Kulturkommentar

„Das Ehrenamt der Ehre wegen“

Das Ehrenamt der Ehre wegen

Das Ehrenamt der Ehre wegen

Lasse Tästensen
Apenrade/Aabenraa
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Lasse Tästensen, Abteilungsleiter des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig, meint, dass kein hauptamtlicher Mitarbeiter das Engagement der Ehrenamtlichen in der Minderheit jemals ersetzen kann. Wenn es schwerer wird, Freiwillige zu finden, müsse mit der Zeit gegangen und sich auf neue Gegebenheiten eingestellt werden, sagt er.

Qua meines Berufes darf ich tagtäglich beobachten, welche Meisterleistungen auf lokaler Ebene von vielen ehrenamtlich engagierten Freiwilligen in Vereinen in der deutschen Minderheit in Nordschleswig erfolgen. Ein gesellschaftliches Engagement, das kein hauptamtlicher Mitarbeiter jemals ersetzen kann und soll.

Es ist dem Wirken der vielen Nordschleswiger, ob in Schleswigscher Partei, Schulvorstand, Sport- oder Ortsverein, geschuldet, dass wir heute so gut aufgestellt sind wie wir es sind und eine aktive lokale Gemeinschaft in vielen Ortschaften in Nordschleswig vorfinden.

Dennoch scheint es, dass der Zahn der Zeit am Ehrenamt nagt. Ich habe schon oft gehört, es sei außerordentlich schwierig, engagierte Mitbürger für die Arbeit im Verein zu finden. Es habe sich viel verändert – früher war es eben eine Selbstverständlichkeit, sich zu engagieren. Einhergehend mit dem Spruch (den ich sehr häufig gehört habe): Früher wäre bei Einstellung eines Lehrers in Nordschleswig gleich gefragt worden, in welchem Verein vor Ort man sich engagieren wolle oder welche Handballmannschaft man trainieren möchte. Es wurde quasi vorausgesetzt, eine ehrenamtliche Tätigkeit anzunehmen, und so sei es heute nicht mehr. Da muss ich feststellen: Früher war früher, und heute ist heute!

Anstelle sich an Strukturen und Gepflogenheiten der früheren Zeiten verbittert zu klammern, sollten wir schauen, was es bedarf, Menschen heutzutage für ein aktives Ehrenamt zu begeistern. Hier müssen wir alle und schließlich auch die Vereine uns der schnelllebigen Gesellschaft anpassen und die tollen Eigenschaften und Werte des Ehrenamtes hervorheben.

Ich denke dabei an Gemeinschaft, soziales Miteinander, Familie. Skalierbare Aufgaben des Ehrenamts helfen ebenfalls im stressigen Alltag, die Zeit für das Engagement für die Gemeinschaft zu finden. Als Vorstand muss man halt nicht den ganzen Arm nehmen, wenn einem der Finger ausgestreckt wird.
Ehrenamt der Ehre wegen – ein Ehrenamt erfolgt eben nicht, weil eine Bezahlung in Form von Geld erfolgt.

Tendenzen, das Ehrenamt durch Bezahlung dessen attraktiver zu machen, sind dem Begriff Ehrenamt vollkommen zuwider und verwässern m. E. die ganze Identität des Ehrenamtes markant. Denn das Ehrenamt lebt davon, dass man es der Gemeinschaft wegen macht und nicht des Geldes wegen. Frei nach Leo Tolstoi: „Das Gute, welches du anderen tust, tust du immer auch dir selbst.“

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