Zugezogene

Umzug nach Dänemark: „Gut vorbereiten, dann klappt es“

Umzug nach Dänemark: „Gut vorbereiten, dann klappt es“

Umzug nach Dänemark: „Gut vorbereiten, dann klappt es“

Bollersleben/Bolderslev
Zuletzt aktualisiert um:
Seit September leben (v. l.) Tamina, Paloma, Heiko, Konrad und Brigitte in Nordschleswig. Foto: Jan Peters

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Knapp ein Jahr lang haben Paloma Wulf-Bock und Ehemann Heiko ihren Umzug nach Dänemark vorbereitet. Und die Mühe habe sich gelohnt, finden beide – und haben die Eltern gleich mitgebracht.

Hauskauf: nicht möglich. Platz in der Tagesstätte: Fehlanzeige. Schulsystem: Note sechs. Diese Gründe haben Paloma Wulf-Bock und Ehemann Heiko Wulf nach Dänemark gebracht. Der Gedanke, mal aus Preetz, wo die beiden zuletzt wohnten, in das Nachbarland auszuwandern, war schon länger da. „Eigentlich erst, wenn wir älter sind“, sagt Heiko. Aber dann kam es doch anders.

„Trotz eines guten Einkommens mit zwei Verdienenden war es kaum möglich, ein Haus zu kaufen“, erzählen Paloma und Heiko. „Und das, obwohl wir nicht schlecht verdient haben“, sagt die gebürtige Selenterin.

Die beiden Familien vor der Tür des Hauses in Bollersleben Foto: Jan Peters

Dann gab es für Tochter Tamina keinen Platz in der Kindertagesstätte. Trotz eines Platzes auf der Warteliste gab es eine Absage. Als dritten Grund nennt Paloma das deutsche Schulsystem, das ihr selbst schon nicht behagte. Darin sollte ihre Tochter bald unterkommen.

„Wollen wir, dass unsere Tochter in einem Schulsystem, das gerade komplett gegen die Wand gefahren wird, groß wird? Nein!“, so die klare Antwort der beiden. Durch unter anderem Schüleraustausch hatte Paloma dänische Schulen kennengelernt und als viel positiver erlebt als die deutschen Pendants.

Die ersten Überlegungen

„2021 haben wir uns dann zusammengesetzt und überlegt, ob sich ein Umzug machen lässt, eine Machbarkeitsstudie, sozusagen“, berichtet sie. Die Fragen waren: Was geht? Was können wir? Können wir überhaupt? Und was müssen wir dafür tun?

Das Paar mit Tochter Tamina fuhr mehrfach über die Grenze. Mal für einige Tage, mal für ein Wochenende – und schaute sich dabei um. „Und wir trafen viele Leute, die uns Ratschläge gaben“, erzählen die beiden. Dabei handelte es sich unter anderem um Freunde aus Dänemark, die sie im Urlaub kennengelernt hatten.

Arbeit über lokale Zuzügler-Angebote gefunden

Dabei erfuhren sie auch von einem Zuzügler-Tag, der von der Kommune Hadersleben (Haderslev) angeboten worden war. Das war im Mai des vergangenen Jahres. Dort trafen sie auf einen Vertreter des lokalen „Udviklingsråd“. Ihm erzählte Paloma von ihrem Vorhaben und „kaum eine Woche später klingelte bei mir das Telefon, und ich hatte meinen heutigen Chef dran“, erzählt sie. Der Leiter des Tierbedarfgroßhandels „Eldorado“ in Hadersleben benötigte genau sie, um die deutschen Kunden bedienen zu können. Für Heiko ging es ähnlich schnell. Er arbeitet seit dem Umzug im September als Techniker für einen Etikettengerätehersteller.

Mit Sprachkenntnissen geht es leichter

Paloma hatte schon Vorkenntnisse in der dänischen Sprache. Das habe ihnen gut geholfen, denn auch wenn viele in Dänemark Englisch sprechen, „zeigt es doch, dass man sich bemüht“, sagt sie. Durch den täglichen Kontakt mit dem Dänischen haben sich ihre sprachlichen Fähigkeiten bis heute deutlich verbessert, findet sie. Jetzt ist auch Heiko beim Sprachkursus angemeldet.

Bei Problemen: Dran bleiben

Während der Kontakt mit der Kommune Hadersleben problemlos funktionierte, und die Angebote für Zuzügler gut waren, erlebten sie mit der Kommune Apenrade (Aabenraa), in der sie das Haus gekauft hatten, das Gegenteil. Die dringend benötigte Gesundheitskarte (Sundhedskort) kam nicht. „Nach Wochen des Wartens rief ich dort an. Es dauert noch, hieß es von dort“, erinnert sich Paloma. Eine Woche später bekam sie den gleichen Bescheid. Schließlich mischte sich ihr Chef ein und rief bei der Kommune an. Er hatte Erfolg. Ein Fehler habe die Auslieferung verzögert, erfuhren Paloma und Heiko. Dann ging es zügig. Wenige Tage später war die Karte im Briefkasten der beiden.

