Deutsche Minderheit

Heimatkunde: Auf den Spuren der Industriegeschichte

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In den einstigen Werkhallen des 1962 geschlossenen metallverarbeitenden Werks in Kupfermühle besichtigte die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) die Ausstellung mit vielen Maschinen und Erzeugnissen aus der rund 350-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft besuchte bei ihrer Tagesfahrt das Museum in Kupfermühle. König Christian IV. gründete hier einen Betrieb zur Herstellung von Kupfer- und Messingblechen: Um 1800 war die Kupfermühle an der Krusau unmittelbar südlich der heutigen deutsch-dänischen Grenze einer der größten Industriebetriebe im Herzogtum Schleswig.

Den meisten Menschen im deutsch-dänischen Grenzland ist der Name Kupfermühle als verkehrsreicher Übergang mit Staus bei Grenzkontrollen nördlich von Flensburg bekannt. Doch nicht weit von dem Grenzübergang an der dort seit 1920 bestehenden deutsch-dänischen Landesgrenze lädt ein in den vergangenen Jahren großzügig erweitertes Industriemuseum Kupfermühle zu einem Gang ein in die vielen Bewohnerinnen und Bewohnern Nord- und Südschleswigs unbekannte Industriegeschichte des einstigen Herzogtums Schleswig.

Seit 2014 große Ausstellung

Rund 35 Interessierte waren am Sonnabend der Einladung der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig zu einem Besuch in den seit 2014 in drei renovierten großen Hallen des 1962 geschlossenen Industriebetriebs eingerichteten Museums gefolgt.

Originales Fabriksinventar

Die Führung umfasste auch einen Gang durch die Kupfermühler Arbeitersiedlung.
Noch im Jahre 1948 sah es in Kupfermühle nicht so idyllisch aus wie in der Gegenwart. Der Ort wurde von einer Industrielandschaft mit rauchenden Schloten geprägt.

Ausgestattet mit Informationen von Susanne Rudloff und Bertram Frick, besichtigten die Heimatkundlerinnen und Heimatkundler in zwei Gruppen aufgeteilt nicht nur die vielen Originalmaschinen wie das mit Wasserkraft angetriebene Hammerwerk, mit dem lange Zeit Kupferbleche für die hölzernen Kriegsschiffe der dänischen Kriegsmarine gefertigt wurden.

Angeschaut wurde auch die weitgehend erhaltene Arbeitersiedlung Kupfermühle.

Arbeitersiedlung nach Kopenhagener Vorbild

Die Museumsexpertin Susanne Rudloff demonstrierte auch den lärmenden Betrieb des Hammerwerkes in Kupfermühle.
Die Wasserkraft der Krusau wurde seit der Gründung der Kupfermühle im 17. Jahrhundert genutzt,

Susanne Rudloff berichtete, dass die Arbeiterunterkünfte stark den berühmten Unterkünften der Marinesoldaten König Christian IV., den Nyboder in Kopenhagen, ähneln.

Als Teilherzog von Schleswig hatte Christian den mit der Wasserkraft der Krusau (Kruså) arbeitenden Betrieb der Kupfermühle an der Flensburger Förde gründen lassen – verkehrsgünstig mit eigenem Hafen. Das Kupfer, das zu Blech verarbeitet den Bewuchs der Schiffsrümpfe mit Seepocken und Algen chemisch unterband, wurde aus Bergwerken in Norwegen vor allem durch Flensburger Schiffe herbeigeschafft.

Kupfermühle in Kriegen zerstört

Nach mehrfacher Zerstörung der Kupfermühle im Zuge der Besetzung Jütlands durch Wallenstein und in den Kriegen Dänemarks mit Schweden (1627, 1644 und 1657) entwickelte sich aus dem Zulieferfabrik für die Kriegsmarine ab 1682 ein lange florierender Betrieb zur Herstellung vieler Kupfer- und Messingerzeugnisse.

Die einstigen Arbeiterwohnungen wirken heute idyllisch. Vor Jahrhunderten lebten die Menschen in ihnen beengt und bescheiden, aber mit Gärten und einer eigenen Schule.

