Kulturkommentar

„Demokratie und Frieden sind keine Selbstverständlichkeit“

Demokratie und Frieden sind keine Selbstverständlichkeit

Demokratie und Frieden sind keine Selbstverständlichkeit

Claudia Knauer
Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
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Demokratie verlangt aktives Tun, schreibt Claudia Knauer in ihrem Kulturkommentar. Dabei sei es egal, wie alt die Demokratie im Lande schon sein mag. Für die Büchereidirektorin ist eine vernünftige Verteidigung und gute Bildung der Schlüssel für deren Sicherung.

In Deutschland gehen seit Wochen Hunderttausende auf die Straße, um für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus die Stimme zu erheben. In Dänemark geschieht nichts dergleichen.

Deutschland und Dänemark haben einen ähnlich geschichtlichen und kulturellen Hintergrund, wir stehen gemeinsam ein für Grundwerte und -rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, persönliche Freiheit oder Schutz vor staatlicher Willkür.

Die Unterschiede zwischen dem deutschen Grundgesetz und der dänischen Verfassung reflektieren aber die einzigartigen historischen, kulturellen und politischen Pfade, die jedes Land eingeschlagen hat, um seine demokratische Struktur zu formen. Das deutsche Grundgesetz, das 1949 in Kraft trat, legt den Schwerpunkt auf den Schutz der individuellen Grundrechte und war eine direkte Antwort auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die Diktatur des Nationalsozialismus. 

Die dänische Verfassung hingegen, die erstmals 1849 verabschiedet und seitdem nur wenige Male geändert wurde, beginnt mit der Stellung der Monarchie, wobei Dänemark allerdings eine parlamentarische Monarchie ist, in der der König fast ausschließlich repräsentative und staatsnotarielle Funktionen wahrnimmt. Die gemeinsamen demokratischen Werte der Freiheit, Gleichheit und der Rechtsstaatlichkeit finden im dänischen Grundgesetz erst ab Paragraf 71 Erwähnung, während schon Art. 1 des Grundgesetzes sagt: (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. 

Beide Länder aber sind sich einig, dass Demokratie und die aktive Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger am politischen Prozess Grundpfeiler für Frieden, Stabilität und Wohlstand sind. Deshalb ist es so wichtig, dafür mit Stimme und Füßen einzustehen, wenn die Zeitläufte es erfordern.

Und auch Dänemark tut gut daran, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass Demokratie und Frieden keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer bedroht werden können – von innen wie von außen. Um sich dagegen zu wappnen, braucht es eine vernünftige Verteidigung (Si vis pacem para bellum, wie das lateinische Sprichwort sagt. Wörtlich übersetzt lautet es: „Wenn du (den) Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.“) und eine gute umfassende Bildung in Schule und Gesellschaft, damit auch die kommenden Generationen wissen, dass Demokratie aktives Tun verlangt – egal, wie alt die Demokratie im Lande schon sein mag.

Die in diesem Kulturkommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.

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