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Grenzland-ABC: Welche 26 Dinge ändern sich, wenn man nach Dänemark kommt?

Grenzland-ABC: Welche 26 Dinge ändern sich, wenn man nach Dänemark kommt?

Grenzland-ABC: Welche 26 Dinge ändern sich, wenn man nach Dänemark kommt?

Dänemark
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Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix 2016

Auf der Nordseite des Wildschweinzauns sind trotz der gemeinsamen Geschichte viele Dinge anders. Götz Bonsen vom Schleswig-Hosteinischen Zeitungsverlag erklärt, was Deutsche wissen müssen, wenn sie die Grenze Richtung Norden kreuzen – und zwar nicht von A bis Z, sondern von Z bis A.

Z wie Zebrastreifen

Touristen an einem dänischen Zebrastreifen: Wer nicht wartet, ist lebensmüde.

Vorsicht vor den dänischen Fußgängerüberwegen! Schon beim Grenzübertritt in Krusau merkt man, dass die Autofahrer nicht anhalten. Anders als in Deutschland müssen dort die Fußgänger darauf warten, dass sie die Straße gefahrlos betreten können. Erst wenn sie mit beiden Beinen auf dem Weg stehen, sind die Autofahrer gehalten zu stoppen – oder ihre Geschwindigkeit so drosseln, dass Gehende passieren können.

Y wird Ü

Das kennt man beiderseits der Grenze von den Ortsnamen, die auf „by“ enden. Aber auch angelsächsische Personennamen werden in Dänisch ausgesprochen, so gibt es Mandüs, Jennüs, Cindüs und Henrüs.

X für nichts

Das „X“ exisitiert so weit nördlich wenn überhaupt nur in Lehnwörtern wie Taxa (Taxi) und auf Wanderwegmarkierungen. Dänen schreiben „Tekst“. Jetzt wäre aber fast der Sex-Shop vergessen worden – solche Etablissements sind in Grenznähe ja schließlich anzufinden.

Foto: Åndahl Torben/Ritzau Scanpix

Währung hat Löcher

Die Dänische Krone: Vom Euro wollen die Bürger nichts wissen, viele Politiker hingegen schon.

Na klar, die ist anders und hat manchmal ein Loch in der Mitte. 1 Krone = 100 Øre. Der Umrechnungskurs zum Euro liegt bei etwa 7,45. Spätestens bei der Zahlung von Bußgeldern wird aber auffällig, welch runde Eurobeträge dabei herauskommen. Kupfergeld gibt es nur noch in einer Ausführung: Die seit 2008 kleinste Münze ist 50 Øre wert. Dafür bekommt man nicht einmal einen Lutscher.

V wie Venstre

Unter „V“ verbirgt sich in Zeitungstexten die Regierungspartei „Venstre“. Der Name bedeutet wörtlich „die Linke“, aber das schafft nur Irritation. Venstre ist seit jeher eine liberal-konservative Partei, die Partei „Radikale Venstre“ ist eher sozialliberal aber wahrlich nicht sozialstisch. Alles ein bisschen verdreht im Jenseits.

U wie Unterricht

Schule in Dänemark: Hinter den Wänden wird digital gearbeitet und gelernt.

In Dänemark herrscht eine neunjährige Unterrichtspflicht, aber keine Schulpflicht. Heimunterricht ist also gestattet. Generell hat sich die Schulbildung zu einem regelrecht papierlosen Unterfangen entwickelt. Deutsche Schüler und Eltern werden staunen, wenn sie in die Schultasche dänischer Kinder schauen. Denn viel mehr als ein Tablet ist dort nicht zu sehen: Auch die Prüfungen finden digital statt.

T wie Tastatur

Dänisches Tastaturlayout.

Wie weitläufig bekannt sehen die Umlaute etwas anders aus. Man kann diese Lettern aber auch ohne spezielle Tastatur auf den Bildschirm zaubern. Das funktionert mit folgenden Alt-Tastenkombinationen.

Alt + 145 æ

Alt + 146 Æ

Alt + 155 ø

Alt + 157 Ø

Alt + 134 å

Alt+ 143 Å

Foto: Sarah Christine Nørgaard/Ritzau Scanpix

S wie Skat

Skat, das ist nicht nur der dänische Rufname des oder der Allerliebsten. „Skat“ bedeutet Schatz und ist auch der Name des Finanzamts. Moms hat übrigens nichts mit Müttern zu tun, sondern bedeutet Mehrwertsteuer (meromsætningsafgift). Dänen lieben also Steuern in hohem Maße, könnte man anhand dieser lexikalischen Umarmung konstatieren. Und in der Tat haben die meisten Dänen wenig Probleme mit der hohen Abgabenquote – solange die Gegenleistung des Staates stimmt.

Noch ein S: Wie Sauna

So offenherzig unsere lieben Nachbarn auch wirken: In Sachen nackter Haut sind sie sehr viel verschlossener als ihre südlichen Nachbarn. In öffentlichen Saunas wird die Kleidung niemals abgelegt.

