Leitartikel

Das Gute im Schlechten

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Anna Mee Allerslev, zieht sich aus dem politischen Geschäft zurück. Foto: Scanpix

Die Bürgermeisterin für Integration und Beschäftigung der Kommune Kopenhagen, Anna Mee Allerslev, hat, so die Vorwürfe, ihre politische Position in mehreren Fällen genutzt, um sich oder Bekannten (private) Vorteile zu verschaffen. Allerslev hat es in mehreren Fällen an politischem Gespür fehlen lassen und die Lawine, die sie schließlich umwarf, selbst ausgelöst, meint Cornelius von Tiedemann.

Die Bürgermeisterin für Integration und Beschäftigung der Kommune Kopenhagen, Anna Mee Allerslev, zieht sich aus dem politischen Geschäft zurück. Es ist schade, dass eine vielversprechende politische Laufbahn so (vorerst) endet. Doch es ist auch gut so.

Was war passiert? So weit wir bisher wissen, nichts Gesetzeswidriges. Allerslev hat, so die Vorwürfe, ihre politische Position in mehreren Fällen genutzt, um sich oder Bekannten (private) Vorteile zu verschaffen. Mehrfach geriet sie so in die Schlagzeilen. Immer wieder betonte sie, dass sie sich an die Spielregeln gehalten habe.

Sie zahlte gar die 65.000 Kronen für die Miete eines Rathaussaales zurück, der ihr zur kostenlosen Nutzung zustand. Sie räumte ein, dass Volksvertreter keine Vorzugsrechte haben sollten. Doch der Zug war schon abgefahren. Journalisten hatten sich in die Materie Allerslev vergraben und brachten immer neue Sachverhalte ans Tageslicht – die für sich genommen alles andere als Skandale waren. Politische Gegner und persönliche Rivalen – auch und vor allem aus der eigenen Partei – halfen bereitwillig, Allerslev zu demontieren. Korrupt, eine Lügnerin, intrigant, ohne Gespür – die Vorwürfe häuften sich.

Oft sagen solche Tiraden mehr über den Zustand und die internen Befindlichkeiten einer Organisation aus – in diesem Falle der Lokalverband der Radikalen – als über die Person, über die sie gesagt werden. Und dass sich Politiker auch für die Belange von Freunden und Bekannten einsetzen, ist politischer Alltag. Faktisch kann jeder zu einem Politiker seines Vertrauens gehen und ihn darum bitten, sich einer Sache einmal anzunehmen, etwas zu überprüfen oder in die Wege zu leiten.

Dennoch ist es gut, dass in Dänemark so allergisch darauf reagiert wird, wenn etwas nach Vorteilsnahme, Befangenheit, Korruption riecht. Und es ist gut, dass Allerslev respektiert, dass jemand, den ein Ruf der Urteilsschwäche oder gar Bestechlichkeit umgibt, in Dänemark kein öffentliches Amt ausüben sollte. Allerslev hat es in mehreren Fällen an politischem Gespür fehlen lassen und die Lawine, die sie schließlich umwarf, selbst ausgelöst. Anders als andere Politiker, denen ähnliches passiert ist, hat sie sich jedoch nicht in Widersprüche verwickelt, versucht, Dinge zu vertuschen oder auszusitzen. Deswegen ist es gut, dass sie geht.

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