tourismusmanagement, aber war mir eine große Hilfe. Sie ist an zwei Wochenenden extra zum Knivsberg gereist“, erzählt Steinfurth.

Darüber hinaus war Kaulitz auch für drei der fünf Escape-Rooms verantwortlich. „Beziehungskiller“, nennen sich die drei identischen Räume. Sie sind nur für die Zeit der Horrorwoche gedacht, danach werden sie abgebaut.

Steinfurth öffnet eine der Hütten, um einmal hereinzuschauen. Ein sofortiger Blickfang ist die blutige Schrift an der einen Seite der Hütte: „ALLE SOLLEN STERBEN.“ Alles ist verdunkelt.

In der Mitte des Gebäudes hängt ein schwarzer Sack, der mit Klebeband und einem Seil am oberen Stockwerk befestigt ist. Aufgebaut ist dieser Escape-Room wie ein Tatort.

Neben Alexandra Kaulitz hat auch Elisabeth Simon, Mitarbeiterin des Knivsberges mitgeholfen. Zahlreiche Bilder und Leinwände wurden von Simon beigesteuert.

Anne Steinfurth, Maja Walraff und Constantin Piehler sind stolz auf ihre Escape-Rooms Foto: Donna Scherlinzky

Das Labor der verschollenen Kinder

Viel ihrer Zeit haben auch Maja Walraff und Constantin Piehler geopfert. Die beiden FSJ’ler aus Bremen und Frankfurt am Main haben stolz einen eigenen Escape-Room vorzuzeigen.

Die 18-Jährige und der 19-Jährige öffnen das „Labor der verschollenen Kinder“, eine weitere Baracke. Als die beiden zusammen mit Anne Steinfurth den Raum betreten, werden sie von Spielzeug begrüßt – massenhaft Spielzeug.

Thomas die Lokomotive steht am Gang und starrt mit seinen signifikant großen Augen im rötlichen Licht auf die Eintretenden.

An der Seite ist eine kleine Einbuchtung, in der nachher während des Spiels Constantin Piehler sein soll: Er stellt eines der noch lebendigen Kinder aus diesem Raum dar.  

„Die ganze Idee hat so cool gewirkt, dass wir einfach mithelfen wollten“, erklärt der junge Mann. Die beiden hätten begeistert mitgearbeitet, das bestätigt auch Projektleiterin Anne Steinfurth: „Ich bin so begeistert von den beiden und sehr dankbar, dass sie hier sind.“

Maja Walraff und Constantin Piehler haben den Escape-Room „Labor der verschollenen Kinder“ in zwei Monaten vorbereitet. „Am Anfang ging es mehr darum, Möbel aufzutreiben. Je nachdem, was wir hatten, haben wir uns daran orientiert, was wir umsetzen können“, erzählt Walraff.

Und ab dem 1. November ging es dann los mit dem Aufbau.

Thomas die Lokomotive begrüßt die Besucherinnen und Besucher des Escape-Rooms. Foto: Bund Deutscher Nordschleswiger

Budgethilfe vom Auswärtigen Amt

Das Auswärtige Amt und auch der Kulturausschuss des BDN haben der Initiatorin und ihrem Team ein Budget von 25.000 Kronen zur Verfügung gestellt.

„Viel ist für die Technik draufgegangen. Den Rest haben wir dann unter uns aufgeteilt, um für unsere Räume alles nötige Material zu besorgen. Und das hat auch funktioniert“, sagt sie.

Die 37-Jährige verabschiedet sich von Walraff und Piehler und macht sich von den Escape-Rooms zurück auf den Weg zum Haupthaus der Bildungsstätte. Es ist ein eher grauer Tag und das Gras etwas nass.

Schlaflose Nächte

Auf dem Weg dorthin lässt Anne Steinfurth sich noch einmal durch den Kopf gehen, wie aufgeregt sie ist, kurz bevor die ersten Menschen den Escape-Room betreten. „Jetzt im November konnte ich kaum schlafen, weil ich so viel im Kopf habe. Aber sobald ich weiß, dass meine ersten Gäste gut durchkommen, ist das für mich abgehakt. Dann kann ich wieder gut schlafen.“

Anne Steinfurth brennt für ihre Projekte, das ist klar. Sie kann es auch kaum erwarten, herauszufinden, was als Nächstes kommt: „Ich bin gespannt, was die Kultur der deutschen Minderheit für mich bereithält.“

Mehr lesen