Kulturkommentar

„Eiszeit“

Eiszeit

Eiszeit

Nordschleswig
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Charlotte Hülser vom „Nordschleswiger" lebt grundsätzlich ein diszipliniertes Leben, doch gibt es eine Ausnahme.

Ich gehöre zu diesen Menschen, die immer und überall versuchen, äußerst diszipliniert vorzugehen: Ich gehe zeitig ins Bett, wenn ich am kommenden Tag früh aufstehen muss und schließe immer den Deckel der Zahnpasta-Tube.

Kommt es aber zum Essen, genauer zum Eisessen, stelle ich fest, dass ich von meinem hohen Disziplinpferd stürze und mich geradewegs in das Drei-oder-nein-doch-vier-Kugeln-Netz aus cremig-kühlem Genuss fallen lasse.

Es mag an meiner derzeitigen Verfassung liegen, denn immerhin werde ich in Kürze zum ersten Mal Mama (darauf schiebe ich es zumindest). Wenn ich allerdings ehrlich bin, dann ist Eis für mich das ganze Jahr lang ein Garant für Glückseligkeit.

Es beginnt beim Auswählen der Sorten im Eiscafé meines Vertrauens: Ob die Schokoladen-Vanille-Erdbeer-Klassiker, die „ausgefallenen“ Eisleckereien einschlägiger Süßigkeiten-Hersteller, oder das fruchtig-frische Sorbet. Wie soll man sich da für zwei Kugeln entscheiden? Oder noch schlimmer: Für eine Kugel? Einzig das in Dänemark so beliebte Lakritz-Eis führt mich nicht in Versuchung, sondern lässt mich eher an den sonst so feinfühligen Geschmacksnerven einiger meiner Mitmenschen zweifeln.

Jedenfalls: Unmöglich zu entscheiden, zumindest für mich. Es wird also eine bunte Mischung aus eben jenem altbekanntem (Schokolade ist ein Muss), ausgefallenerem (mein Nussnougat-Brotaufstrich als Eis? Ja, tak!) und fruchtig-frischem (Hmmm, Himbeer-Sorbet). Und, wenn der Sturz der Disziplin, je nach Tagesverfassung, in ein ganz tiefschwarzes Loch führt, noch eine letzte Jetzt-ist-es-auch-schon-egal-Kugel aus der fröhlich-bunten Auswahl des Eisverkäufers. Bezahlen – genießen!

Verteilt sich der kühl-cremig schmelzende Genuss verschiedenster Aromen dann in meinem Mund, empfinde ich wahre Glückseligkeit, und ich kann mir an den besonders schönen Tagen ein freudiges, inniges Glucksen nicht verkneifen.

Das kleine Feuerwerk im Mund macht süchtig, und ich könnte noch zwei Kugeln bestellen, käme da nicht das Disziplinpferd angaloppiert, um mich vor schlimmeren Eskapaden zu bewahren, die nachträglich wohl einen Zuckerschock und ein schlechtes Gewissen vom Feinsten bedeutet hätten. Zum Glück, gerade noch einmal Pferd, äääh, Schwein gehabt.

Eine eistechnische Frage hätte ich da aber dann doch noch, liebe Dänen: Muss Lakritz denn wirklich überall rein?

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