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Natur-im-Mittelpunkt-Projekt: Ist das noch zeitgemäß?

Natur-im-Mittelpunkt-Projekt: Ist das noch zeitgemäß?

Natur-im-Mittelpunkt-Projekt: Ist das noch zeitgemäß?

Rothenkrug/Rødekro
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Wie funktioniert das denn? Lehrerin Majbritt Alnor Pedersen erklärt den Kindern, wie der „Miniatur-Wasserkreislauf, mit dem sich die 0. und 1. Klassen während der NiM-Woche beschäftigen, funktionieren wird. In einem kleinen Glas wird in einigen Wochen ein Ökosystem entstehen. Foto: Karin Riggelsen

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Die sogenannte NiM-Woche findet in der Deutschen Schule Rothenkrug statt. Es werden Feuer und Klimaphänomene entfacht. Warum das Projekt immer noch wichtig ist, es aber auch Nachteile gibt, erklären ein Lehrer und die Schulleiterin.

„Wann brennt es denn endlich?“ Die Frage stellten sich am Mittwoch Schülerinnen und Schülern aus der 2., 3. und 4. Klasse der Deutschen Schule Rothenkrug (DSR). Sie untersuchten unterschiedliche Materialien auf ihre Brennbarkeit. Das Ergebnis wird auf einem Arbeitsbogen festgehalten. In kleinen Gruppen finden die Kinder heraus, dass es etwas länger dauert, bis Plastik Feuer fängt. Bei anderem Material geht es wesentlich schneller.

So beginnt wissenschaftliches Arbeiten. Beobachtungen werden schriftlich festgehalten und später ausgewertet. An der DSR findet die sogenannte NiM-Woche (Naturwissenschaften im Mittelpunkt; Anm. d. Red.) statt, einem Projekt, das es seit mehreren Jahren gibt. Es wurde vom dänischen Bildungsministerium initiiert, um junge Menschen – speziell Mädchen – für die Naturwissenschaften wie Physik, Chemie oder Biologie zu interessieren. Zu wenige Schulabgängerinnen und -abgänger entschieden sich für die naturwissenschaftlichen Studienzweige.

Wann brennt Plastik? Die Frage beantworten die vier Schülerinnen und Schüler durch Ausprobieren. Der Feuerlöscher steht übrigens für den Fall der Fälle griffbereit. Foto: Karin Riggelsen

Die Situation an den Universitäten hat sich inzwischen verbessert. Ist die Nim-Woche dann überhaupt noch notwendig? Die Frage beantwortet Carina Heymann, Schulleiterin der DSR: „Ich halte es für gut, dass wir uns eine Woche lang auf diese Themen konzentrieren können“, sagt sie und fährt fort, „Grundsätzlich sind Projektwochen immer gut. Es ist eine Form des Unterrichts und belebt das Unterrichtsgeschehen. Wir können auch merken, dass es einen Wandel beim Interesse für die Naturwissenschaften gab.“

Doch auch wenn Erfolge sichtbar sind: Am NiM-Projekt hegt sie inzwischen einige Zweifel. „Vor einigen Jahren gab es konkrete Themen. Die sind immer schwammiger geworden“, berichtet Heymann und nennt als Beispiele die Themen der vergangenen zwei Jahre: „Geheimnisvolle Welt“ (2021) und „Rätselhafte Welten" (2022). „Darunter kann man alles verstehen“, meint sie.

Besonders als das NiM-Projekt startete, gab es „Materialien in Hülle und Fülle“. Es wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt. „Jetzt kommt nur noch sehr wenig Unterstützung“, findet die Schulleiterin.

An der DSR wird die Projektwoche vom Kollegium schon Wochen und zum Teil Monate zuvor vorbereitet. Die Lehrerinnen und Lehre füllen das Thema mit Ideen und Inhalten.

Naja, Cathrin und Milia suchen in der Schule nach Quellen, die Energie verbrauchen. Foto: Karin Riggelsen

In den Klassenstufen 5, 6 und 7 unterrichtet unter anderem Manfred Schrader. So wie Carina Heymann ist auch er überzeugt, dass das Naturwissenschaftsprojekt wichtig ist. Seine Schülerinnen und Schüler befassen sich mit dem Thema Klimawandel. „Über das Thema kann man gar nicht genug wissen“, meint er. Dem Lehrer ist aufgefallen, dass das Wissen bei den Kindern über den Klimawandel große Lücken hat. Die Kinder, die er unterrichtet, beschäftigen sich in der Projektwoche mit dem Energieverbrauch. „Das ist aktuell sowie spannend und ist auch zu Hause ein Thema, denn es beschäftigt derzeit alle“, so Schrader.

Der Wasserkreislauf ist Thema in der 0. und 1. Klasse. Am Donnerstag fahren die Klassen nach Loddenhoi und schauen sich dort an, was dort mit dem Wasser passiert. Foto: Karin Riggelsen

Die Mädchen und Jungen der drei oberen DSR-Klassen waren unter anderem in der Schule unterwegs, um „Energie-Detektiv“ zu sein. Sie sollten Energieverbraucher ausfindig machen, um „später auszurechnen, was es beispielsweise kostet, eine Lampe zu betreiben“, erklärt er. „Darüber hinaus stellen wir die Frage, was wir beitragen können, um Strom oder Wärme zu sparen“, fügt er hinzu.

Manfred Schrader würde sich freuen, wenn er noch mehr Zeit für das Thema hätte. „Aber wir sind begrenzt, deshalb können wir in der Schule nur Anstöße geben. Es ist auch wichtig, dass zu Hause über den Klimawandel und die damit zusammenhängenden Folgen gesprochen wird“, sagte er und fordert dazu auf, zusammen mit den Kindern Nachrichten zu schauen.

Für die Kinder ist das Wissenschaftsprojekt immer eine willkommene Abwechslung und sie sind mit „Feuer“-eifer dabei.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheit mit Mut zur Zukunft“