Maritime Geschichte

Kein Wort über Jørgen Bruhn

Kein Wort über Jørgen Bruhn

Kein Wort über Jørgen Bruhn

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin - Apenrade
Apenrade/Aabenraa
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Die „Jørgen Bruhn Aabenraa" war das vierte Schiff, das Jørgen Bruhn auf seiner Werft auf der Insel Kalö bauen ließ. Ein maßstabsgetreues Modell dieses Schiffs ist seit November 2018 im Apenrader Folkehjem zu sehen. Foto: Claus Thorsted/JV

Er war der markanteste Schiffsbauer seiner Zeit, und doch wird der Mann von der Halbinsel Loit mit keinem Wort in dem neuen Schifffahrtsmuseum in Helsingør erwähnt.

Nicht nur für die maritime Geschichte Apenrades ist der Name von Jørgen Bruhn (1781-1858) wichtig. Der Bauernsohn vom Hof „Strågård“ auf der Halbinsel Loit, der nach der Konfirmation als Schiffsjunge anheuerte und später als Reeder und Schiffsbauer zu Ruhm und Ehre kam, war zu seiner Zeit eine der markantesten Persönlichkeiten der gesamten Schifffahrtsgeschichte Dänemarks. Seine Schiffe ließ er auf seiner Werft auf Kalö bauen.

Verwunderung in Apenrade

Trotz seiner unbestrittenen Verdienste wird sein Name mit keiner Silbe in dem neugebauten Schifffahrtsmuseum in Helsingør erwähnt. Das verwundert die Apenrader Museumsfreunde und wurde kürzlich am Rande ihrer Generalversammlung eifrig diskutiert, zumal der Nachmittag mit einem Vortrag von Museumsinspektor Mikkel Leth Jespersen über Jørgen Bruhn eingeleitet wurde.

Das Schiffsmodell wurde im Maßstab 1:30 gebaut. Foto: Karin Riggelsen

Jørgen Bruhn ist für Apenrade, für Nordschleswig, ja, für ganz Dänemark von großer Bedeutung gewesen. Seine Schiffe haben neue Maßstäbe gesetzt. So stellte eines seiner größten und berühmtesten Schiffe, die Fregatte Cimber, 1857 einen neuen Weltrekord auf, als sie in nur 104 Tagen die Reise von Liverpool nach San Francisco um die Südspitze Südamerikas herum zurücklegte.

Eine Persönlichkeit der dänischen Schifffahrtsgeschichte

„Kein Zweifel, Jørgen Bruhn ist eine wichtige Persönlichkeit in der dänischen Schifffahrtsgeschichte. Es war aber auch von vornherein nicht unser Anspruch, mit unserem Museum gleich von Anfang an die komplette maritime Geschichte Dänemarks zu erzählen“, sagt Ulla Tofte, Direktorin des Maritimen Museums Dänemark, auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

Museumsdirektorin Ulla Tofte Foto: Torben Sørensen

„Es werden viele Aspekte nicht berücksichtigt. Das heißt aber nicht, dass sie nicht noch hinzukommen oder dass wir ihnen Sonderausstellungen widmen. Die ganze Werftgeschichte ist zum Beispiel noch gar nicht erzählt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir irgendwann unseren Fokus genau darauf richten werden oder auf die Schifffahrt im 19. Jahrhundert. Und da wird Jørgen Bruhn sicherlich Erwähnung finden“, so Direktorin Tofte.

Der Handel mit China

Sie berichtet darüber hinaus, dass ein Forscher ihres Hauses gerade erst den Auftrag erhalten habe, sich mit der dänischen Handelsschifffahrt nach China zu beschäftigen. Zu dem Thema ist dann auch eine Sonderausstellung vorgesehen. „Was den Handel mit China angeht, waren Reeder aus Apenrade ja besonders aktiv“, ist der Museumsdirektorin durchaus bekannt. Diese Ausstellung will aber gut vorbereitet sein, weshalb sie wohl erst in vier Jahren in Helsingør zu sehen sein wird.

„Das kürzlich erschienene Buch über die nordschleswigschen Kapitänsfrauen, die mit auf hoher See waren, beschreibt die dänische Schifffahrt aus einem tollen Blickwinkel und ist daher natürlich auch ,gefundenes Fressen‘ für unser Museum“, betont Ulla Tofte.

Das Maritime Museum in Helsingør ist unterirdisch angelegt. Das einzigartig gestaltete Interieur mit schiefen Winkeln und leicht angeschrägten Fußböden in verschiedenen Ebenen vermittelt dem Besucher das Gefühl, sich an Bord eines Schiffes zu befinden. Foto: Museet for Søfart/Creative Commons
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