Kulturkommentar

Achtung Vater-Gefahr

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Ein Kulturkommentar von Chefredakteur Gwyn Nissen.

Extra Polizeikräfte im Einsatz. Hundestaffeln als Verstärkung. Die Einrichtung von Gefahrenzonen. Und was ist der Grund für diesen Großeinsatz? Etwa ein EU-Treffen, ein politischer Gipfel oder eine Demonstration von Autonomen? Nein: Vatertag in Deutschland.

Ich habe schon immer gewusst, dass es zum Christi Himmelfahrtstag heiß hergeht. Männer ziehen mit den Bollerwagen ihrer Kinder los und kommen nach einem durchzechten Tag spät nach Hause. Bei der Feier geht das eine oder andere schief: Verletzungen, Unfälle – mit Alkohol im Blut lässt sich das nicht ganz vermeiden.

Das alles ist aber noch recht harmlos und Papi ist selbst Schuld, wenn er fällt und sich die Hand bricht oder den Knöchel verstaucht. Dass die deutsche Polizei allerdings bestimmte Strände und Parks zu Gefahrenzonen erklären muss, weil sich Papas in die Haare kriegen und sich in Massenschlägereien verwickeln, ist gar nicht in Ordnung.

Da hört sich ein Vatertag in Dänemark an wie ein Übungsabend im Knabenchor. Vielleicht benehmen sich dänische Väter einfach besser – oder es hängt damit zusammen, dass der dänische Vatertag am 5. Juni an einem ständig wechselnden Wochentag stattfindet. Denn so richtig Blau ist niemand an einem Dienstag, wenn er am nächsten Tag wieder zur Arbeit muss.

Da fiel mir ein, was der Flensburger Handballer (und Vater) Lasse Svan Hansen vergangene Woche bei einer Benefiz-Veranstaltung in Tingleff sagte: „Vergesst nicht – ihr seid alle Vorbilder. Bei der Arbeit, zu Hause mit den Kindern, im Verein. Irgend jemand sieht euch immer als Vorbild. Enttäuscht sie nicht.“ Davon können sich einige Väter eine Scheibe abschneiden. Vatertag und Großeinsatz der Polizei. Das hat auf jeden Fall nicht Vorbildcharakter.

Übrigens haben deutsch-nordschleswigsche Väter Glück: Sie feiern zu Christi Himmelfahrt den deutschen Vatertag und am 5. Juni den dänischen – beides natürlich mit Anstand.

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