Leitartikel

„Die Meistermacher verlieren ihre Magie“

„Die Meistermacher verlieren ihre Magie“

„Die Meistermacher verlieren ihre Magie“

Apenrade/Aabenraa
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Die Dänische Volkspartei mit Kristian Thulesen Dahl an der Spitze hat ihre Magie verloren, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Ist der rechte Flügel an seine Grenzen gestoßen? Die neueste Meinungsumfrage scheint dies – kurz vor der Folketingswahl in den kommenden Monaten – zu bestätigen: Die Dänische Volkspartei wird laut Voxmeter jede dritte Stimme abgeben müssen und muss sogar den zweiten Platz in der Beliebtheitsskala wieder an Venstre abgeben. Damit setzt sich die DF-Krise fort, die sich bereits bei der Kommunalwahl 2017 abzeichnete, als DF erstmals bei einer Kommunalwahl zurückfiel. Diese Tendenz macht sich seit einiger Zeit auch in der Landespolitik bemerkbar: Von 21,1 Prozent der Stimmen bei der Folketingswahl 2015 bleiben der DF derzeit nur zwischen 15 und mauen 13,4 Prozent wie zuletzt eine Megafon-Umfrage zeigte.

Das ist natürlich schlimm für die Dänische Volkspartei, aber noch härter trifft es den blauen Block. Denn der DF-Rückgang wird Lars Løkke Rasmussen (Venstre) aller Voraussicht nach den Posten als Regierungschef und Staatsminister kosten – weil die verlorenen DF-Stimmen nicht im blauen Block bleiben. Die Rechtspartei-Konkurrenz der Neuen Bürgerlichen hat zwar die hardcore rechts-liberalen Stimmen aufgesammelt, aber nur gerade genug, um ins Folketings zu ziehen. Also zwei bis drei Prozent, aber nichts, was den großen Verlust von DF wettmachen kann.

Die Dänische Volkspartei mit Kristian Thulesen Dahl an der Spitze hat ihre Magie verloren. Es fing bereits kurz nach der Wahl an, denn viele Wähler meinten, die Dänische Volkspartei hätte als zweitgrößte Partei nun endlich Verantwortung übernehmen müssen. Aber Kristian Thuelsen Dahl und Co. haben sich als kleine Partei immer in der freien Rolle am wohlsten gefühlt. Das Problem: Sie sind keine kleine Partei mehr. Außerdem ist die Dänische Volkspartei längst nicht mehr die einzige Partei, die Straffungen in der Asyl- und Flüchtlingspolitik fordert. Auch die übrigen bürgerlichen Parteien sind Hardliner und die Sozialdemokraten haben sich ebenfalls dazugesellt.

Der Wähler braucht also nicht mehr die Dänische Volkspartei. Er bekommt DF-Light bei einigen anderen Parteien und und das kombiniert mit Politik unterschiedlichster Färbung.

Das ist eine harte Nuss, die es für Kristian Thulesen Dahl und Co. zu knacken gibt. Vor allem, weil die Partei schon in Bestbesetzung aufgelaufen ist und es keine Alternativen innerhalb der Partei gibt. Auch politisch kann sich die Dänische Volkspartei nicht mehr neu erfinden – es sei denn, sie sucht auf der anderen Seite bei den Sozialdemokraten und Mette Frederiksen Einfluss.

Die kokettierte zwar mit DF, aber die Sozialdemokraten sind schon längst über alle Berge und haben nach der Wahl inzwischen ganz andere Pläne – nämlich ohne das politische „Enfant Terrible“ Dansk Folkeparti.

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