Kulturkommentar

„Abi: Dänen feiern besonders“

Abi: Dänen feiern besonders

Abi: Dänen feiern besonders

Max Hey
Max Hey
Nordschleswig
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Junge Menschen in Dänemark und Deutschland feiern Jahr für Jahr ihr Abitur ausgiebig. Obwohl traditionelle Unterschiede dabei selbstverständlich sind, gibt es insbesondere eine dänische Form des Feierns, die „Nordschleswiger“-Praktikant Max Hey zum Nachdenken anregt.

Das Abitur ist etwas Besonderes, es kennzeichnet das Ende eines Lebensabschnittes – das der Schulzeit, das der Kindheit. Ganze zwölf Jahre fiebern viele Schülerinnen und Schüler diesem Moment hingegen. Es bis dorthin geschafft zu haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Dementsprechend muss dieser Anlass dann umso ausgelassener gefeiert werden, wenn das Schulbankdrücken „endlich“ ein Ende hat. Wochen voller Feiern, egal ob in Dänemark oder südlich der Grenze.

Nationale und lokale Unterschiede sind dabei natürlich überall vorhanden. Obwohl mein Abitur schon eine gefühlte Ewigkeit zurückliegt (acht Jahre) und ich erst zwei Jahre in Dänemark lebe, hat mir ein spezifischer Brauch besonders imponiert: „Studenterkørsel“.Ich glaube nämlich, dass es in Deutschland niemals „normal“ sein wird, wenn eine (alkoholisierte) Schülerschar auf dem halb offenen Anhänger eines Kraftfahrzeuges bei allen Eltern einkehrt und auf dem Weg noch von Passanten Beifall oder wohlwollende Zurufe erhält.

Weder meine Eltern noch die Eltern meiner Mitschülerinnen und Mitschüler wären wohl damit einverstanden, wenn 25 feierwütige Jugendliche bei ihnen aufschlagen und erwarten, mit Essen und Alkohol bedient zu werden. Als ich 18 war, hätte ich mir jedoch wahrscheinlich keine bessere Art und Weise vorstellen können, mein Abitur zu feiern als eine solche.

Vielleicht bin ich noch nicht vertraut genug mit diesem Land oder dieser Tradition, um dieses Ereignis hier richtig wiederzugeben oder einzuschätzen, aber in meinen Augen sind die soziale Unterstützung und Toleranz, die dabei mitschwingen, bewundernswert. Auf der anderen Seite finde ich es fragwürdig, wenn alkoholisierte Jugendliche Gefahr laufen, in voller Fahrt von einem nicht sonderlich gesicherten Fahrzeug zu fallen oder sich bei Eltern Nummer 24 ausgiebig übergeben zu müssen.

Natürlich gibt es trotz aller Gemeinsamkeiten auch viele andere zeremonielle Unterschiede zwischen Dänen und Deutschen, aber ich frage mich bezüglich dieser Tradition ganz einfach, warum ich mir etwas Vergleichbares in Deutschland nicht vorstellen kann.

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