Kulturkommentar

„Papierbücher lesen und Fernsehen schauen – Der Umwelt zuliebe“

Papierbücher lesen und Fernsehen schauen – Der Umwelt zuliebe

Papierbücher lesen, Fernsehen schauen – Der Umwelt zuliebe

Claudia Knauer, Büchereidirektorin
Apenrade/Aabenraa
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Mehr Technik, mehr digitales Leben, mehr Stromverbrauch – Claudia Knauer sieht dies in ihrem Kulturkommentar angesichts der Klimakonferenz in Glasgow kritisch. Doch wir können etwas tun, meint sie.

Cop26 in Glasgow geht gerade zu Ende und die Chance, dass die Welt nicht einem Überhitzungsschlag entgegen taumelt, ist nicht gerade riesengroß. Zu viele Länder haben zu viele eigene Interessen hinter denen nicht selten große Konzerne stehen, die ihre eigene Tagesordnung haben. Und die ist es in der Regel nicht, weniger zu verdienen und die Umwelt nachhaltig zu schützen. In Deutschland ist es die Autoindustrie, in Australien Kohle und in Brasilien ein machthungriger Präsident, der nur ein Ziel kennt: sich selbst und seine Kumpane.

Schlimm genug und was sollen wir als kleine Bürger denn da noch tun? Wir trennen eifrig Müll, radeln zur Arbeit und essen weniger Fleisch. Das ist gut. Aber wir können, ganz einfach, noch viel mehr.

Das Streaming von Filmen via Netflix, Amazon, HBO und Co. kostet enorme Mengen von Strom. Das treibt den Energieverbrauch rasant in die Höhe: Etwa 80 Prozent des Stromverbrauchs des Internets wird mittlerweile allein durch Video-Streaming verursacht. Denn die Daten kommen nicht aus der Cloud, sie sind nicht irgendwo imaginär im Himmel gespeichert, sondern in Rechenzentren, die enorme Mengen von Strom brauchen – um die Speichermedien zu bedienen und um sie zu kühlen. „Frankfurt zum Beispiel ist der größte Internetknoten weltweit. Und jedes dieser Rechenzentren hat einen Stromverbrauch einer Kleinstadt. Sie machen zusammen 25 Prozent des Stromverbrauchs der Stadt Frankfurt aus”, berichtet der Deutschlandfunk.

Stromkosten verursacht auch das Streamen von Musik und das Lesen von E-Büchern. Das soll damit nicht verboten werden – auf keinen Fall. Aber oft genug gibt es doch die stromsparende Alternative: CDs auflegen – die verbrauchen für Herstellung, Transport und Verkauft weniger als gestreamte Angebote – oder das Buch aus dem Schrank oder der Bücherei nehmen und einfach auf Papierseiten lesen (ist auch besser fürs Gehirn und die Merkfähigkeit, aber das nur am Rande) oder auch – mittlerweile offenbar eine vollkommen irre Idee – den Film schauen, wenn er im Fernsehen gezeigt wird. Dazu der Deutschlandfunk: „Wenn zehn Millionen Menschen einen Film im Fernsehen schauen, löst das nur eine einzige Ausstrahlung aus. Wenn aber zehn Millionen Menschen einen Film streamen, löst das auch zehn Millionen Übertragungen aus. Das verursacht also einen massiv höheren Stromverbrauch.”

Bis wir unseren Strom komplett aus nachhaltiger Energie beziehen – und Dänemark ist da auf einem richtig guten Weg – sollten wir über solche eigenen Beiträge zum Klimaschutz nachdenken.

Und mehr Druck machen als Verbraucher, damit die nächste Generation Computer, die vor allem für Gamer interessant sind, nicht Stromfressermonster werden. Wenn allein die Grafikkarte zwei Stromanschlüsse braucht, dann läuft etwas ganz verkehrt. Vor ein paar Jahren war es für die Soft- und Hardwareentwickler eine Frage der Ehre, komprimiert und stromsparend zu arbeiten. Wo ist dieser Ehrgeiz hin? Mehrverbrauch können wir uns nicht leisten.

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