Kulturkommentar

Vorbild Buchleser

Vorbild Buchleser

Vorbild Buchleser

Claudia Knauer /Büchereidirektorin/
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Jens Christian Top/Ritzau Scanpix

Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Das Lesen eines Buches muss mittlerweile offenbar ganz vorsichtig und in homöopathischen Dosen dem geneigten zukünftigen Leser nahegebracht werden. Am besten eingebettet in richtig coole Events wie eine Buchvorstellung auf einem Flugzeugträger, eine Lesung unter Wasser mit Atemgerät oder umgeben von Wasserpfeifen auf dem Wasserbett. Der Fantasie sind da offenbar keine Grenzen gesetzt.

Zumindest scheint die Gesellschaft für Konsumforschung dieser Ansicht zu sein. Sie wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels beauftragt, eine Strategie zu entwickeln, dem stetig steigenden Leserverlust zu begegnen. Noch werden zwar viele Bücher verkauft, aber von der Gruppe der Übersechzigjährigen – die noch mit dem Medium aus Papier aufgewachsen sind, in dem man blättern und nicht wischen muss. Was, wenn diese Menschen nicht mehr lesen, einfach weil sie nicht mehr da sind? Wo bleibt der Nachwuchs? Denn die nachfolgenden Generationen wischen, scrollen, chatten und posten. Aber ein ganzes Buch lesen? Von vorne bis hinten?

Das klingt ganz unmodern. Wir können uns doch hier ein Häppchen Inhalt gönnen und da ein bisschen Infotainment abgreifen und uns die Welt zurechtbasteln, wie wir wollen oder besser: der Algorithmus will. Aber so einfach ist das nicht, wenn wir die Probleme der Zukunft lösen wollen. Denn die werden – auch wenn die Populisten uns anderes einreden wollen – komplexer und nicht einfacher. Wer sich ihnen stellt, muss – wie der Däne so sagen würde – in langen Bahnen denken. Lesen fördert das. Lesen ist die Grundlage. Lesen regt die Fantasie an. Lesen hilft, Problemlösungen zu finden.

Deshalb ist Leseförderung – in der Schule und unseren Bibliotheken – so grandios wichtig. Weg mit Wasserpfeife und Weinprobe – her mit spannenden Büchern und Vorbildern, die sich nicht mit dem Handy, sondern dem Buch in der Hand ablichten lassen. Stell dir ein Folketing oder einen Bundestag vor, in dem die Abgeordneten alle ins Buch und nicht auf den Schirm starren!

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