Kulturkommentar

„Wie der HSV“

Wie der HSV

Wie der HSV

Uffe Iwersen
Uffe Iwersen
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Das Programm des Kabaretts des Heimatmuseums war leider nicht erstligareif, schreibt Kulturkonsulent Uffe Iwersen in seinem Kulturkommentar. Ähnlich wie der Hamburger Sportverein nutzte die Truppe die vielen Chancen nicht. Dennoch sollten Interessierte zu den Spielen gehen.

So viel Potenzial, so viel Spielfreude, so viel Kompetenz, so viel Erfahrung, so viel Engagement, so viele Chancen – dennoch hängt der Hamburger Sportverein seit Jahren in der 2. Bundesliga fest. Die zweithöchste Spielklasse, aber halt nicht die höchste. Immer kurz vorm Wiederaufstieg, aber halt nur fast.

Als HSV-Fan sehe ich leider erschreckende Parallelen zu unserem Minderheitenkabarett. Der Titel des diesjährigen Kabarettprogramms des Heimatmuseums – „Freizeitpark Nordschleswig” – schürt viel Hoffnung auf ein Feuerwerk an relevanten und zu kritisierenden Themen. Das blinkende Schild mit dem Titel auf der Bühne macht Vorfreude auf knallhartes Minderheitenkabarett. Und ja, furios fängt es auch an mit einem Programmpunkt, der zum Titel passt und das viel bestimmende Thema Zuzüglerfamilien von drüben aus Deutschland thematisiert. Auf den Punkt gebracht.

Doch wie beim HSV sinkt dann – auf ganz unerklärliche Weise – das inhaltliche Niveau. Nur noch selten sind im Spielverlauf gelungene Höhepunkte – wie etwa das Thema Parkscheibe oder die Hauptvorsitzendennachfolge – zu erleben. Aber gerade das Thema Hauptvorsitz hätte ein ganzes Kabarettprogramm bestimmen können – mit all seinen Facetten. Aber die Chance wurde nicht genutzt, und das Kabarett verlor sich in viel Kleinklein ohne Zusammenhang und Spielfluss. Aus dem Freizeitpark Nordschleswig wurde ein stillgelegtes Sommerland Syd.

Am Ende des Spiels saß ich da und grübelte – und suchte nach Gründen. Natürlich war das Programm auch unterhaltend. Natürlich wurde im Saal gelacht und applaudiert. Natürlich wurden ab und an relevante Themen angeschnitten. Natürlich war das Team aufgrund eines Personalausfalls gehandicapt. Natürlich war die Gruppe an und sich zufrieden. Aber dennoch war das Programm leider nicht erstligareif – die vielen Chancen wurden nicht genutzt, und die Kontinuität fehlte. Ein höhepunktarmes 0:0.

Aber wie beim HSV hoffe ich jedes Jahr aufs Neue auf einen Aufstieg – und ich bin und bleibe Fan. Ich wünsche es meinem Verein, unserem Kabarett und unserer Minderheit sowieso. Doch trotz Enttäuschung sind die Spiele des HSV meist ausverkauft, und daher sollte man auch zu den Aufführungen unseres Kabaretts nach Tondern (31. Januar) und Sonderburg (9. Februar) pilgern und die Arenen füllen.

Mehr lesen

Leitartikel

Marle Liebelt Portraitfoto
Marle Liebelt Hauptredaktion
„Sexismus in der Minderheit: Menschen wie Maike Minor brauchen Rückhalt“

Kulturkommentar

Claudia Knauer
Claudia Knauer
„Zwischen onboarding und claims“