Kulturkommentar

Abgehängt

Claudia Knauer
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Photopop/VisitDenmark

Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Dänemark hat – bisher jedenfalls – die gute Kultur, dass in der Gemeinschaft alle ihre Platz finden sollen. Wer keinen geraden Weg gehen kann, wird auf den Umweg geleitet und begleitet. Dieser Konsens bröckelt immer mehr. Die Ellenbogen werden ausgefahren, die Grenzen, ob für Menschen in Not oder Wildschweine, dichtgemacht. Nach Trumps „America first“ kommt „Danmark først“ und dann sehr schnell das „ich zuerst“.

Immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt, und das hat oft wenig mit dem Geld zu tun. Wenn, wie am VUC in Hadersleben, die Führungsebene sich an vielem vergeht und offenbar das Mehren von Einnahmen weit über den Bildungsauftrag stellt, dann hat das unmittelbare schlimme Auswirkungen. Das Bodenpersonal, sprich Lehrer und Verwaltung, stehen vor Kündigungen und die Schüler vor Unsicherheiten. Das trifft dann genau die, die besonders verwundbar sind und eben nicht den geraden Weg einschlagen konnten. Wird der Fernunterricht gestrichen, geht das zulasten derer, die nicht zur Schule kommen können, sei es, weil sie als Häftlinge einsitzen oder Kind/Beruf/Pflege unter einen Hut bringen und sich zu anderen Zeiten und auf andere Art bilden müssen.

Abgehängt werden auch die, die die digitale Welt nicht zu ihrer machen wollen oder können. Das Land zwingt ihnen die elektronische Post auf. Der Nordschleswiger kommt bald im Wesentlichen nur im Netz vor. Wahlmöglichkeiten gibt es kaum. Es wird versucht, so viele wie möglich zu erreichen. Das ist aller Ehren wert und verdient Lob. Aber reicht das? Wie viele Menschen werden das Gefühl haben, die Kultur der Gemeinschaft gilt nicht mehr für sie? Zentral ist nicht nur ein Faktum, sondern vor allem auch das gefühlte Erleben, die Annahme, abgehängt und nicht mehr gewollt zu werden. Das ist ein gefährlicher Weg – gesellschaftlich und politisch.

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