Metalllehre in eigener Schule

Lange profitierten die Eigentümer, seit dem Ende der Kriege im 17. Jahrhundert meist reiche Bürger Flensburgs, von königlichen Privilegien. Erläutert wurde, das Flensburg-Eimer, Backbehälter und Kessel jahrhundertelang zu den begehrten Waren der Kupfermühle zählten.

„Ab 1760 existierte eine Werksschule in Kupfermühle“, so Susanne Rudloff. „Die Jungen wurde dort ab 8 Uhr morgens zunächst in Metalllehre unterrichtet, ab 9 Uhr kamen die Mädchen hinzu. Nach der Mittagspause halfen die Jungen in der Kupfermühle, die Mädchen mussten in den Familien helfen“, fügte sie hinzu. Die früher sehr kleinen Wohnungen waren umgeben von Kohlgärten, Kleintierhaltung war üblich, und es wurde ein gemeinsames Backhaus genutzt, Wasser lieferten Quellen im Hang neben der Siedlung.

Betriebserweiterung vor 1900

Eine Büste an einem Gebäude der einstigen Kupfermühle erinnert an ihren Gründer, König Christian IV. (1588-1648), der seine Kriegsschiffe mit Kupferblechen aus seinem schleswigschen Unternehmen beliefern ließ.

Ab 1899 wurde der Betrieb stark erweitert. Es gab Schichtdienst, denn die neuen Dampfmaschinen mussten 24 Stunden rund um die Uhr laufen. Es gab in Kupfermühle nicht nur elektrisches Licht aus eigenen Generatoren. Auch warmes Wasser stand zur Verfügung. Im Mitelpunkt stand ein neues Warmwalzwerk, dessen Ruine 2011 abgerissen wurde.

„Die Pläne, das Gebäude für das Museum zu nutzen, haben sich zerschlagen. Es zeigte sich, dass der Boden neben und unter dem Gebäude stark mit Schwermetallen und giftigen Schwefelverbindungen belastet ist“, so die Museumsexpertin.

Seit Jahrtausenden Kupfer Werkstoff

Messingbehälter, die sich durch ein geringes Gewicht auszeichneten, waren noch im 20. Jahrhundert Erzeugnisse der Kupfermühle bei Flensburg. Das abgebildete Werbeplakat hat die Apenrader Künstlerin Franciska Clausen gestaltet.

Während des Rundgangs in den Ausstellungshallen erläuterte Susanne Rudloff ausführlich, die frühe Nutzung von Kupfer durch die Menschen.

„Die Beimischung von Zinn ergibt Bronze, die wesentlich härter als Kupfer ist“, so ihr Hinweis. Neue Zeiten hinsichtlich der Produktion gab es mit dem Aufkommen des Stahlschiffbaus in Dänemark und Deutschland. In der Kupfermühle stellte man um auf den Export von Kupferblechen in Länder, in denen weiter Holzschiffe gebaut wurden.

Ende nach Einsatz für Rüstungsindustrie

Die Kupfermühle im Jahre 1900 wird in der Ausstellung als Modell vorgeführt. Damals waren hier Hunderte Arbeiter tätig.

Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg produzierte die Kupfermühle für die Rüstungsindustrie. „Das hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Folge, dass das Unternehmen keine Hilfe aus dem Marshallplan bekommen konnte“, so Rudloff zu einer der Ursachen, weshalb die lange Firmengeschichte Anfang der 1960er Jahre endete.

Die HAG, deren Vorstandsmitglieder Lorenz P. Wree und Frank Lubowitz die Exkursion vorbereitet hatten, bedankte sich beim Personal des Industriemuseums für den interessanten Nachmittag, der mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Museum endete.

Informationen über die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft (HAG) liefert die Homepage des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN).

Während der Führung im Museum wurde den HAG-Mitgliedern auch die Kupfergewinnung und die Herkunft der in Kupfermühle verarbeiteten Rohstoffe erläutert.
Zivile Erzeugnisse wie diese Kupferne Backform wurden in der Kupfermühle hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Gelder aus dem Marschallplan zur Modernisierung, weil das Unternehmen für die nazideutsche Rüstungsindustrie tätig gewesen war,