Leitartikel

„Los mit Lose“

Los mit Lose

Los mit Lose

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Apenrade/Aabenraa
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Bei der Regionswahl, die am Dienstag zeitgleich mit der Kommunalwahl abgehalten wird, darf sich die jetzige Regionsratsvorsitzende in Süddänemark, Stephanie Lose, gute Chancen ausrechnen, meint Seniorkorrespondent Siegfried Matlok.

Bei den vielen Wahlplakaten muss man schon Adleraugen haben, um auch mal das Bild eines Kandidaten (w/m) für die Regionswahl am kommenden Dienstag zu erblicken. Die Regionsvorsitzende Stephanie Lose gehört zu den Ausnahmen  – auch mit einem moderneren Make-up im Vergleich  zu 2017.

Nicht weniger als 18 Parteien und 246 Kandidaten bewerben sich unter den 950.000 Wahlberechtigten um die 41 Sitze im Regionshaus in Vejle für ein Parlament, das natürlich weniger bekannt ist als etwa das Folketing und der jeweilige Stadtrat. Würde man am Dienstag die Wahlen getrennt durchführen, wäre mit Sicherheit die Wahlbeteiligung an der Regionswahl viel, viel niedriger als zur Kommunalwahl, aber was durchaus als Beweis für mangelnde demokratische Legitimation angesehen werden kann, ist durch die sachliche Arbeit der Regionen seit der Kommunalreform 2007 um ein gutes Stück widerlegt worden – jedenfalls in den vergangenen Jahren.

Unmittelbar nach der Kommunalreform gab es Stimmen, dass die Regionen wohl nicht mehr als eine Legislaturperiode überleben würden, doch heute sieht die politische Landschaft ganz anders aus. Der ehemalige Venstre-Staatsminister Lars Løkke Rasmussen ist zwar noch immer derjenige, der sich deutlich für eine Abschaffung der Regionen ausspricht, aber seine ehemalige Mutter-Partei Venstre hat sich inzwischen mit den Regionen versöhnt und kann mit ihnen jetzt gut leben. Wohl nicht ganz zufällig, denn die Regionsvorsitzende in Süddänemark, Stephanie Lose, ist inzwischen auch stellvertretende Landesvorsitzende von Venstre geworden, und die Region bietet der 38-Jährigen damit eine Plattform, die auch mittelfristig höhere Karrieresprünge ermöglicht.

Beim  Abgang von Carl Holst im Juni 2015 war sie noch recht unauffällig, doch ihre große Kompetenz hatte sich bereits herumgesprochen, und die aus Lügumkloster stammende und mit Familie in Esbjerg lebende Lose hat sich längst über Vejle hinaus einen Namen gemacht. Nicht zuletzt auch landesweit, als sie überraschend gleich den Chefposten im Verband der Regionen anstrebte – und dann noch überraschender gewann. Schon bei der jüngsten Wahl bewies sie populäre Zugkraft: Von den 191.535 Stimmen für Venstre entfielen 89.583 persönlich auf Lose, und wenn nicht alles täuscht, dann wird ihr am Dienstag sogar ein neuer persönlicher Rekord gelingen. 

Sie sitzt fest im Sattel:  Bisher hat Venstre stets unter eigener Führung „große Koalitionen“ mit den Sozialdemokraten abgeschlossen, wobei sich der sozialdemokratische Spitzenkandidat Poul-Erik Svendsen stets mit guten Posten für sich und seine Partei begnügte, also nie den echten Herausforderer  spielte. Er tritt nun nicht mehr an, stattdessen versucht es die Sozialdemokratie nun auch mit einer Frau auf Platz eins: Mette With Hagensen (cand. merc.) unterrichtet im Rybners Gymnasium in Esbjerg. Sie fordert vor allem ein besseres, gerechteres Gesundheitswesen für die Bürger der Region, doch der 52-Jährigen werden kaum Chancen auf einen Machtwechsel in Vejle eingeräumt, denn dazu scheint die jüngere Lose einfach zu stark, zumal sie die Region nicht nur menschlich, sondern auch politisch gut im Griff hat, besonders im lebenswichtigen Bereich Krankenhäuser. 

Dass die Region Süddänemark ihre Existenzberechtigung bewiesen hat, unterstrich kürzlich in einem gelungenen „TV-Syd“-Wahl-Interview auch Danfoss-Chef Jørgen Mads Clausen, der darauf hinwies, dass Nordschleswig durch die Region und durch die damit verbundene politische Zusammengehörigkeit mit Fünen große Vorteile zu verzeichnen hat. Nicht zuletzt verwies er auf das Roboter-Zentrum in Odense, dem er Weltklasse mit Potenzial bescheinigte – natürlich auch im Hinblick auf sein Lieblingskind, eine feste Verbindung zwischen Alsen und Fünen. Aber Visionär Clausen sieht auch strategische Entwicklungsmöglichkeiten in einer Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein und (s)einem Projekt, das sowohl Lose als auch Ministerpräsident Daniel Günther fördern wollen. 

Die deutschen Nordschleswiger konnten 2017 erstmalig bei einer Regionswahl auch für die Liste S stimmen. 5.202 votierten für die Schleswigsche Partei – davon 742 außerhalb Nordschleswigs –, aber das Debüt über die Königsau, von Krusau bis Spodsbjerg auf Langeland, hat  die Verantwortlichen in der SP nicht von einer Wiederholung überzeugen können, und deshalb sind natürlich diese rund 5.000 Stimmen bei der Regionswahl am Dienstag auf dem freien Markt. 

Vielleicht winkt jetzt „das große Los mit Lose“.  

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