Q wie nichts

Kvalitet, kvarter, karantæne, kvadrat: Schnell erkennt man als Tourist in Dänemark, dass die Sprache kein „Q“ kennt. Die einzige Ausnahme bildet...das raten sie nie...das Quiz!

P wie Pedelec

Dänemark ist Fahrradland, Fernstraßen sind gesäumt von breiten Radwegen, Kopenhagens Fahrradfreundlichkeit ist eine Welt-Referenz. Eine neue Regelung sorgt allerdings für Unruhe und Konflikte: So genannte S-Pedelecs – in Deutschland kennzeichenpflichtig – sollen trotz ihrer 45 Kilometer pro Stunde auf den Radweg dürfen.

R wie Rundbold

Statt zu bolzen, spielt man in Dänemark bei bester Gelegenheit das noch wesentlich integrativere Rundbold. Man muss sich das Ganze wie eine Mischung aus Brennball und Baseball vorstellen, an der alle, wirklich alle teilnehmen. Es wird mit Schlagstock und Werfer gespielt. Wenn ein Läufer im Erwachsenensport abgeworfen wurde, wird er je nach Alkoholpegel dafür mit perfider Kreativität sanktioniert. Irgendwann ist dann der Zeitpunkt erreicht, wo der Schläger trotz zwei mit Klebeband auf dem Rücken fixierten Armen zur Tat schreiten muss. Das macht die Sache nicht leichter.

O wie Øl

Die Farben senken die Verwechslungsgefahr: Dänisches Bier ist eher zurückhaltend im Geschmack.

Das norddeutsche Bier ist als überaus würzig und herb bekannt. 20 Zentimeter weiter nördlich hält man nichts von dieser hopfigen Bierbrautradition. Øl prickelt stark, ist fast bis zum Gefrierpunkt heruntergekühlt und schmeckt eigentlich markenübergreifend nach nicht viel mehr als Wasser. Dafür kostet es aber 8 Euro. Allgemein wird in Dänemark jedes Getränk, vor allem auch Trinkwasser, bis zur Schmerzgrenze herabgekühlt.

Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Naschen und Nüsse sind Luxus

Kransekage mit Marzipan gibt es zu Silvester: Dänen müssen für Süßigkeiten tief in die Tasche greifen.

Bier, Softdrinks und Süßigkeiten stehen ganz oben auf den Einkaufslisten der Dänen, wenn sie in Schleswig-Holstein im Grenzhandel unterwegs sind. Die vergleichsweise hohen Alkoholpreise werden noch in den Schatten gestellt von denen der Süßigkeiten. Zwei Euro muss man für eine kleine Tüte Weingummi hinter der Grenze mindestens berappen. Noch schlimmer ist es bei Nüssen. Diese werden seit 1922 staatlich verteuert, weil Kopenhagen verhindern wollte, dass die Bürger unter Umgehung der neu eingeführten Luxussteuer ihr eigenes Marzipan produzieren.

Allerdings hat die dänische Regierung 2017 beschlossen, die Abgaben derlei lebensversüßender Lebensmittel zu senken oder schrittweise komplett abzuschaffen, damit die Bevölkerung nicht mehr in Massen über die Grenze fährt und sich in Deutschland eindeckt.

Moin heißt plötzlich Tschüß

In Sütjütland schickt es sich durchaus, „Møjn“ zu sagen. Allerdings nicht zur Begrüßung, sondern zum Abschied, also andersrum. Zur Begrüßung sagt man „Hej“ oder auf Plattdänisch (Sønderjysk) „Dag“, was „Tag“ bedeutet und im Dialekt „Dauu“ ausgesprochen wird.

L wie Licht an!

Auch wenn am Strand die Sonne strahlt: Das Licht muss an.

„Autos und Motorräder müssen rund um die Uhr das Abblendlicht eingeschaltet haben“ – so ist es in Dänemark vorgeschrieben. Das sollte man schon beim Passieren der bewachten Grenze bedenken, um keine Bußgelder zu riskieren. Tagfahrleuchten sind ebenfalls zulässig.

K wie Koldskål statt Softeis

Schäumt leicht auf, ist aber ohne Bier: Koldskål im tiefen Teller.

Dänen sind besonders an heißen Sommertagen verrückt nach dieser traditionellen Erfrischung, die sich auch sehr gut als Nachtisch macht. Softeis – man kann es kaum glauben – wird fast nur für Touristen angerührt. Denn Koldskål gilt nördlich der Grenze das höchste der Sommer-Gefühle. Es ist eine gesüßte Buttermilch-Kaltschale, meist mit Zitronengeschmack, die man fertig im Tetra-Pack kaufen kann. Selbstgemacht schmeckt natürlich besser, neben Jogurt und Buttermilch benötigt man dafür Eier. In den tiefen Koldskål-Teller werden knusprige Kammerjunker-Biscuits oder geröstete Haferflocken hinzugegeben. Speziell: Der Legende nach machte man das Ganze früher aus Bier – aber dann wohl ohne Ei.

J wie Jazz

Jazz auf dem Boot.

