Freiwillige Arbeit

Ehrensache? Herausforderung Ehrenamt

Ehrensache? Herausforderung Ehrenamt

Ehrensache? Herausforderung Ehrenamt

swa/gn
Nordschleswig
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Beim DGI Landessportfest: Tausende junge Menschen sind in den Vereinen im Land aktiv. Sie alle benötigen hilfsbereite Erwachsene, die in den Vereinen mitarbeiten. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Ohne Ehrenamtler läuft in den Sportvereinen nichts. Doch es werden immer weniger, die Kindern das Rudern beibringen oder regelmäßig Mannschaften trainieren wollen. Zwei Vereinsvorsitzende aus Nordschleswig berichten von „toller Arbeit“ und Herausforderungen der Zukunft.

„Es werden weniger Freiwillige. Aber die, die da sind, machen eine tolle Arbeit“, sagt Günther Andresen. Er ist Vorsitzender des Nordschleswigschen Ruder-Verbandes (NRV) und des Sonderburger Rudervereins Germania – und kennt die Herausforderung, vor der Sportvereine in ganz Dänemark derzeit stehen: Die Zahl der Ehrenamtler nimmt ab.

Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent weniger Freiwillige sind es in den vergangenen Jahren geworden, genaue Zahlen liegen beim NRV nicht vor. „Im Sonderburger Ruderclub sind es so 10 bis 20 Ehrenamtler, die die Vereinsarbeit stemmen“, sagt Andersen.

Aufgaben gibt es im Verein viele

Ruderfahrten organisieren, Feste auf die Beine stellen, an Sitzungen teilnehmen, Boote warten oder die Ruderbrücke reinholen und rausbringen – Aufgaben gibt es im Verein viele. „Alles läuft noch – und es wird auch noch lange laufen“, so die Prognose des Vorsitzenden. Doch die Herausforderungen, neue Freiwillige für die Arbeit zu begeistern, bleiben, das weiß auch Andersen.

Der NRV bietet auch Ergometerrudern für Kinder an. Foto: RN

Denn tendenziell würden die aktiven Mitglieder immer älter. „Warum das so ist – ich suche da auch noch nach Erklärungen. Computerspiele sind bei Jugendlichen sehr beliebt, außerdem ist manchen vielleicht der immer gleiche Ablauf des Vereinsjahres zu monoton. Aber alles in allem können wir nicht klagen, unsere Ehrenamtler machen eine tolle Arbeit.“

Nachwuchs: Zusammenarbeit mit den Schulen

Um Nachwuchs für das Vereinsleben zu begeistern, setzt man auf die Zusammenarbeit mit den Schulen vor Ort. So besuchen regelmäßig Kinder aus der Deutschen Schule Sonderburg den Ruderklub am Alsensund. „Dafür benötigen wir natürlich auch Freiwillige, um den Kindern das Rudern beizubringen, das können wir sie ja nicht alleine machen lassen“, sagt Andersen.

Die Handballmädchen der Spielgemeinschaft BBI-SC Saxburg Bülderup Foto: Archiv

Beim Sportverein SC Saxburg Bülderup hat man einen erfolgversprechenden Weg gefunden, Ehrenamtler zu aktivieren. Das verrät Martin Hansen, Vorsitzender des Vereins.

„Wir sind ganz gut darin geworden, einzelne Aufgaben zu delegieren. Ob das die Organisation des Lottospiels ist oder die Anfrage, einen Kuchen für ein Fest zu backen – unsere Vereinsarbeit verteilt sich somit auf viele Schultern. Und es fällt den Leuten leichter, sich einzubringen, wenn die Aufgabe zeitlich begrenzt ist“, sagt Hansen.

Trainerarbeit erfordert viel Zeit

Schwieriger hingegen sei es, die Vorstandsposten zu besetzen – oder Trainer zu finden, die eine Mannschaft trainieren wollen. „Das sind Aufgaben, die ein dauerhaftes Engagement erfordern, und da ist man wohl zurückhaltender“, schätzt der Vorsitzende. „Generell sind die Leute aber sehr gerne bereit, mitzuhelfen und sich einzubringen – wenn es überschaubar ist. Man muss nie lange suchen, bis man Personen findet, die mithelfen, sobald man fragt.“

Jugendsport macht Spaß – wie hier auf dem Knivsberg. Doch Jugendarbeit erfordert Ehrenamtler. Foto: Archiv

Eine europäische Studie hat gezeigt, dass die dänischen Vereine in diesen Jahren von ihren Nachbarn überholt werden, wenn es um die freiwillige Vereinsarbeit geht. 27 Prozent der dänischen Vereinsmitglieder antworten, dass sie ehrenamtlich aktiv sind. Damit ist Dänemark Vorletzter in einem Vergleich mit zehn europäischen Ländern, darunter u. a. Deutschland, Norwegen, Holland, England.

„Viele Mitglieder kommen, um Sport zu treiben – nicht um sich zu engagieren“, sagt Professor Bjarne Ibsen, verantwortlich für die Forschung am Institut für Gesundheit, Sport und Zivilgesellschaft an der Süddänischen Universität in Odense.

Viele Freiwillige sind in die Jahre gekommen

Die Ehrenamtler, die noch in den Vereinen sind, sind oft älteren Jahrgangs. „Im Vergleich zu unseren letzten Studien können wir sehen, dass der Anteil an freiwilligen Helfern, die 60+ sind, markant gestiegen ist", sagt Ibsen. „Das ist auf der einen Seite gut, dass die Freiwilligen länger bleiben, aber es ist auch ein Problem, denn die Vereinsarbeit entwickelt sich anders, wenn auch junge Leuten involviert sind, die nicht so traditionell denken wie die älteren Vorstandsmitglieder. Es muss schon eine gewisse Balance geben.“

Obwohl in Dänemark weniger Ehrenamtler tätig sind als in anderen Ländern, sind die Vereine eher optimistisch. „Es ist ein Paradox: Wenn wir die Vereine fragen, sagen sie, dass sie mehr Freiwillige haben als vor fünf Jahren. Ich glaube, das ist Zweckoptimismus – die Zahlen sind eher stabil", sagt der SDU-Professor.

Laut Bjarne Ibsen zeigt die Studie ebenfalls, dass kleine Vereine es leichter haben, Ehrenamtler einzubinden als große.

Das Vereinsleben liegt laut Ibsen nicht auf dem Krankenbett. „Es sind in den letzten 30 bis 40 Jahren mehr neue Vereine hinzugekommen als stillgelegt worden. Außerdem sind viele der alten Vereine zäh – es gibt immer wieder Mitglieder, die für ihren Verein kämpfen und sich der Arbeit stellen."

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