Leitartikel

„Aachen und Nordschleswig “

„Aachen und Nordschleswig “

„Aachen und Nordschleswig “

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Apenrade/Aabenraa
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Dänemark wird sich durch den „Aachener Vertrag“ auch europapolitisch neu positionieren müssen, wenn man den Abstand zum sogenannten Kern verringern will, meint Siegfried Matlok.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit hat mit dem Élysée-Vertrag von 1963, damals mit der historischen Umarmung zwischen General de Gaulle und Konrad Adenauer besiegelt, wesentlich zur Versöhnung zwischen den alten Erbfeinden Deutschland und Frankreich beigetragen und damit auch der damaligen EWG neue Friedens-Stabilität nach innen und außen gesichert.

Die Regierungen in Berlin und Paris wollen nun einen weiteren Schritt in eine gemeinsame Zukunft wagen, der EU-Europa nach ihrem Willen noch zukunftsfähiger und souveräner machen soll. Dieser Vertrag heißt „Aachener Vertrag“ und soll am 22. Januar von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterzeichnet werden. Darin sind wichtige neue Weichenstellungen für beide Länder, aber auch für Europa 2019 und darüber hinaus enthalten. Der deutsch-französische Motor soll – ohne Diesel – Fahrt aufnehmen, eine starke gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik aber auch einen Wirtschaftsraum mit gemeinsamem Regeln bewirken. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der neue Vertrag „auch mit den EU-Partnern abgestimmt worden ist“, hieß es dazu in Berlin.

Mit anderen Worten dürfte danach auch die dänische Regierung vorab über diesen neuen deutsch-französischen Vorstoß einer bi- und multilateralen Weiterentwicklung unterrichtet worden sein. Das hat natürlich in erster Linie außen-und sicherheitspolitische Konsequenzen. Wird jedoch auch für die künftige Europa-Politik von großer Bedeutung sein, denn auch aus Kopenhagener Sicht ist ein harmonisches deutsch-französisches Paarlaufen vorteilhafter als wenn jeder für sich eine eigene Kür läuft und dabei stürzt.

Was das für Dänemark an konkreten Folgen haben wird, bleibt abzuwarten. Aber Dänemark wird sich dadurch auch europapolitisch neu positionieren müssen, wenn man den Abstand zum sogenannten Kern verringern will.
Interessant für uns im deutsch-dänischen Grenzland ist die Tatsache, dass dieser Aachener Vertrag nicht nur die hohe Politik betrifft, sondern gerade auch für die Menschen in den Grenzregionen beider Länder Verbesserungen bringen soll.

Neben der Ankündigung, die jeweiligen Kulturinstitute im Ausland schrittweise zu integrieren und die gegenseitige Sprachförderung zu verstärken, sind Sonderregelungen vorgesehen, die das Leben in den Grenzregionen erleichtern sollen. So sind grenzüberschreitende Projekte wie gemeinsame Kindertagesstätten, Gesundheitseinrichtungen, Gewerbezonen und der Abbau von Hindernissen bei der Wirtschaftszusammenarbeit geplant. Ebenso wie betont wird, dass Straßen, Eisenbahnen und digitale Netze besser miteinander verknüpft werden sollen.

So ein Ding müssen wir auch haben, wird sich da mancher denken. Auch wenn die Rahmenbedingungen im deutsch-dänischen Grenzland gewiss nicht im Verhältnis 1:1 auf das deutsch-französische Grenzland übertragbar sind, so wäre es wünschenswert, wenn im Hinblick auf 2020 von deutscher und dänischer Seite geprüft wird, ob aus diesem deutsch-französischen Geist etwas „mitgenommen“ werden kann. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 brauchen nicht neu geschrieben zu werden.

Aber eine neue gemeinsame Grenzland-Erklärung 2020 wäre zu begrüßen – vor allem mit konkreten Zusagen, das Leben für die Menschen, also für die Mehrheiten und Minderheiten auf beiden Seiten, in diesem Grenzland noch zukunftsfähiger zu machen. Nicht nur bei Aachener Süßigkeiten wie Aachener Printen könnte man doch in Nordschleswig auf den Geschmack kommen.

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