Dansk-tysk med Matlok

Dolmetscherin sprachlos über Schmidts „Scheiß-Atomwaffen“

DN
Apenrade/Kopenhagen
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Doris Hansen und Siegfried Matlok beim Fernseh-Interview im „Samtaleværelse“ auf Christiansborg. Foto: DK4

Sie versteht Politiker wie kaum eine andere: Die Dolmetscherin Doris Hansen ist am Donnerstagabend um 21.30 Uhr zu Gast in der DK4-Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“.

Wer sich mal überlegt, wer heute eigentlich am meisten über die deutsch-dänischen Beziehungen Bescheid weiß, der kann sicherlich viele Namen nennen. Aber es gibt eine in der breiten Öffentlichkeit unbekannte Frau, die die Geheimnisse zwischen unseren beiden Ländern mit sich herumträgt. Die Dolmetscherin Doris Hansen, die seit Jahrzehnten die deutsch-dänischen Gipfeltreffen für die Regierungschefs und Staatsoberhäupter übersetzt.

Im Fernsehkanal „DK4“ ist sie heute Abend um 21.30 Uhr zu Gast in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“.
Doris Hansen, die aus Norddeutschland stammt und in den 1970-er Jahren nach Dänemark wechselte, um ihren dänischen Mann zu heiraten, ist cand.interpret von CBS Kopenhagen. Sie erhielt im November 1979 ihre „Staatsautorisation“ (translatør og tolk) und war von 1976 bis 2015 als Dozentin (associated professor) an der CBS tätig.

„Scheiß-Atomwaffen"

Ihre noch immer aktive Dolmetscher-Laufbahn begann auf höchstem Niveau: 1979 mit einem Gespräch zwischen dem dänischen Außenminister Kjeld Olesen und dessen DDR-Amtskollege Oskar Fischer, der sich darüber mokierte, dass Doris Hansen bei der Übersetzung den westdeutschen Begriff für Berlin benutzte – statt „Hauptstadt der DDR“ zu sagen. Doris Hansen ist natürlich an ihre Schweigepflicht gebunden. Aber im Interview erzählt sie z. B. über den wortgewaltigen Bundeskanzler Helmut Schmidt. „Man wird doch wohl noch mal ausreden dürfen”, meinte Schmidt einst schroff, als die Chefdolmetscherin nach seinen langen Ausführungen um das Wort bat.

Und der Kanzler brachte Doris Hansen ganz schön in Verlegenheit, als er auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen von den „Scheiß-Atomwaffen“ sprach. Wie sollte das übersetzt werden? Nun, Doris Hansen konnte am nächsten Tag beruhigt die dänischen Zeitungen aufschlagen – sie hatte richtig übersetzt und keine diplomatische Krise hervorgerufen. Selbst sagt sie im Fernseh-Interview, dass die „Chemie“ zwischen Staatsminister Anker Jørgensen und Helmut Schmidt nach ihrer Ansicht die beste unter den jeweiligen deutschen und dänischen Regierungschefs gewesen ist, die sie als Dolmetscher bis heute begleitet hat.

Nicht unerheblichen kulturellen Unterschiede

Als Dolmetscherin war sie aber nicht nur zuständig für die Übersetzungskunst über Mittelstrecken-Raketen in der hohen Politik, sondern hat in ihrer Arbeit auch andere Fachbereiche abgedeckt: Arbeitsmarkt, Landwirtschaft (einschl. Schweinezucht), Energie (u.a. Windkraftanlagen „Middelgrunden“) etc., zuletzt zwei neue Gebiete wie Spielsucht und Organspenden.

Dabei ist es für die Kopenhagenerin sehr wichtig, die nicht unerheblichen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Dänen zu verstehen und so überbrücken zu können. Dass der Karneval z. B. für eine dänische Investorengruppe in Düsseldorf eine entscheidende Rolle spielen würde, hatten die Dänen jedenfalls nicht erwartet. Darüber berichtet sie im Gespräch auf DK4 ebenso wie u.a. über Sätze, die sie als Dolmetscherin einfach ablehnte.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur