Kulturkommentar

Perspektivwechsel

Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
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Foto: dpa/(Symbolfoto)

Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Heute schon geärgert? Über den Autofahrer, der partout nicht schnell anfuhr, als die Ampel grün wurde? Über die alte Dame an der Kasse, die ausgerechnet zur Haupteinkaufszeit ihre Cents zählte, um genau passend zu bezahlen? Über das Kind, das im Garten so laut und ausgiebig auf dem Trampolin sprang, dass Mozarts Sonaten übertönt wurden?

Es gibt viele Gründe, sich jeden Tag zu ärgern. Man kann es genauso gut aber auch lassen. Keiner zwingt uns dazu, unsere Energie sinnlos mit Ärgern zu verschwenden. Man sollte viel lieber seine Fantasie nutzen und die Perspektive wechseln. Was für den einen eine 6 ist, ist für den anderen vielleicht eine 9. Und beide haben recht.

Vielleicht war der Autofahrer in einen wunderbaren Traum vom sanften Abschiedskuss der Liebsten am Morgen an der Tür versunken. Vielleicht suchte die alte Dame vor allem Kontakt und weniger das Päckchen Butter, als sie im Supermarkt stand. Vermutlich strotz-te das Kind vor Lebensfreude und Glück, auf dem Trampolin in den Himmel fliegen zu können. Mozart lässt sich auch später hören.

Wie oft sind wir selbst der Unkultur anheimgefallen, zu langsam, zu schnell, zu laut zu sein? Nur – wenn wir es tun, ist es in Ordnung. Bei anderen nicht? So funktioniert gelingendes Zusammenleben nicht – nicht auf der politischen Ebene, nicht auf der gesellschaftlich-kulturellen und nicht auf der menschlichen.

Deshalb: Sich einfach mal umdrehen, sich auf den Boden legen, auf einen Stuhl steigen – zumindest gedanklich und die Sache aus einer anderen Perspektive betrachten.

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