Leitartikel

Was für ein Theater?

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Michael Bagger/Ritzau Scanpix

Die Hauptstadt braucht ein Zugpferd wie „Det Kongelige Teater“, aber wenn zwei Drittel der Gelder einem Drittel der Bevölkerung zugutekommen, dann ist etwas faul im Staate Dänemark, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Das Fragezeichen ist gewollt: In der Provinz stellen sich die Bewohner nämlich genau diese Frage: Was für ein Theater? Die Bühnenkunst findet hier tatsächlich kaum statt. Die Organisation „Danmark på Vippen“, die die Schieflage zwischen Hauptstadt und Provinz geraderücken möchte, hat eine Studie erstellen lassen. Demnach erhält das Königliche Theater in Kopenhagen allein 42 Prozent der 1,2 Milliarden Kronen, die jährlich verteilt werden. Darüber hinaus fallen weitere 27 Prozent der finanziellen Mittel in der Hauptstadt an. Bleiben für die Provinz bescheidene 31 Prozent.

Die Hauptstadt braucht ein Zugpferd wie „Det Kongelige Teater“, aber wenn zwei Drittel der Gelder einem Drittel der Bevölkerung zugutekommen, dann ist etwas faul im Staate Dänemark. Laut Peter Westphal vom Egnsteater Randers ist die Verteilung der Gelder ein Symptom dessen, dass in den Köpfen der Geldverteiler außerhalb Kopenhagens nichts gedeihen kann.
Westphal moniert auch, dass das Königliche Theater von 300 Vorführungen nur 50 auf den Provinzbühnen aufführt und somit seiner Aufgabe als Theater der Nation nicht gerecht wird.

Es ist nicht der erste Kulturvergleich von „Danmark på Vippen“. Auch im Bereich der Museen und der Bildung zeigten sich große Unterschiede zwischen der Hauptstadt und der Provinz.
Kopenhagen muss als Hauptstadt attraktiv sein, aber die Politik muss sich auch mit diesem Bereich auseinandersetzen, um die Schieflage aufzurichten. Dass die dänische Metropole im Kulturbereich mehr als doppelt so viele Gelder bekommt als die Provinz ist vor allem historisch bedingt und weil man an jahrelangen Gewohnheiten festhält.

Den Geldgebern fehlt leider das Gespür dafür, dass auch außerhalb Kopenhagens ein Bedarf ist und dass sich hier eine kreative Bühnenwelt befindet – die sich allerdings oft vergeblich um Gelder bemüht. Wer dieses Gespür nicht von allein hat, muss es auferlegt bekommen. Dafür haben wir Kulturpolitiker, die für eine gewisse Balance sorgen sollten.

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