Kulturkommentar

„Wer im Glashaus sitzt… “

Lasse Tästensen
Apenrade/Aabenraa
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Lasse Tästensen, Vereinskonsulent beim Deutschen Jugendverband für Nordschleswig, denkt in seinem Kulturkommentar über die guten Seiten nach, die das Steinewerfen im Glashaus mit sich bringen könnten.

Es heißt so schön „Wer im Glashaus sitzt – sollte nicht mit Steinen werfen”. Aber warum eigentlich nicht? Viele würden das Offensichtliche sehen und antworten – das ist doch klar, dann gehen die Scheiben doch kaputt!

Aber wäre es nicht mal interessant, das Wortspiel aus einer anderen Perspektive zu betrachten? Fügt man den Spruch „Lasst uns über den Tellerrand schauen“ hinzu, könnten die zerbrochenen Scheiben doch genau diesen Ausblick ermöglichen? Die Ideen könnten womöglich das Glashaus verlassen und außerhalb des Glashauses Synergien mit der Mitwelt schaffen.

Kritik ist also nicht per se negativ, sondern kann einen Fortschritt bringen, sofern die Kritik konstruktiver Natur ist. Wir sollten auch in der Minderheit offen dafür sein, konstruktive Kritik zu äußern, die einen nachhaltigen Fortschritt zum Ziel hat. Auch wenn jeder Verband in einigen Bereichen im Glashaus sitzt und nicht alle Herausforderungen in eigenen Reihen gelöst hat.

Gemeinsam kommen wir weiter – dies gilt auch, wenn es stets darum geht, die Angebote und Inhalte der Minderheit attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten. Dabei ist es wichtig, auch mal den Blick über den Tellerrand zu wagen. Sich auf den Prüfstand zu bewegen, heißt auch, mal aus der Vogelperspektive die eigenen vier Wände anzuschauen und dabei nicht nur die größten Erfolge in den Vordergrund zu stellen, sondern eben auch offen und konstruktiv die Bereiche zu nennen, wo wir noch besser werden können.

Dass die deutsche Minderheit in Nordschleswig sich dies 2019 und 2020 vorgenommen hat, zeigt, dass sie sich traut, im Glashaus mit konstruktiven Steinen zu werfen. Es obliegt uns Verbänden, nun offen und ehrlich damit umzugehen und eben nicht nur darüber zu reden, was wir gut können.

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