Nachruf

Renate ist auf dem Weg zu Stern Nummer 28

Renate ist auf dem Weg zu Stern Nummer 28

Renate ist auf dem Weg zu Stern Nummer 28

Apenrade/Aabenraa
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Renate York Ullerup gehörte viele Jahre zum ehrenamtlichen Vorleserteam der nordschleswigschen Tonzeitung. Foto: DN-Archiv

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Die Wahl-Apenraderin ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Ihr soziales Engagement und ihre Kreativität werden sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Sie war Vorsitzende des Apenrader Mittwochstreffs, gehört dem Vorleserteam der Hörzeitung an und hatte im Laufe ihrer 85 Lebensjahre viele andere Ehrenämter. Kurz vor Weihnachten ist Renate York Ullerup verstorben.

Geboren wurde sie in Bosbüll bei Niebüll. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern übernahm ihr älterer Bruder Hubert Brase die Vormundschaft für die jüngere Schwester.

Wie ihr Bruder vor ihr studierte sie auf Lehramt, und zwar in Flensburg. Ihre Hauptfächer waren Englisch, Hauswirtschaft und Handarbeit.

Renate York Ullerup, 1936-2021

Praktikum in Schottland

Für ein Praktikum ging sie nach Schottland und lernte auf der Reise einen jungen englischen Offizier kennen, den sie 1960 heiratete. Das junge Paar ließ sich zunächst in dessen Heimat nieder.

Dort wurde Tochter Inga geboren. Die kleine Familie zog daraufhin nach Wassersleben, wo Tochter Patricia zur Welt kam. Renate York wurde eine Lehrerstelle an der Deutschen Nachschule Tingleff angeboten. Die Fäden hatte sicherlich ihr Bruder Hubert gezogen, der zu der Zeit Schulleiter an der benachbarten Deutschen Schule Tingleff war.

Die damals vierköpfige Familie York zog in den Hauptort der Schluxharde (Slogs Herred). Dort – oder genauer: im Krankenhaus von Tondern (Tønder) – erblickte Sohn Douglas das Licht der Welt.

Das Familienglück schien perfekt, doch in der Ehe kriselte es. Es kam zur Scheidung.

Umzug nach Apenrade

Renate York zog mit den drei Kindern nach Apenrade. Sie wurde Lehrerin an der dortigen deutschen Privatschule.

Wie es das Schicksal wollte, verliebte sie sich in ihren Nachbarn Ole Kurt Ullerup. Er brachte einen Sohn mit in die Verbindung. Die Großfamilie zog zunächst an den Teglgård und später in das Eigenheim am Farverhus.

Die Eheleute teilten viele Interessen. So haben sie viele Reisen unternommen. Bei einer Aufzählung kamen nicht weniger als 30 unterschiedliche Länder zusammen.

Kreativ und sozial engagiert

Auch das soziale Engagement war den beiden gemeinsam. Darüber hinaus war Renate York Ullerup äußerst kreativ. Das kam bei Hand- und Bastelarbeiten, aber auch in ihrem Garten zum Ausdruck. Sie hatte immer neue Projekte in Arbeit.

„Wenn sie sich nicht für den Beruf als Lehrerin entschieden hätte, wäre sie sicherlich Kunsthandwerkerin geworden“, ist Tochter Patricia überzeugt.

Die Kreativität kam auch sprachlich zum Ausdruck. Ihre Wortschöpfungen – nicht selten eine Mischung aus Dänisch, Deutsch und Englisch – wurden in der Familie nur liebevoll als „Renatisch“ bezeichnet.

Die zunehmenden Folgen einer Alzheimer-Erkrankung machten es erforderlich, dass ihr Ehemann Ole Kurt in ein Pflegeheim umsiedeln musste. Fast zeitgleich erkrankte Renate York Ullerup selbst schwer. Nach ein paar Monaten war sie jedoch so weit wieder fit, dass sie wieder relativ unbeschwert ihr Leben genießen konnte.

Gedenkstunde wird nachgeholt

Die Trauerfeier hat bereits stattgefunden. „Sie ist auf dem Weg zu Stern 28“, sagen die Kinder. Ihre Schwägerin Ingrid Brase Schloe hatte von sich immer behauptet, nach ihrem Tod zum Stern Nummer 27 zu „reisen“. „Folglich ist für mich Stern 28 reserviert“, meinte Renate York Ullerup. Eine eigentliche Gedenkfeier für Freunde und Weggefährten soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Auf Wunsch von Renate York Ullerup, die eine begeisterte Winterbaderin war, soll ihre Asche jedoch von ihrer Lieblingsbadestelle am Apenrader Süderstrand (Sønderstrand) aus in die Ostsee verstreut werden.

Um die Verstorbene trauern die Kinder Inga (wohnhaft in Straelen am Niederrhein an der niederländischen Grenze), Patricia und Douglas (beide in Aarhus) sowie „Bonussohn“ Carsten, der auf der Halbinsel Loit wohnt, mit ihren jeweiligen Familien.

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