Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 5. Juni 2022“

Das Wort zum Sonntag, 5. Juni 2022

Das Wort zum Sonntag, 5. Juni 2022

Gotthard Magaard
Gothart Magaard Bischof
Schleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Adobe Stock

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Das Wort zum Sonntag, 5. Juni 2022, von Bischof Gothart Magaard, Schleswig.

Pfingsten feiern wir ein Verstehenswunder. In der biblischen Pfingstgeschichte wird von Menschen erzählt, die ganz unterschiedliche Sprachen sprechen und einander doch verstehen. Nach dem Weggang Jesu hatten sich seine Jünger hinter verschlossene Türen zurückgezogen. Sie waren mutlos und sprachlos. Aber so blieb es nicht. Am Pfingsttag wurden sie vom Geist Gottes ergriffen, regelrecht durchgepustet, und ihre Herzen begannen wieder für die Botschaft von Jesus zu brennen. Sie gingen hinaus auf die Straße und erzählten von der Liebe Gottes. Dort trafen sie Menschen, die ganz unterschiedliche Sprachen sprachen. Und doch verstanden die Menschen die Sprache der Jünger: die Sprache der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens und der Versöhnung. Die Pfingstgeschichte ist eine große Hoffnungsgeschichte über das Verstehenswunder, dass die Sprache des Vertrauens und der Versöhnung kulturelle Grenzen überwinden kann.

Gegenwärtig erleben wir auf so vielen Ebenen, wie schwer gegenseitige Verständigung sein kann. Mit schweren Sorgen sehen wir die Bilder aus der Ukraine. Die brutalen und gewaltsamen Geschehnisse machen sprachlos. Die Barrieren zwischen den Konfliktparteien scheinen unüberwindbar. Dazu die langen Monate der Pandemie, die das gegenseitige Verständnis in unserer Gesellschaft stark strapaziert haben.

Dem setzt das Pfingstfest sein Verstehenswunder entgegen: Der Heilige Geist gibt Kraft und Mut, dass wir uns auf den Weg der gegenseitigen Verständigung machen können. Denn auch das erleben wir: Menschen öffnen ihre Türen für Geflüchtete. Sie vertrauen auf die Sprache der Liebe und versuchen so, mit ihren wenigen Sprachkenntnissen kulturelle Barrieren zu überwinden.

Am Pfingstfest vor zehn Jahren wurde unsere Nordkirche gegründet: eine neue Kirche aus drei ehemaligen Landeskirchen mit ost- und westdeutschem Hintergrund. Gemeinsam haben wir uns als Kirche auf den Weg der gegenseitigen Verständigung gemacht, weil wir überzeugt waren, dass die Sprache des Vertrauens alte Grenzen überwinden kann. Viele Schritte sind wir seitdem gegangen, haben lange um Verständnis gerungen und durften doch immer wieder Verstehenswunder erleben: Bei allen Unterschieden wurden wir mit Mut und Vertrauen auf diesem Weg beschenkt. Erfahrungen, die wir im deutsch-dänischen Grenzland in den letzten Jahrzehnten auch immer wieder machen durften.

Ein gesegnetes Pfingstfest!

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Das Gute und das Böse“

Kulturkommentar

Claudia Knauer
„Vergessene Tugenden “