Kulturkommentar

„Kitsch und Kunst“

Kitsch und Kunst

Kitsch und Kunst

Claudia Knauer
Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
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Was Kunst ist und was nicht dazu gehört ist eine Frage, die nicht so eindeutig beantwortet werden kann. Doch noch wichtiger ist nach Meinung von Claudia Knauer, dass wir auch dem Kitsch einen Raum geben. Denn ob etwas nun Kunst oder Kitsch ist, so messen wir dem betroffenen Gegenstand einen inneren Wert bei.

Die Frage, was Kunst ist oder ob das weg kann, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten. Dass J.M.W. Turners Werke, die noch bis Anfang März im Aarhuser Aros zu sehen sind, zur Kunst gehören, dürfte unstrittig sein. Bei moderner Kunst, bei Installationen, Land Art oder der berühmten Fettecke von Joseph Beuys, die einfach weggeputzt wurde, kann das schwieriger sein. Hier sind Interpretationen und Erklärungen durchaus manchmal hilfreich. Einen eindeutigen Maßstab gibt es nicht – auch die Preise, für die so manches Werk den Besitzer wechselt, können nicht immer Klarheit schaffen.

Aber wir brauchen nicht nur Kunst um uns herum, sondern sollten uns ab und an auch das andere K leisten – den Kitsch. Ganz ehrlich, wer von uns hat nicht irgendwo etwas stehen oder hängen, was es definitiv nicht in die Kategorie Kunst schaffen wird und auch gar nicht muss. Am Kitsch hängt das Herz und wie wir wissen, geht Liebe ja nicht immer den geraden Weg oder ist erklärbar.

Wer also eine Schneekugel mit Sissi-Antlitz aus Wien mitbringt, den röhrenden Hirsch im Sonnenuntergang auf dem Treppenaufgang hängen hat oder einen Gartenzwerg hinter der Hecke versteckt – wir alle brauchen diese Kleinigkeiten, die uns ganz persönlich etwas bedeuten. Andere mögen sie für Geschmacksverirrungen halten, für sentimental, künstlerisch minderwertig, womöglich sogar peinlich.

Das macht nichts, denn der innere Wert des röhrenden Hirsches bleibt den anderen ja verborgen. Gut, damit wird man bei Sothebys keine Rekordpreise erzielen, es sei denn der Sonnenuntergang wurde über einen echten Picasso gepinselt, aber das passiert eher selten. Doch ein bisschen Gefühl, eine Erinnerungswärme wird dem Werk innewohnen, und das ist in diesen kühlen Zeiten nicht zu unterschätzen. Wer über ein gewisses Maß an Kitsch die Nase rümpft, dem wird etwas fehlen. Der ist zu bedauern.

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