Kulturkommentar

„Konflikte für den guten Zweck“

Konflikte für den guten Zweck

Konflikte für den guten Zweck

Uffe Iwersen
Ulf-Mikael Iwersen Kulturkonsulent Bund Deutscher Nordschleswiger
Apenrade/Aabenraa
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Ulf-Mikael Iwersen vermisst mehr Wettkampf und Rivalität im Grenzland. Er meint: Vielleicht fühlen wir uns etwas zu wohl.

Ich liebe Wettkampf und Rivalität. Denn ein Gegeneinander ist nicht immer gleich auch etwas Negatives. In der Geschichte unserer Region haben wir viele nationale Auseinandersetzungen und Gegensätze erlebt, die zu Krieg und Elend geführt haben. Die nationalen Gegensätze haben jedoch auch dazu geführt, dass man sich für eine nationale Identität entschieden hat bzw. entscheiden musste.

Diese Verhältnisse haben wir heutzutage im deutsch-dänischen Grenzland zum Glück nicht mehr, da sich unsere Region fast vorbildmäßig zu einem Mit- und Füreinander entwickelt hat. Was jedoch dabei gelitten hat, ist die klassische Minderheitenidentität, die sich verändert, aber auch abgenommen hat. Dies stellt auch für unsere Minderheit ein Problem dar. Denn unsere Minderheitenidentität wird schon lange nicht mehr selbstverständlich weitervererbt und steckt vor allem auch in keiner DNA.

Im Grenzland läuft auf vielen Ebenen vieles richtig – insbesondere im Kulturbereich: die Kulturvereinbarung Sønderjylland-Schleswig, gemeinsame Projekte der Grenzlandminderheiten, KursKultur-Projekte usw. Alles Maßnahmen, die zur friedlichen Koexistenz bei uns beitragen. Aber vielleicht brauchen wir wieder etwas mehr Konflikt und Rivalität im Grenzland. Vielleicht fühlen wir uns etwas zu wohl. Vielleicht könnten Gegensätze einigen die Augen öffnen. Raus aus der Wohlfühloase, rauf aufs Schlachtfeld – aber auf das sportlich faire und positive Schlachtfeld.

Oxford vs. Cambridge, Bobby Fischer vs. Boris Spassky, Finnland vs. Schweden. Viele haben es uns vorgemacht. Das Grenzland bräuchte in den Bereichen Sport und Kultur auch Duelle und Wettkämpfe – ausnahmsweise mal nicht miteinander, sondern gegeneinander. Minderheiten gegen Minderheiten. Mehrheit gegen Mehrheit. Alle gegen alle. Dann weiß man, wofür man kämpft. Dann weiß man, wer man ist und woher man kommt.

Identitätsstiftende Rivalität, aber mit einem gesunden Geschichtsbewusstsein im Hinterkopf. Denn in der dritten Halbzeit eines Wettkampfes sollte es dann wieder zum Mit- und Füreinander zwischen den Kontrahenten kommen.

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