„Man muss aufpassen und dran bleiben, wenn etwas schiefläuft“, sagt Paloma. Sie empfiehlt: „Gut vorbereiten, dann klappt es.“

Kommunale Angebote wahrnehmen

So rät sie auch, an Veranstaltungen für Auswanderer teilzunehmen. Dazu gehören kommunale Zuzügler-Treffen und Job-Dating-Angebote, die von den vier nordschleswigschen Kommunen durchgeführt werden. Und auch die vielen Facebook-Gruppen, die es inzwischen zum Thema Umzug nach Dänemark gibt, seien hilfreich. Allerdings solle man dabei genau hinschauen, wem man dort begegne, warnt Paloma.

Alle benötigten Akten griffbereit dabei haben

So kamen sie auch mit einem gut gefüllten Aktenordner zu Siri (Styrelsen for International Rekruttering og Integration), die dänische Ausländerbehörde, die damals noch in Odense platziert war. Mittlerweile gibt es auch Siri-Abteilungen in unter anderem in Sonderburg (Sønderborg). Es ist für Zuziehende die erste Station auf dem Weg ins Land. Eine knappe halbe Stunde dauerte es, dann gab es von dort ein Okay.

Mit der dänischen Steuerbehörde „Skat“ haben die Auswanderer gute Erfahrungen gemacht.

Arbeit hatten Paloma und Heiko schon bevor sie nach Bollersleben zogen, wo sie heute ein schmuckes, gelb gestrichenes Haus mit eigenem Garten bewohnen. Der Weg zum Eigenheim war allerdings mit Hindernissen gepflastert, denn die Suche nach einer Bank, die den Haustraum finanzieren wollte, war schwierig. Allerdings hatte die kleine Familie auch dabei Hilfe bekommen.

Hilfe beim Hauskauf

Ein Makler, der von ihrem Haustraum wusste, vermittelte zu „Reformlån“ in Apenrade. Das Unternehmen finanziert Hauskäufe „außerhalb der Standardberechnungen“, wie es auf der Internetseite heißt. Mit ein wenig Eigenkapital konnten sie das Haus, das sie sich ausgesucht hatten, kaufen.

Genau überlegen, was man zurücklässt

Und dann war klar: Die Eltern von Paloma sollten mit nach Dänemark kommen. „,Mama, du gehst eh im Herbst in Rente. Was habt ihr zu verlieren‘, sagte Paloma zu mir“, erzählt Mutter Brigitte (Gitti) Bock. Gatte Konrad (Conny) ist schon länger im Ruhestand. Beide sind seit vielen Jahren Dänemark-Fans und machen seit Jahrzehnten Urlaub im Land. Nach anfänglicher Skepsis sagten die beiden schließlich Ja. Es wurde ein kleines Haus in Jordkirch (Hjordkær) gemietet, wo sie – ebenfalls – seit September vergangenen Jahres wohnen.

Während Conny sich überaus wohlfühlt, hat Gitti manchmal Heimweh nach ihrem Bruder und der Mutter, die sie auf dem Friedhof in der alten Heimat zurückgelassen hat. Eigentlich wollte Gitti sich neben der kleinen Rente etwas nebenbei verdienen und für den früheren Arbeitgeber in Deutschland arbeiten. Doch dann hätte sie in Dänemark ein Kleingewerbe anmelden müssen, wie ihr erklärt wurde. „Und das rechnet sich nicht, ist viel zu teuer“, sagt sie.

Gut aufgenommen worden

Und trotzdem: Im Ort seien sie gut aufgenommen und willkommen geheißen worden, erzählen alle vier. „Wir haben großes Glück mit den Nachbarn“, sagen sie.

Abschließend geben die Vier noch einen Rat: „Man muss sich darüber bewusst sein, dass in Dänemark viel digital passiert. Behörden, Sportverein, Anmeldungen, Behördenkontakt: Vieles passiert online. Wer nicht an den Umgang mit Computer und Internet gewohnt ist, bekommt Probleme“, sagt Gitti Bock.

Aktualisierung: Der Text wurde am 8. Februar aktualisiert. Zuvor war zu lesen, dass es in Apenrade eine Siri-Abteilung gebe. Das ist seit dem vergangenen Jahr nicht mehr der Fall.

 

Mehr lesen

wort zum Sonntag

Hauptpastorin Dr. Rajah Scheepers der Sankt Petri Kirche, Die deutschsprachige Gemeinde in der Dänischen Volkskirche
Rajah Scheepers
„Staatsbürgerschaften“