Theater Møllen

Bühnenreife Geschichten im Møllen – erzählt von Menschen wie du und ich

Ute Levisen
Ute Levisen Lokalredakteurin
Hadersleben/Haderslev
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Chadi Abdul Karim
Chadi Abdul-Karim, alias Thorkild mit dem deutschen, unbekannten Vater. Foto: Ute Levisen

Fantastische Premiere des Bürger-Theaterstücks „Trautes Heim, Glück allein – Sønderjyllands Stemme“ in ganz besonderer Eigenproduktion, findet Ute Levisen.

Die besten Storys schreibt bekanntlich das Leben. Ein jeder könnte Geschichten erzählen – Alltagsgeschichten aus einem ganz persönlichen Almanach der Erinnerungen an unser trautes Heim. Das Theaterteam vom Møllen hat Lebens- und Alltagsgeschichten gesammelt, erzählt von Nordschleswigern, quer durch die Generationen, und dies in seiner Eigenproduktion „Hjem kære hjem – Sønderjyllands stemme“ auf die Bühne gebracht.

Am Wochenende feierte „Trautes Heim – Glück allein“ am Mühlenstrom Premiere. Das Ensemble hatte Bürger aufgefordert, ihre Interpretationen von Heim und Heimat aufzuschreiben und einzusenden. Haus-Dramatiker Brian Wind-Hansen hat ausgewählte Geschichten zu einer 75 Minuten währenden Vorstellung verarbeitet; Instrukteur Rasmus Ask das Ganze unter Mitwirkung von fünf Bürgern, sogenannten Miterzählern, und fünf Schauspielern wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Witz, Charme, Temperament und große Emotionen

Um es vorweg zu sagen: Die Premiere war ein fantastisches Erlebnis! In einem perfekt gespannten Bogen schlugen die Akteure ihr Publikum in den Bann – mit Geschichten, die das Leben schrieb, mit Witz, Charme, Temperament und großen Emotionen. „Es war überwältigend! Ich war zu Tränen gerührt. Derlei Erinnerungen trägt wohl ein jeder von uns mit sich herum“, gestand eine Theaterbesucherin. – Recht hat sie: „Hjem kære hjem“ ist berührendes Theater, das unter die Haut geht – nicht zuletzt deshalb, weil es für jeden von uns eine Reise in die Vergangenheit ist – mit schönen wie tragischen Momenten.

Die hohe Kunst ist es, diese authentischen Geschichten künstlerisch umzusetzen. Das ist dem Møllen-Team in allerhöchstem Maße geglückt. Das gilt für die Laien ebenso für die Profis.

Bühnenkunst mit Bürger-Beteiligung im allerbesten Sinne

„Diese Produktion ist zu einer Herzensangelegenheit für das gesamte Theaterteam geworden“, verriet Theaterchef Nikolaj Mineka zum Auftakt der Premiere. Sie spiegelt nicht zuletzt das harmonische Zusammenspiel von Laien und Profis wider. Eine ungewöhnliche und fantastisch ausgelebte künstlerische Symbiose. Besonders freue er sich über die Resonanz in Form der vielen Postkarten und damit der Befindlichkeiten, die das Theater im Laufe der einjährigen Vorarbeit zum „Trauten Heim“ erreicht haben, so Mineka. Dabei haben längst nicht alle eingesandten Geschichten künstlerische Berücksichtigung gefunden: „Einige waren dergestalt, dass wir sie nicht erzählen können – doch wir haben sie alle gelesen. Jede einzelne“, sagte Schauspieler Ole Sørensen sichtlich bewegt.

„Wenn man die Leute fragt: Hey, wie geht‘s denn so? – Dann muss man sich auch Zeit für die Antwort nehmen“, schloss der Theaterchef. – Nun, das „Zuhören“ hat sich gelohnt: „Hjem kære hjem“ ist Bühnenkunst mit Bürger-Beteiligung, im allerbesten Sinne. Es ist – kurz gesagt – ganz großes Theater.

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