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Preußische Technik und Ehrenamt treiben Wasserkraftwerk an

Preußische Technik und Ehrenamt treiben Wasserkraftwerk an

Preußische Technik und Ehrenamt treiben Wasserkraftwerk an

Törning/Tørning
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Diese Männer beaufsichtigen das Wunder der Technik: Hans Henning Axelsen (v. l.), Peter Kristensen und Ejgil Tryk. Foto: Ute Levisen

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14 Ehrenamtliche halten das historische Wasserkraftwerk im malerisch gelegenen Christianstal am Laufen. Mit der historischen Anlage aus preußischer Zeit produzieren sie auch heute noch Strom – aber nicht zu viel, da sonst die Fische im Damm auf dem Trockenen lägen. Seit 2016 erlebt das Kraftwerk eine Renaissance: als Sehenswürdigkeit zum Anfassen.

Peter Kristensen ist bester Laune. Nach den wolkenbruchartigen Regenfällen der vergangenen Tage scheint die Sonne wieder und taucht die malerische Landschaft vom Christianstal bei Törning (Tørning) in ein herrliches Licht.

Der gelernte Schmied und Maschinist ist einer von 14 Ehrenamtlichen, die das Wasserkraftwerk Christianstal (Christiansdal) am Laufen halten. Die Anlage, die erbaut worden ist, als der Landesteil unter preußischer Vorherrschaft war, ist ein technisches Kleinod – eine voll funktionstüchtige Sehenswürdigkeit.

Die große Turbine, auch Nummer 2 genannt Foto: Ute Levisen

Deutsche Wertarbeit im Christianstal

„Die Maschinen sind deutsche Wertarbeit – von Siemens. Die halten was aus“, verrät Kristensen und klopft gegen die kleine Turbine, die Nummer 1 im Werk.

Zuweilen aber geht selbst deutsche Wertarbeit zu Bruch. Eine Maschine musste in jüngster Vergangenheit repariert werden. Kostenpunkt: fast 10.000 Kronen. Die Kosten dafür hat die dänische Naturbehörde übernommen, die für die Anlage heute zuständig ist.
 
Im Alltag aber sind es Peter Kristensen und seine Mitstreiter.

Kanal vor dem Kraftwerk Foto: Ute Levisen

„Unsere kleine Turbine, die Nummer 1, müssen wir demnächst wieder anwerfen“, sagt der Schmied. Denn was ruht, das rostet – salopp gesagt.

Peter Kristensen erläutert, wie die Stromerzeugung im Kraftwerk funktioniert. Foto: Ute Levisen

Stromerzeugung wie zu Kaisers Zeiten

Seit über 100 Jahren erzeugen die Turbinen Strom, dank des Gefälles des Hochkanals, circa 13 Meter über dem Kraftwerk und mit Wasser aus dem Stausee. Nach heutigem Maßstab zwar nicht viel, aber immerhin. Geändert haben sich die Zeiten. Heutzutage gilt es, Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen.

„Wir erzeugen täglich zwischen 150 und 170 Kilowattstunden. Mehr ist nicht drin“, erläutert Peter Kristensen. Sonst bliebe den Fischen kein Wasser.

Der Stausee Foto: Ute Levisen

Acht der 14 Ehrenamtler, die im Kraftwerk nach dem Rechten schauen, haben eine Betriebserlaubnis, denn sie haben es mit Starkstrom und Hochspannung zu tun. Die erzeugte Energie wird bei 50 Hertz ins Netz eingespeist – nicht mehr und nicht weniger dürfen es sein: „Sonst würde sich das nicht gut anhören – etwa so, als würde man im Auto den Gang nicht richtig einlegen“, erläutert Kristensen.

Eine Familie von Technik-Nerds

Das Team löst sich bei der Arbeit ab. Die 14 Männer sind fast so etwas wie eine Familie, zwar nicht verwandt, dafür verschwägert: Hans Henning Axelsen ist Peter Kristensens Schwager. Der gelernte Radiotechniker gehört wie Automechaniker Ejgil Tryk zu den Technik-Nerds vom Christianstal. Er war vor seiner Pensionierung 13 Jahre lang hauptberuflich für den Betrieb des historischen Wasserkraftwerks zuständig.
 

Blick auf das Wasserkraftwerk vom Hochkanal aus Foto: Ute Levisen

Neben ihrem Interesse für das kleine Wasserkraftwerk haben die Ehrenamtlichen noch etwas gemeinsam: Sie alle hatten Berufe, die sich mit Technik, Maschinen oder beidem befassen – und in dem Kraftwerk ist Know-how gefragt.

Das erste Wasserkraftwerk seiner Art

Seit 1911 erzeugt es Strom mithilfe eines Wechselstromgenerators: „Es ist das älteste Kraftwerk seiner Art in Dänemark“, berichtet Kristensen stolz. In ihrem ersten Jahr produzierte die Anlage jährlich 80.000 Kilowattstunden – die Hälfte des Stromverbrauchs von Hadersleben. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten, wohlgemerkt.

„Aber die Zeiten haben sich geändert“, lacht Kristensen. Heute wären es mit all den Computern und iPads am Netz nur wenige Häuser, die auf diese Weise mit Strom versorgt werden könnten.“

Der See von Törning in der Nachbarschaft des Wasserkraftwerks. Einst war diese Region ein Industriezentrum. Heute ist die malerische Landschaft ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Ute Levisen

Vom Kraftzentrum zum Kleinod

Während der touristischen Hochsaison weihen Peter Kristensen und seine Mitstreiter die Gäste der Törninger Mühle, Wanderinnen und Wanderer und vor allem Schulklassen in ein Kapitel Industriegeschichte ein. Denn einst war das Christianstal – man kann es kaum glauben – ein Schmelztiegel der Industrialisierung in der Region. Heute ist das Tal eine der schönsten Gegenden in der Domstadtkommune und ein Publikumsmagnet.

Einige Besucherinnen und Besucher des Grenzlandes haben das Christianstal und das kleine Industriemuseum schon für sich entdeckt und nutzen es für einen Abstecher in die Vergangenheit, zum Fotografieren – und zum Krafttanken.

Im unten stehenden Video verrät Peter Kristensen, wie das kleine Kraftwerk arbeitet.

Das Wasserkraftwerk Christianstal

Das Kraftwerk nahm 1911 den Betrieb auf – zunächst mit einer Turbine. Von Tørning Å wird das Wasser über einen Stausee im Christianstal durch einen Hochkanal in die Turbinenkammer geleitet. Eine Turbine betreibt mit Riemenantrieb den Generator. Es war seinerzeit der erste Wechselstromgenerator mit Wasserkraftantrieb. Im ersten Betriebsjahr erzeugte das Wasserkraftwerk 80.000 Kilowattstunden. 1920 kam eine zweite Turbine hinzu, sodass fortan auch das Wasser des Hochkanals genutzt werden konnte. Die Produktion erhöhte sich jährlich auf mehr als 300.000 Kilowattstunden. Heute könnte das Werk damit circa 75 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen. 1965 übernahm das damalige dänische Forstamt das Werk – mit der Absicht, es zu schließen. Mitte der 70er-Jahre wurde die Anlage restauriert und konnte ab 1976 wieder für die Stromerzeugung genutzt werden. Bis heute.

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