Ob bei Kinderliedern oder Popmusik im Radio: Der leicht schwingende Jazz-Einschlag ist in der dänischen Musik fest verwurzelt. Davon zeugen auch die zahlreichen Jazz-Clubs, die ab den 1930er Jahren entstanden und von denen viele bis heute existieren.

Foto: Ritzau Scanpix

Immer per du

Man spürt es gleich am Umgang der Kollegen: Dänemark ist das Land der flachen Hierarchien – und das liegt zum Teil schon darin begründet, dass sich jedermann duzt, auch Ärztin und Patient. Der Staatsminister heißt Lars. Die Sie-Anrede „de“ gibt es nur für die königliche Hoheit, für Richter – und für Menschen ab etwa 85.

H wie Hotdogs und Hygge

Die Dänen und der Pølsevogn. Man denke nur an die Bekanntheit von Annies Kiosk. Und Hygge, dieser immernoch unklare Begriff der Lebensschönheit, geht ja schon fast häufiger durch deutsche Kehlen.

G wie Genbrug

Es ist nicht nur ein Eindruck, dass die stilbewussten Dänen gerne Sachen wegwerfen und neu anschaffen, sondern statistisch belegt. Wohl auch deshalb gibt es in Dänemark eine Vielzahl von Genbrugsmärkten (Gebrauchtmärkten), in denen die nicht mehr gewünschten Dinge für wohltätige Zwecke weiterverkauft werden. Längst betreiben aber nicht mehr nur Organisationen wie das Rote Kreuz diese oft großflächigen Geschäfte. Kommerzielle Trödel-Anbieter sind auf dem Vormarsch.

F wie Fenster

Dänen lieben Licht – und das nicht nur an der Fassade. Die zeitlos schönen Holzfenster – entweder im vierflügeligen Dannebrog-Stil oder wie auf dem Foto mit Sprossen – zieren die Mehrzahl der Häuser und geben zumal auch tiefe Einblicke ins häusliche Leben: Denn die Vorhang- und Rollo-Grenze liegt weiter im Süden. Anders als deutsche Fenster gehen die dänischen überdies nach außen auf. Daher können auf den Fensterbänken auch bestens Habseligkeiten präsentiert werden, ohne dass sie beim Öffnen stören.

E wie Ehe

Tausende Ausländer lassen sich jedes Jahr in Tondern, Ærø und Co. trauen – und der Hochzeitstourismus hat sich wahrlich nicht nur wegen der romantischen Plätze herausgebildet. Heiraten in DK ist (wenngleich Kopenhagen gerade einen Wandel herbeiführt) günstig und unbürokratisch. Außerdem geht die Scheidung per Mausklick, einen Anwalt braucht es nicht unbedingt.

D wie Dachüberstand

Tondern: Eine der vielen charmanten Kleinstädte in Dänemark.

Sobald man über die Grenze kommt, hört es recht abrupt auf mit den typisch deutschen Dachüberständen an Wohnhäusern. Schön für Touristen, denn die tageslichtbeschienenen Fassaden geben stets ein helleres, freundlicheres Bild ab. Überstände sind kein Teil der klassischen dänischen Handwerkerbaukultur und werden aus ästhetischen Gründen auch bei Neubauten gerne kleingehalten oder ganz weggelassen.

Foto: dpa-infocom GmbH

C wie Caffee

Kaffee schreibt man auf Dänisch sympathischerweise „Kaffe“, wie man es spricht. Doch es gibt einen erheblichen Unterschied im Konsum des Muntermachers. Während der gemeine Deutsche ab 16 Uhr gern abwinkt, werden in Dänemark bevorzugt um 21 Uhr noch einmal die Tassen gereicht, werktags wohlgemerkt. Angst vor dem schlechten Einschlafen? Keine Spur! Der späte Ausschank wird sogar in Krankenhäusern so gehandhabt.

B wie Bezahlen

Die Mobile-Pay-Selbstverständlichkeit beginnt gleich hinter der Grenze.

Auf dem Flohmarkt, im Restaurant, im Food-Truck, manchmal sogar auf der öffentlichen Toilette und bei Spenden-Aktionen: Überall finden sich Schilder mit einer „Mobile Pay“-Nummer. Mit diesem einfachen Transfersystem lassen sich Geldbeträge in Sekundenschnelle via Smartphone-App und Pin von Bankkonto zu Bankkonto schicken – ohne Kenntnis weiterer Daten des Empfängers. Selbst Lumpenkäufer brauchen so kein Bargeld mehr. Einzelhändler, Tankstellen und Restaurants müssen seit 2016 noch nicht einmal mehr Bargeld annehmen.

Å wie Aabenraa

Mit dem „bolle-Å“ geht es schon in Kruså an der Grenze los. Der Buchstabe wurde erst 1948 eingeführt, vorher schrieb man den Laut „AA“. Die alte Schreibweise ist seit 1984 in Ortsnamen wieder erlaubt, wie an Aabenraa (Apenrade) zu sehen. Aussprache: Wie das „O“ in in einem breit- und langgezogenen „Nord“.

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