Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 12. November 2023“

Das Wort zum Sonntag, 12. November 2023

Das Wort zum Sonntag, 12. November 2023

Anke Krauskopf
Anke Krauskopf
Apenrade/Aabenraa
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Anke Krauskopf, Pastorin in Apenrade, schreibt in ihrem Wort zum Sonntag über das Teilen.

In Deutschland wird gerade der 100. Geburtstag von Loriot gefeiert. Einer meiner Lieblingssketche ist der „Kosakenzipfel“, in dem die Ehepaare Hoppenstedt und Pröhl in einem eleganten Restaurant das fünfjährige Bestehen ihrer Freundschaft feiern. Die Stimmung ist gut, man trinkt auf Du-und-Du und nach dem Hauptgang soll nun ein Dessert genossen werden. Auf Empfehlung von Walter Hoppenstedt entscheiden die Männer sich für den „Kosakenzipfel“, ein Mokka-Trüffel-Parfait mit einem Zitronencreme-Bällchen. Leider, vermeldet der Ober, gibt es nur noch einen Kosakenzipfel. Kein Problem, dann teilt man eben.

Ein Kosakenzipfel, zwei Löffel, geteilte Freude ist doppelte Freude, und das Unheil nimmt seinen Lauf. In loriotscher Anarchie wird nun erbittert um die genaue, gerechte Hälfte, einschließlich Mokkatrüffel und Zitronenbällchen gestritten und geschnitten (bzw. gelöffelt), bis man heillos entzweit ist und die Ehefrauen sich auf der Straße noch ein saftiges „JODELSCHNEPFE“ und „WINSELSTUTE“ zubrüllen, bevor sie von ihren Ehegatten in entgegengesetzte Richtungen gezerrt werden.

Teilen will gelernt sein. Fair teilen bedeutet auch Verzicht. Das kann für manch einen schon bei einem Dessert beginnen. Wie viel schwerer ist es dann, wenn es um die „Fair“-teilung existenzieller Güter, Wohnung, Arbeit, Wasser, Nahrung, Bildung, medizinische Versorgung, geht.

Der große Vorbild-Teiler, der am 11.11. seinen Feiertag hatte, war Martin von Tours (+397 n. Chr.), der der Legende nach, seinen warmen Mantel mit einem Bettler teilte. Später im Traum erfuhr er, dass ihm in diesem Bettler Christus selbst begegnet war: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern (und Schwestern), das habt ihr mir getan“ (Mt.25,40b).

Teilen tut Not in einer Welt, in der die Chancen und Güter so ungerecht verteilt sind. Aber niemand erwartet, dass ich oder du die ganze Welt retten. Es ist schon viel gewonnen, wenn jedeR nur ein kleines bisschen übrig hat für die Bedürftigen um die Ecke, oder in anderen Teilen der Erde, damit am Ende alle vom Dunkel ins Licht treten können.

 

 


 

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