Kulturkommentar

„Sichtbar werden“

Sichtbar werden

Sichtbar werden

Claudia Knauer
Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
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Wir brauchen viel mehr Menschen in diesen dunklen Tagen, die sichtbar werden, schreibt Büchereidirektorin Claudia Knauer in ihrem aktuellen Kulturkommentar.

Kürzlich an der Kreuzung Lügumklostervej/Haderslevvej – dass ich die beiden Fußgänger nicht überfahren habe, war reines Glück. Später im Jürgensgaard – schierer Zufall, dass ich den Radfahrer nicht erwischt habe, dabei fahre ich doch ganz konzentriert. Aber Schwarz vor Schwarz zu erkennen, stellt auch ganz scharfe Augen vor Probleme.

Die Menschen auf dem Land, die mit dem Hund Gassi gehen, haben eine Warnweste an, eine Stirnlampe auf dem Kopf und der Vierbeiner ist mit einem blinkenden Leuchthalsband ausgestattet, dass man nur hoffen kann, dass es bei dem Tier keinen epileptischen Anfall hervorruft. Sie wissen, wie man sichtbar wird.

Es wäre fein, wenn sich das auch die Menschen in den Städten zu Herzen nehmen könnten. Wer keine Reflektoren hat – die SP hat bestimmt noch einige liegen.

Aber es gibt noch andere Arten der Sichtbarmachung oder des Sichtbarseins. Wer Deutsch spricht, weil er oder sie einen anderen Menschen aus der Minderheit trifft, macht die deutsche Minderheit sichtbar – ok. Hier wäre eher von hörbar zu sprechen.

Wer seine Kippa trägt, macht erkenntlich, dass er jüdischen Glaubens ist. Ein Sichtbarmachen, das heute gefährlich sein kann. Das ist ein unerträglicher und untragbarer Zustand. Sich sichtbar und gerne hörbar an die Seite von Menschen stellen, die deshalb oder weil sie andere Symbole für eine Geisteshaltung oder Orientierung, die unseren demokratischen Werten nicht zuwiderlaufen, erkennbar tragen, angefeindet werden – davon kann es gar nicht genug geben.

Wir brauchen viel mehr Menschen in diesen dunklen Tagen, die sichtbar werden, weil sie den Mund aufmachen und für unsere Werte einstehen. Mit einem Reflektor anzufangen, wäre schon ein guter Ansatz. Dann darf gerne mehr folgen.

Die in diesem Kulturkommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.

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