Frankreich in Dänemark

Hinter den Kulissen der „Alliance française“

Hinter den Kulissen der „Alliance française“

Hinter den Kulissen der „Alliance française“

Laure Saint-Alme
Apenrade/Aabenraa
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Der Vorsitzende der „Alliance française Apenrade“ heiratete Frankreich. Foto: Laure Saint-Alme

Mit Johan Lunde-Christensen und seinem Verein „Alliance française Aabenraa“ entdeckt „Der Nordschleswiger“ ein kleines Stück Frankreich direkt um die Ecke.

Als die Reporterin des „Nordschleswigers“ ins Auto steigt, versteht sie schnell, worum es geht.

Der Vorsitzende der „Alliance française Apenrade“, fährt natürlich Peugeot, und natürlich spricht er Französisch, eine Sprache, die hier in Nordschleswig selten zu hören ist.

Doch Johan Lunde-Christensen ist durch und durch Franzose.

Was ist die „Alliance française?“

Die „Alliance française“ ist eine Vereinigung, die sich überall in der Welt dafür einsetzt, die französische Kultur und – so gut wie möglich – die Sprache zu fördern.

„Die Alliance française Apenrade“ zählt aktuell circa 40 Mitglieder.

Ob Frankreich ihn fand oder er Frankreich fand, weiß er nicht mehr so genau so:

„Vielleicht ein bisschen beides“, antwortet er, während er uns zu seinem Haus hinfährt, in dem auch sein Büro ist. Immerhin warnt er sofort davor, dass er zu Hause nur französische Fernsehsender hat.

Im Alltagsleben spricht der Apenrader sehr gerne Sønderjysk. Aber seit er seine Frau Edith traf, hat Französisch ebenfalls einen wichtigen Platz in seinem Leben.

Trotzdem lernte er Edith nicht in Frankreich kennen.

Johan Lunde-Christensen war zwischen 28 und 29 Jahre alt, als er Edith auf einer Geschäftsreise in Algerien zum ersten Mal sah. Sie arbeitete als Sekretärin in einem amerikanischen Unternehmen.

War sie auch auf einer Geschäftsreise?

Nicht wirklich, erklärt Johan, der nicht aufhört, die Reporterin des „Nordschleswigers“ zu überraschen.

„Edith ist ,pied-noire‘, Algerien-Französin“, sagt er.

Was heißt „pied-noir“?

Die Franzosen, die nach der Unabhängigkeit von Algerien dort geboren wurden oder sich dort angesiedelt haben – und manchmal auch ihre Nachkommen – werden „pied-noirs“ genannt.

Das Wort setzt sich aus pied (Fuß) und noir (schwarz) zusammen.

Die Historiker konnten sich nicht über den Ursprung des Wortes einigen.

Johan habe mit der Zeit Ediths Muttersprache gelernt – und sie seine. Heute sind sie ein glückliches Paar. Johan definiert sich jetzt als „ein Viertel Franzose, drei Viertel Däne“.

Nach zahlreichen Reisen in Belgien, Algerien und Tunesien lebte das Ehepaar 30 Jahre lang in anderen Gegenden Dänemarks, bevor sie in Johans Heimatstadt, nach Apenrade, zurückkehrten.

Als Johan in den Ruhesstand trat, wurde er Mitglied der „Alliance française Apenrade“. Dank seiner guten Französischkenntnisse wurde er zum Nachfolger des ehemaligen Vorsitzenden des Vereins gewählt.

Johan Lunde-Christensen vergisst nicht seine Ursprünge und spricht im Alltag Sønderjysk. Foto: Laure Saint-Alme

Französisch in Gefahr

Das Programm der „Alliance française Apenrade“ besteht aus zwei Teilen: einem Herbst- und einem Frühlingsprogramm. Jeweils werden vier französische Filme mit dänischen Untertiteln vorgeführt.

Darüber hinaus plant man bald eine Vorführung von französischen Filmen in der Deutschen Zentralbücherei Apenrade. Er hofft darauf, in der deutschen Minderheit ein neues Publikum zu erreichen:

„Vielleicht werden zwei oder drei Jugendliche vorbeikommen, die am Deutschen Gymnasium Nordschleswig (DGN) Französisch lernen.“

Alle Aktivitäten in Apenrade finden, obwohl sie sich um Frankreich drehen, auf Dänisch statt, um allen Teilnehmern den Zugang zur französischen Kultur zu ermöglichen.

Johan Lunde-Christensen leitet den Apenrader französischen Verein von zu Hause aus. Blumen sind seine zweite Leidenschaft. Foto: Laure Saint-Alme

Johan Lunde-Christensen berichtet, dass die Zahl der Französischlernenden am dänischen Gymnasium in Apenrade (Statsskole Aabenraa), und am DGN seit etwa zehn Jahren rückläufig ist.

Der Vereinsvorsitzende lädt in der kommenden Saison einen Geschichtslehrer zu einer Konferenz über die Zuwanderung in Frankreich seit 1830 ein.

„Frankreich ist Frankreich“, stellt er fest.

Obwohl die Dänen sich nicht besonders für die französische Politik interessieren, kennen sie die französische Küche sehr genau. Deshalb organisiert der Vorsitzende Kochworkshops, die von der dänischen Schulküche, „skolekøkken“, inspiriert seien.

Die Teilnehmer müssen nach regionalen französischen Rezepten, die auf Französisch verfasst sind, kochen oder backen. Auf dem Menü können unter anderem die „Tarte tropézienne“ oder das „Enten-Confit“ aus Südfrankreich stehen.

Am Ende jedes Jahres genießen die Mitglieder zusammen die traditionelle „Bûche de Noël“, ein französisches Dessert speziell zu Weihnachten.

Ein französisches Weinachtsfest ohne eine „Bûche" auf dem Tisch ist unvorstellbar. Foto: Adobe Stock
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