Kulturkommentar

„Home sweet Homeoffice“

Home sweet Homeoffice

Home sweet Homeoffice

Flensburg/Apenrade
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Wenn aus einer kleinen Wohnung ein Büro wird, bietet das sowohl Vor- als auch Nachteile, findet Journalistin Kerrin Jens.

Als wir Ende September das zweite Mal in diesem Jahr ins Homeoffice geschickt wurden, vertraute ich darauf, dass dies eine „vorübergehende“ Maßnahme von zwei Wochen war. Als die Regierung diese Empfehlung wieder und wieder verlängerte, wurde ich langsam skeptisch.

Vielleicht hätte ich meinen Büro-Kaktus doch mit nach Hause nehmen sollen. Meine Überlegung, ob es sich noch lohnen würde, eine Webcam zu ordern oder den Monitor aus dem Büro zu holen, wurden bestärkt, als die Regierung die Maßnahmen noch einmal auf Ende Februar verlängerte.

Nun sitze ich also wieder in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die ich lediglich zum Einkaufen verlasse. Plötzlich bin ich selbst der Kollege, der die angetrockneten Kaffeetassen auf die Spülmaschine stellt und sich wundert, dass keine sauberen Tassen mehr im Schrank stehen.

Aus einer 40 Kilometer langen Fahrt zur Arbeit ist ein Weg von fünf Schritten aus dem Schlafzimmer ins Arbeitszimmer geworden. Doch unter der kürzeren Anfahrt leidet auch die Kommunikation zwischen den Kollegen. Der Weg über den Flur in ein anderes Büro lässt sich nur schwer durch eine E-Mail oder eine kurze Nachricht ersetzen. Ein kleiner grüner Punkt, der mir signalisieren soll, ob meine Kollegin gerade „online“ ist, sagt wenig darüber aus, ob sie auch wirklich Zeit für mein Anliegen hat.

Auch die Mittagspause verbringe ich alleine in meiner „Kantine“ mit mittelmäßigem Essen, dafür schmeckt der Kaffee besser. Es fällt mir schwer, zwischen Arbeits- und Privatleben zu trennen, wenn sich mein gesamter Alltag auf 63 Quadratmetern abspielt. Aber dafür kann ich zwischen zwei Telefonaten schnell die Wäsche waschen. Und nach einem langen Arbeitstag muss ich nicht eine halbe Stunde nach Hause fahren, sondern kann mich Tür auf, Tür zu, auf mein Sofa fallen lassen.

Das Arbeiten im Homeoffice bietet für mich sowohl Vor- als auch Nachteile, aber eins steht fest: Zu Hause kann ich meine Kollegen nicht mit dem Coronavirus anstecken und sie mich auch nicht und das ist im Moment das Wichtigste.

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