100 Jahre NG

Drei Stimmen: So erleben wir die deutsche Kirche in Nordschleswig

Drei Stimmen: So erleben wir die deutsche Kirche in Nordschleswig

So erleben wir die deutsche Kirche in Nordschleswig

Tingleff/Nordschleswig
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Drei Stimmen beim Festgottesdienst der Nordschleswigschen Gemeinde: Hans Heinrich Hansen, Elke Hußmann und Dorthe Andresen Foto: Gwyn Nissen

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Dorthe Andresen, Elke Hußmann und Hans Heinrich erzählten beim Festgottesdienst der Nordschleswigschen Gemeinde über ihre Sichtweise auf die Kirche der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Während sich die ältere Generation über das friedliche Zusammenleben freut, wünscht sich die junge Generation mehr Nähe zu jugendlichen Themen.

Wie erleben drei in Nordschleswig Lebende die deutsche Kirche im Süden Dänemarks? Darauf gaben Dorthe Andresen, Elke Hußmann und Hans Heinrich Hansen persönliche Antworten, als die Nordschleswigsche Gemeinde am Sonntag ihr 100-jähriges Bestehen bei einem Festgottesdienst in der Kirche zu Tingleff (Tinglev) feierte.

Dorthe Andresen aus Nolde Foto: Gwyn Nissen

Dorthe Andresen: „Aktive Kirche für Jugendliche“

Die 18-jährige Dorthe Andresen berichtete über ihre Kindheit und Jugend an den deutschen Schulen in Buhrkall (Burkal) und Tingleff. Als kommende Landwirtin und aufgewachsen auf dem elterlichen Hof in Nolde haben die Erntedank-Gottesdienste eine große Bedeutung für sie gehabt.

Aber auch die Kinderfreizeiten im Röm-Lager der Nordschleswigschen Gemeinde hätten sie geprägt – so sehr, dass sie auch „eine von den Großen sein wollte. Daher entschied sie sich früh dazu, auch Teamerin (ehrenamtliche Helferin) bei den Ferienlagern auf der Nordseeinsel zu werden.

Auch über die Zukunft der Nordschleswigschen Gemeinde und der Kirche hat sich die Jungbäuerin Gedanken gemacht. „Die Kirche ist altertümlich, mit schwierigen Texten und Melodien, die man nicht mitsingen kann“, sagte Dorthe Andresen.

Sie wünsche sich eine aktive Kirche, die sich auch jugendlicher Themen annimmt, „denn wir sind die Generation, die Lösungen auf viele Fragen finden muss.“

Elke Hußmann aus Lügumkloster Foto: Gwyn Nissen

Elke Hußmann: „Ein tolles Ehrenamt“

Die Hauswirtschaftsleiterin Elke Hußmann aus Lügumkloster (Løgumkloster) ist vor 27 Jahren von Deutschland nach Dänemark gekommen, wo sie in der deutschen Minderheit landete. Hier ist sie seit 2015 Vertreterin der Nordschleswigschen Gemeinde in der Synode der Nordkirche, der die deutsche Kirche in Nordschleswig angehört.

„Es ist ein tolles Ehrenamt“, sagte Elke Hußmann. Die drei nördlichsten Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie Nordschleswig gehören zur Nordkirche. Die Synode ist sozusagen das Kirchenparlament der Kirche im Norden Deutschlands.

„Wir sind Teil von etwas Großem“, sagte Hußmann, die hofft, dass die kleine Nordschleswigsche Gemeinde auch in Zukunft in der großen Nordkirche „gesehen“ wird.

Hans Heinrich Hansen aus Ekensund Foto: Gwyn Nissen

Hans Heinrich Hansen: „Aus dem Ich ein Wir“

Der frühere Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger und Ehrenvorsitzende der Minderheitenorganisation „Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten“, Hans Heinrich Hansen aus Ekensund (Egernsund), erinnerte an schwierige Zeiten in der Minderheit, in der die Kirche eine wichtige Rolle gespielt habe.

„Wir waren Fremde im eigenen Land“, sagte Hansen. Misstrauen, Missachtung, Verachtung und Feindschaft hätten die Zeit während des Zweiten Weltkrieges und danach geprägt.

„Es war keine schöne Zeit“, erinnerte er sich. Nach 150 Jahren Streit und Krieg im Grenzland seien die heutigen Generationen privilegiert.

„Wir leben in gegenseitiger Anerkennung“, sagte Hans Heinrich Hansen, der in dieser individualistischen Zeit die Hoffnung habe, dass die Kirche eine Gemeinschaft anbieten kann, „die aus dem Ich ein Wir machen kann“.

 

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