Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 15. Mai 2022“

Das Wort zum Sonntag, 15. Mai 2022

Das Wort zum Sonntag, 15. Mai 2022

Pastorin Sabine Hofmeister
Sabine Hofmeister
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 15. Mai 2022, von Pastorin Sabine Hofmeister/Reformierte Kirche in Fredericia

So seid nun Gottes Nachfolger als seine geliebten Kinder und lebt in der Liebe. (Epheser 5,1)

Viele Zeitgenossen kaufen religiöse Bücher, belegen Meditationskurse oder ziehen sich einige Zeit in ein Kloster zurück. Sie tun das, weil sie zu sich selbst kommen und inneren Frieden finden wollen. „Spiritualität“ ist das große Zauberwort. Die Kirchen müssen das ernst nehmen und überlegen, wie sie die religiösen Bedürfnisse der Menschen aufnehmen, damit diese nicht dem Dalai Lama, Gurus oder Esoterikern nachlaufen. Doch gleichzeitig darf die Kirche nicht verschweigen, dass sich der christliche Glaube an einem Punkt fundamental von heutigen Formen der Religiosität unterscheidet.

Das Christentum hat – wenn es seinen jüdischen Wurzeln treu bleibt – nicht nur das Seelenheil des Einzelnen im Blick, sondern auch das Wohl der Gesellschaft. Christen geht es um die religiösen und materiellen Bedürfnisse der Menschen, um den inneren und äußeren Frieden, um das rechte Verhältnis zu Gott und gerechte Verhältnisse in der Gesellschaft. So sind Christen „Gottes Nachfolger“. Und dabei müssen sie sich im Alltag bewähren.

In der Gemeinde in Ephesus kommen Unzucht, Habsucht und Trunksucht vor. Das soll aufhören. In den folgenden Kapiteln fordert der Epheserbrief, dass die Frauen, „sich ihren Männern unterordnen“. Und die Sklaven sollen ihren „irdischen Herren gehorsam“ sein. Hier wird allerdings deutlich, dass das, was der Epheserbrief für richtig hält, weniger christlich als zeitbedingt ist. Aber diese Gefahr droht jedem, der den christlichen Glauben in die Praxis umsetzen will. Natürlich ließe sich das Problem vermeiden, wenn man nichts sagen und nichts tun würde. Dann könnte man auch nichts falsch machen. Doch ein Glaube, der bei sich bleibt und nicht zur Tat wird, ist belanglos. Ja, er lädt große Schuld auf sich, weil er die Menschen mit ihren konkreten Nöten und Fragen im Stich lässt.

Wer „Christi Nachfolger“ sein will, muss zum Beispiel sagen können, wie man eine Diktatur beseitigen kann. (Selbst-)Kritische Christen werden freilich daran denken, dass sie fehlbar sind, dass sich das, was sie für christlich halten, später als falsch herausstellen kann, wie die Aufforderung des Epheserbriefes an die Frauen und die Sklaven. So wird klar: Auch diejenigen, die christlich handeln (wollen), sind letztlich auf Gottes Gnade und Vergebung angewiesen.

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