Sommeruniversität

Auf dem Knivsberg etwas über Grenzen (hinaus) lernen

Auf dem Knivsberg etwas über Grenzen (hinaus) lernen

Auf dem Knivsberg etwas über Grenzen (hinaus) lernen

Anna Itter
Anna Ittner
Knivsberg /Knivsbjerg  
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Auf dem Rundgang über den Knivsberg lernten die Studierenden viel über dessen Geschichte.
Auf dem Rundgang über den Knivsberg lernten die Studierenden viel über dessen Geschichte. Foto: Lucas Bröcker

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Wie kommen Mehrheits- und Minderheitsgesellschaften miteinander aus, welche sicherheitspolitischen Besonderheiten bringt das mit sich, und wie entwickelt sich eine solche Konstellation überhaupt? Diese Fragen ergründen 40 Studierende in dieser Woche auf dem Knivsberg im Rahmen der „Sommeruni“.

„Grenzen als (Un-)Sicherheitsräume“ ist das Thema der diesjährigen internationalen Sommeruniversität, die noch bis zum 12. August in der Bildungsstätte Knivsberg stattfindet. Es ist eine gemeinsame Veranstaltung der Universitäten Marburg, Kiel, Odense, und Flensburg (Flensborg) mit Unterstützung des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und der Dänischen Zentralbibliothek in Flensburg.

Minderheiten näherbringen

„Wir wollen den Studierenden klarmachen, dass eine Region, in der Minderheiten leben, sehr lebhaft ist. Die Gruppen bieten auch Vorteile, weil sie ganz neue kulturelle Faktoren ins Spiel bringen – das Zusammenleben muss nicht immer mit Konflikten behaftet sein, auch ein friedliches Miteinander ist möglich“, erklärt Martin Göllnitz von der Universität Marburg. Er ist einer der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Sommeruniversität gemeinsam mit wechselnden Gastdozierenden leiten.

Martin Göllnitz von der Universität Marburg (l.) und Frederic Zangel von der Universität Kiel vom Team der Sommeruni 2023
Martin Göllnitz von der Universität Marburg (l.) und Frederic Zangel von der Universität Kiel vom Team der Sommeruni 2023 Foto: Anna Ittner

Seminare auf dem Knivsberg

Ein Dozent ist Jon Thulstrup vom Deutschen Museum in Sonderburg. Er hielt bei einem Rundgang über das Gelände einen Vortrag über die Bedeutung des Knivsbergs, welcher eine zentrale Rolle in der Geschichte der deutschen Minderheit in Nordschleswig spielt.

Seit 21 Jahren schon besuchen jeden Sommer circa 40 Studierende verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen für eine Woche die deutsch-dänische Grenzregion. Gemeinsam nehmen sie dabei an Kursen, Exkursionen und Podiumsdiskussionen teil und produzieren gemeinsam einen Podcast.

Jon Thornstrup vom Deutschen Museum Sonderburg erläuterte die Bedeutung des Knivsberg.
Jon Thulstrup von Deutschen Museum Sonderburg erläuterte die Bedeutung des Knivsbergs. Foto: Lucas Bröcker

Regionalgeschichte und Menschen kennenlernen

Eine von ihnen ist Jasmin Iller. Sie studiert Geschichte im hessischen Marburg. An dem Angebot reizte sie vor allem, mehr über die deutsch-dänische Grenzgeschichte zu erfahren, da man über diese normalerweise weniger spricht als über die der anderen Nachbarländer Deutschlands. „Ich möchte die Regionalgeschichte kennenlernen und finde es spannend, mehr über die deutsche Minderheit hier zu erfahren." Besonders freut sie sich auf den Ausflug am Mittwoch, dabei geht es ins Tirpitz Bunkermuseum und ins Dänische Museum für Flucht bei Oksbøl. Außerdem sei es schön, hier neue Menschen kennenzulernen, sagt sie.

Jasmin Iller interessiert sich für die Geschichte der deutschen Minderheit in Dänemark.
Jasmin Iller interessiert sich für die Geschichte der deutschen Minderheit in Dänemark. Foto: Anna Ittner

Fächerübergreifendes Interesse

Vielfältig ist auch die fachliche Zusammensetzung der Studierenden. Sie sind Historiker, Germanisten, studieren Cultural Studies. Auch Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung sind dabei, sie kommen auch aus fachfremden Richtungen wie Medizin oder Jura. Göllnitz meint: „Diese müssen dann zwar geschichtlich was aufholen, können aber mit ihrem speziellen Fachwissen auch ganz neue Anregungen einbringen."

Zu Letzteren gehört Finn Risthaus, Wirtschaft- und Rechtsstudent aus Münster. Ihn interessiert speziell, die Sicherheitspolitik aus der Perspektive eines anderen Landes zu betrachten, das so nah an Deutschland liegt. „Die Location ist schön, die Gruppe ist nett und die Referenten sind interessant“, fasst er seinen Eindruck der Sommeruni zusammen.

Finn Risthaus ist über die Konrad-Adenauer-Stiftung zur Sommeruni gekommen.
Finn Risthaus ist über die Konrad-Adenauer-Stiftung zur Sommeruni gekommen. Foto: Lucas Bröcker

Die Location ist schön, die Gruppe ist nett und die Referenten sind interessant.

Finn Risthaus, Student

International voneinander lernen

Die Teilnehmenden kommen aus zwölf Nationen: Deutschland und Dänemark sowie aus Ländern in Südamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Osteuropa, was einen ganz besonderen kulturellen Austausch ermöglicht. „Sie können sich hier über ihre eigenen Erfahrungen mit Grenzen austauschen und bei der Zusammenarbeit voneinander lernen“, so Göllnitz.

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