Kulturkommentar

„Höflichkeit ist eine Zier …“

Höflichkeit ist eine Zier …

Höflichkeit ist eine Zier …

Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:

Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

… doch weiter kommt man ohne ihr“, heißt es so schön in einer Redewendung unserer Altvorderen. Diese Maxime nehmen sich offenbar immer mehr Menschen zu Herzen und schaffen ein Klima des Anraunzens, des Austeilens, aber nicht Einsteckenkönnens, des Beleidigens und Beleidigseins und das Ganze gerne unter der Überschrift „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“.

Nein, darf man nicht. Nicht immer und nicht überall. Das bedeutet kein Denk-, Rede- oder Meinungsverbot, sondern appelliert an das, was auch als Goldene Regel der praktischen Ethik bekannt ist: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ (Wer noch tiefer gehen will, bemüht Kants Kategorischen Imperativ: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“)

Immer bedeutet es, dass man an sein Handeln – und das Reden und Schreiben gehört dazu – ethische Maßstäbe anlegen muss. Verletze ich andere mit meinen Worten? Ja, das kann passieren. Es geschieht auch manches Mal unbeabsichtigt. Umso wichtiger, dass man seine Worte immer wieder selbst überprüft. Will ich so angeredet werden? Wenn nicht, dann lass es sein. Das gilt umso mehr für das Geschriebene. Womit wir bei der Kultur in den sozialen Medien wären. Es ist gar nichts Altmodisches daran, sich eines ordentlichen Ausdrucks zu bedienen (und wenn wir schon dabei sind: Eine vernünftige Rechtschreibung und Zeichensetzung wären auch sehr angenehm).

Erwachsene müssen dabei Vorbild sein – im Reden wie im Handeln. Leider hat sich das nicht zu allen Politikern, die immer auch als Rollenmodelle im Licht der Öffentlichkeit stehen, herumgesprochen. Nur weil man nicht bekommt, was man will, sollte man als erwachsener vernunftbegabter Mensch nicht Einladungen sausen lassen und die verbale Keule herausholen. Dann ärgert man sich im Stillen und redet weiter miteinander.

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