Kulturkommentar

„Meinen Fußball liebe ich sehr“

Meinen Fußball liebe ich sehr

Meinen Fußball liebe ich sehr

Uffe Iwersen
Apenrade/Aabenraa
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Ein Kulturkommentar über Fußball von Uffe Iwersen, Kulturkonsulent des Bundes Deutscher Nordschleswiger.

Ich könnte in diesem Kulturkommentar über so viele Corona-Themen schreiben: Das x-te Grenzschließungsschicksal, Entzugserscheinungen wegen fehlender Kultur, nervige Nörgelmentalität, unkritisches und dummes Teilen/Kommentieren von Social-Media-Inhalten, der aufkommende Egoismus in solchen Zeiten usw. Ich konzentriere mich jedoch auf etwas wirklich Positives: Fußball.

Der Spielbetrieb der 1. und 2. Bundesliga läuft, und in Dänemark geht es auch bald los. Ganz unabhängig davon, dass der Profifußball in so vielen Belangen aufgrund der immer perverser werdenden Kommerzialisierung durch und durch krank ist, ist es einfach schön, wieder Fußballspiele im TV gucken zu können und sich als HSV-Fan fast bis zum Herzinfarkt aufzuregen. Wie habe ich dieses Gefühl vermisst.

Kritiker sagen, Fußballspiele ohne Zuschauer sind wertlos. Kritiker sagen, die Saison läuft nur weiter, um das kranke System Profifußball zu retten. Kritiker sagen, der Spielbetrieb ist ein hochriskanter Auslöser neuer Infektionsketten. Mag alles sein – oder auch nicht.

Viel wichtiger in der ganzen Diskussion um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist jedoch ein Aspekt, dem kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird – dem sportlichen Wettstreit: Elf gegen Elf, 90 Minuten + schreckliche Nachspielzeit, Leidenschaft, Fouls, Fehlentscheidungen, Fehlpässe, Tore, Schwalben, Verlierer, Meister, AGF als Pokalsieger, Bremen als Absteiger, HSV als Aufsteiger.

Wenn es gelingt, sich die letzten Spieltage auf den sportlichen Kern zu konzentrieren, können sich kommende Saison alle Teams und Fans ehrlich in die Augen schauen und sich vor vollen Rängen und mit einem hoffentlich gesünderen Profifußball wieder der schönsten Nebensache der Welt widmen. Hierfür lohnt es sich, die Saisons fertig zuspielen.

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