Kulturkommentar

„Einfach mal nichts tun“

„Einfach mal nichts tun“

„Einfach mal nichts tun“

Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:

Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Höher. Schneller. Weiter. Noch mehr in noch kürzerer Zeit. Wachstum um jeden Preis. Nicht wenig davon gehört zum Alltag von Arbeitnehmern, von Schülern, ja, sogar vor den Rentnern macht der ewige Wettlauf nicht halt, wie jeder weiß, der mal versucht hat, mit einem Pensionär einen Termin abzumachen. Wer nicht mithalten kann, wird gnadenlos niedergetrampelt. Nein, so schlimm ist es noch nicht, aber manchmal fühlt es sich so an. Wer nicht kann, wird ausgemustert. Diese Furcht treibt Kranke aus dem Bett und in die Schule und an den Arbeitsplatz.

Schluss damit. Keine Welt wird besser dadurch, dass alle mit hängender Zunge durch die Gegend hecheln, um noch das letzte bisschen Energie aus sich herauszupressen. Wir brauchen nicht noch mehr Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen oder der Altenpflege. Wir brauchen ein anderes Denken und andere Wertigkeiten. Menschen, nicht Zahlen müssen im Mittelpunkt stehen, es geht um den Patienten, nicht das Budget. Natürlich muss alles bezahlbar bleiben, natürlich muss gearbeitet werden, aber man kann Menschen nicht wie Zitronen auspressen und dann zum – wie ein ehemaliger deutscher Minister es so zynisch formulierte – „sozialverträglichen Frühableben“ wegwerfen.

Wir wollen lieber ein hohes Lied auf das Nichtstun singen. Und solange Politik und Wirtschaft nicht dafür sorgen, dass Arbeit und Freizeit besser ausbalanciert werden, so lange müssen wir selbst dafür sorgen. Also: Wochenenden und Abende zeitlich entrümpeln. Nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Lieber lesen (die Büchereien freuen sich) als Dauerklotzen. Lieber mal dem Gras beim Wachsen zuschauen, aber bloß nicht dran ziehen. Davon kommt es auch nicht schneller aus der Erde, sondern nur wenn es genug Wärme, Wasser und Zeit bekommt.

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