Gesundheit

„Es geht um Sekunden“ – Hjerteløber Brian kämpft um jedes Leben

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Ein Hjerteløber beim Einsatz: Es zählt jede Sekunde. Oft kommt auch ein Defibrillator zum Einsatz, der im öffentlichen Raum immer häufiger zu finden ist.

Bei einem Notfall zählt oft jede Sekunde. Weil die Krankenwagen jedoch häufig länger als zehn Minuten unterwegs sind, kommen sie bei Herzstillständen oft zu spät. Der Herzverein hat deshalb eine schnellere Alternative entwickelt – der sich jeder anschließen kann.

„Wir retten Menschenleben“, sagt Brian Ahrens. Der 49-jährige Apenrader gehört zu den rund 10.000 Freiwilligen in der Region Süddänemark, die als sogenannte Hjerteløber (Herzläufer) bei Notfällen alarmiert werden. Ihr Einsatz kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

Wettlauf gegen die Zeit

Ein Herzstillstand duldet keinen Aufschub. Wenn der Notruf eingeht, zählt jede Sekunde. Bis der Krankenwagen eintrifft, kann es – gerade in ländlichen Gebieten – wertvolle Minuten dauern. Minuten, die ein Mensch ohne Sauerstoff möglicherweise nicht überlebt.

Hier kommen die Hjerteløber ins Spiel. Sie werden über eine spezielle App alarmiert und eilen oft schneller als der Rettungsdienst zum Einsatzort. In sechs von zehn Fällen sind sie vor dem Krankenwagen da und beginnen sofort mit lebensrettenden Maßnahmen.

Brian Ahrens trägt sein Smartphone Tag und Nacht bei sich und ist als Herzläufer immer erreichbar.

In den vergangenen fünf Jahren habe er bereits rund 50 Einsätze absolviert, berichtet er. Und er weiß: Seine Einsätze haben Leben gerettet.

Die Erste Hilfe beginnt sofort

Erreicht Brian Ahrens den Einsatzort, bleibt keine Zeit für Zögern. Eine Weste kennzeichnet ihn als Herzläufer.

Sein Ablauf ist einstudiert: Prüfen, ob Atmung und Herzschlag tatsächlich fehlen. Falls ja, sofort mit der Herz-Lungen-Massage beginnen – so lange, bis der Rettungsdienst eintrifft oder der Defibrillator zum Einsatz gekommen ist und das Herz wieder schlägt.

Manchmal kommen mehrere Hjerteløber zum Einsatzort. „Dann wechseln wir uns mit der Herz-Lungen-Massage ab, denn das ist eine kräftezehrende Aufgabe“, so der erfahrene Retter.

Er hält sich mit Joggen und Krafttraining fit für die Aufgabe.

Dass oft mehrere Hjerteløber kommen, ist keineswegs überflüssig. Während einer mit der Reanimation beginnt, organisiert ein anderer einen Defibrillator. Nur wenn das Herz wieder zum Schlagen gebracht wird, gibt es eine echte Überlebenschance.

Defibrillatoren hängen inzwischen an vielen Orten: Teilweise sind sie öffentlich zugänglich, teilweise sind sie in Gebäuden mit Öffnungszeiten zu finden. Eine App zeigt, wo sich der nächste Herzstarter befindet.

Erfolg und Niederlagen – aber immer ein Unterschied

Nicht jeder Einsatz endet mit einer Rettung. Doch Ahrens ist überzeugt: „Wir machen mit unserem Einsatz einen Unterschied, denn sonst wären noch mehr Menschen gestorben.“

Statistisch gesehen überleben derzeit 16,4 Prozent der Menschen, die außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand erleiden. Vor der Einführung der Herzläufer waren es nur 4 Prozent. Heute lebt etwa die Hälfte der Betroffenen auch 30 Tage nach dem Vorfall noch – viele von ihnen dann auch Jahre.

Mehr als nur medizinische Hilfe

Doch ein Herzstillstand betrifft nicht nur die Betroffenen selbst – oft sind auch Angehörige oder Passantinnen und Passanten vor Ort, die das Geschehen miterleben. „Auch darauf muss man als Herzläufer vorbereitet sein“, sagt Ahrens. „Man hilft diesen Menschen in dieser Situation ungemein. Es geht einfach nur darum, da zu sein.“

Da die Hjerteløber besonders hohen psychischen Belastungen ausgesetzt sind, wird ihnen Hilfe angeboten. „Nach jedem Einsatz wird über die App nachgefragt, wie es mir geht und ob ich psychologische Unterstützung benötige“, berichtet er.

Wenn Intuition den Unterschied macht

Brian Ahrens hat sich dazu entschieden, Herzläufer zu werden, weil er im Umfeld mehrere herzkranke Familienmitglieder hat.

„Jeder Einsatz ist besonders“, sagt Ahrens. Ein Moment, zu dem er gerufen wurde, sei ihm jedoch besonders im Gedächtnis: „Ich wurde zu einem Herzstillstand bei einem Kind gerufen“, schildert er. „Das Kind lag ohne Bewusstsein auf dem Boden“, erzählt er. Doch er bemerkte, dass etwas anders war als bei anderen Fällen.

„Normal sind die Betroffenen grau im Gesicht und haben blaue Lippen. Das konnte ich hier nicht feststellen. Ich hatte deshalb die Vermutung, dass es sich nicht um einen Herzstillstand handelte, sondern dass etwas in der Luftröhre steckte und diese blockierte“, erinnert er sich.

Er wendete den Heimlich-Griff an, der bei Erstickungsfällen zum Einsatz kommt – und brachte einen Legobaustein zutage, der die Atemwege des Kindes blockiert hatte. „Was wäre gewesen, wenn ich Herz-Lungen-Massage gemacht hätte?“, fragt er sich noch heute. Doch solche Einsätze seien sehr selten. Die meisten Hilferufe kämen jedoch von älteren Menschen, erzählt er.

Wunsch nach weiterer Unterstützung

Im Durchschnitt erleiden in Dänemark täglich 14 Menschen einen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses. Ein Sechstel überlebt – dank schneller Hilfe und engagierter Herzläufer wie Brian Ahrens.

Brian Ahrens wünscht sich, dass mehr Geld in den Rettungsdienst fließt. Mehr Krankenwagen und Rettungshelikopter, die dann schneller vor Ort sein können, wenn es um jede Sekunde geht. „Wir dürfen dabei nicht sparen“, findet er. Jedes Leben zählt, so der Herzläufer.

In der Kommune Apenrade kam im zweiten Quartal des vergangenen Jahres der Rettungswagen in 98 Prozent der Einsätze innerhalb von 15 Minuten; in der Kommune Tondern (Tønder) war das in 93,4 Prozent der Fall. Das geht aus aktuellen Zahlen der Region Süddänemark hervor.

Die Wichtigkeit von Erstversorgung

(Quelle: TrygFonden)